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IRMGARD RUSCHENBUSCH (1912 – 1941)
Irmgard Ruschenbusch wurde am 5. März 1896 in Hermannsburg im Landkreis Celle geboren. Ihre Eltern waren Bertha Ruschenbusch, geborene Harms, und der Landarzt Dr. Ernst Friedrich Ruschenbusch. Die Familie der Mutter war fest verankert in Hermannsburg und freikirchlich orientiert, es gingen Missionare und Pastoren aus ihr hervor.
Irmgard war das erste Kind des Ehepaares. Es folgte noch die Schwester Elsa. Die beiden Mädchen hatten eine sorglose, ungetrübte Kindheit. Sie endete, als der Vater im Januar 1911 im Alter von 45 Jahren an einer Hals-Krebserkrankung starb.
Irmgard schloss die Schule nach dem Volksschulabschluss ab und ging nach Hamburg. Im sogenannten »Froebel-Seminar« begann sie eine Ausbildung als Erzieherin. Wegen Anzeichen eines »jugendlichen Irreseins« musste sie ihre Ausbildung jedoch abbrechen und zu ihrer Mutter zurückkehren. Im Herbst 1918 ging es ihr dort schlechter, sodass sie erstmals in die Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt aufgenommen wurde. Ein halbes Jahr später wurde sie wieder »gebessert« nach Hause entlassen. Fünf Jahre später erkrankte Irmgard erneut und wurde ein zweites Mal Patientin in der Anstalt. Diesmal wurde die Diagnose »Schizophrenie« gestellt und sie blieb Anstaltspatientin.
Irmgard soll in den ersten Jahren regelmäßig Besuch von ihrer Mutter und ihrer Schwester Elsa bekommen haben. Elsa, die ab 1926 zu ihrem Ehemann gezogen war, habe hierfür sogar den Weg aus Hannover auf sich genommen. Auch mit Briefen und Paketen hielten Mutter und Schwester Kontakt.
Die Besuche endeten jedoch 1940, als Elsa nach Potsdam zog.
Irmgard wurde am 30. April 1941 in die Zwischenanstalt Herborn verlegt. Von dort wurde sie am 16. Juni 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar gebracht und ermordet. Ihre Mutter erfuhr von der »planwirtschaftlichen Verlegung« erst Mitte Juni 1941. Da Bertha nicht wusste, dass ihre Tochter zu diesem Zeitpunkt bereits getötet worden war, schickte sie ihr ein Paket nach Hadamar. Auf dieses Paket folgte keine Reaktion.
Wenige Wochen später erhielt Irmgards Mutter stattdessen einen »Trostbrief«. Mit der Vermutung, dass ihre Tochter ermordet worden war, zerriss sie ihn. Danach organisierte sie eine kirchliche Trauerfeier, damit die Familie sich in Würde von ihr verabschieden konnte.
Am 3. November 2011 wurde im Beisein von Familienangehörigen ein Stolperstein für Irmgard Ruschenbusch verlegt. Zweimal im Jahr fährt ein Nachfahre nach Hermannsburg, putzt den Stein und stellt eine Grabkerze auf. »Da müssen die Menschen dann drüber steigen«, erzählt Michael Schade mit einem Schmunzeln.
IRMGARD RUSCHENBUSCH
Irmgard Ruschenbusch ist im Jahr 1896 in Hermannsburg geboren.
Das ist ein Ort in der Nähe von Celle.
Ihre Eltern sind Bertha und Ernst Ruschenbusch.
Ihr Vater ist Land-Arzt.
Ihre Mutter ist sehr christlich.
In der Familie von der Mutter gibt es viele Kirchen-Menschen.
Irmgard ist das erste Kind.
Sie hat eine jüngere Schwester Elsa.
Elsa und Irmgard haben eine schöne Kindheit.
Bis der Vater stirbt.
Er stirbt an Krebs.
Da ist Irmgard 14 Jahre alt.
Irmgard geht nach Hamburg.
Da lernt sie Erzieherin.
Dann wird sie krank.
Sie muss aufhören.
Sie erkrankt an Realitäts-Verlust.
Sie geht zurück nach Hermannsburg.
Zu ihrer Mutter.
Aber es wird nicht besser.
Deswegen muss sie in die Anstalt.
Sie wird Patientin in Lüneburg.
Sie wird wieder gesund.
Sie darf wieder nach Hause.
5 Jahre bleibt sie gesund.
Dann kommt der Realitäts-Verlust zurück.
Sie muss ein zweites Mal in die Anstalt.
Diesmal bleibt sie.
Ihre Mutter und ihre Schwester Elsa besuchen Irmgard.
Sie schicken Briefe.
Und Pakete.
15 Jahre lang.
Dann zieht ihre Schwester um.
Der Weg nach Lüneburg wird zu weit.
Die Mutter schafft es auch nicht alleine.
Darum hört der Besuch auf.
1 Jahr bekommt sie keinen Besuch.
Dann wird Irmgard verlegt.
In die Tötungs-Anstalt.
Sie wird vergast.
Sie wird ein Opfer vom Patienten-Mord.
Das ist im Jahr 1941.
Ihre Mutter schickt ihr ein Paket hinter-her.
Sie bekommt keine Antwort von Irmgard.
Da weiß die Mutter:
Irmgard ist ermordet worden.
Dann kommt ein Brief.
Darin steht:
Irmgard ist an einer Lungen-Entzündung gestorben.
Das ist eine Lüge.
Das weiß die Mutter.
Sie spricht mit der Kirche.
Irmgard bekommt eine Beerdigung.
Das ist der Mutter wichtig.
Die Familie will sich von Irmgard verabschieden.
Im Jahr 2011 bekommt Irmgard einen Stolper-Stein.
Er liegt in Hermannsburg.
Die Familie fährt 2 Mal im Jahr hin.
Dann putzen sie den Stein.
Und stellen eine Kerze auf.
Irmgard soll nicht vergessen werden.
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IRMGARD RUSCHENBUSCH (1912 – 1941)
Irmgard Ruschenbusch was born on March 5, 1896 in Hermannsburg in the district of Celle. Her parents were Bertha Ruschenbusch, née Harms, and the country doctor Dr. Ernst Friedrich Ruschenbusch. Her mother’s family was firmly rooted in Hermannsburg and was oriented towards the free church, producing missionaries and pastors.
Irmgard was the couple’s first child. She was followed by her sister Elsa. The two girls had a carefree, untroubled childhood. It ended when their father died of throat cancer in January 1911 at the age of 45.
Irmgard finished school after leaving primary school and went to Hamburg. She began training as an educator at the so-called »Froebel Seminar«. However, due to signs of »juvenile insanity«, she had to break off her training and return to her mother. In the fall of 1918, she became worse there and was admitted to the Lüneburg institution and nursing home for the first time. Six months later, she was released back home »improved«. Five years later, Irmgard fell ill again and was admitted to the institution for a second time. This time she was diagnosed with »schizophrenia« and remained an inpatient.
Irmgard is said to have received regular visits from her mother and her sister Elsa in the early years. Elsa, who moved in with her husband in 1926, even made the journey from Hanover for this purpose. Mother and sister also kept in touch with letters and parcels.
However, the visits ended in 1940 when Elsa moved to Potsdam.
Irmgard was transferred to the Herborn intermediate care facility on April 30, 1941. From there, she was taken to the Hadamar killing center on June 16, 1941 and murdered. Her mother only found out about the »planned transfer« in mid-June 1941. As Bertha did not know that her daughter had already been killed at this point, she sent her a parcel to Hadamar. There was no response to this parcel.
A few weeks later, Irmgard’s mother received a »letter of consolation« instead. Suspecting that her daughter had been murdered, she tore it up. She then organized a church funeral service so that the family could say goodbye to her with dignity.
On November 3, 2011, a stumbling stone was laid for Irmgard Ruschenbusch in the presence of family members. Twice a year, a descendant travels to Hermannsburg to clean the stone and place a grave candle. »People then have to step over it,« says Michael Schade with a smile.
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IRMGARD RUSCHENBUSCH (1912 – 1941)
Irmgard Ruschenbusch urodziła się 5 marca 1896 roku w Hermannsburgu w powiecie Celle. Jej rodzicami byli Bertha Ruschenbusch, z domu Harms, oraz lekarz wiejski dr Ernst Friedrich Ruschenbusch. Rodzina matki była mocno zakorzeniona w Hermannsburgu i zorientowana na kościół wolny, wywodziła się z niej wielu misjonarzy i pastorów.
Irmgard była pierwszym dzieckiem tej pary. Potem urodziła się jej siostra Elsa. Obie dziewczynki miały beztroskie, szczęśliwe dzieciństwo. Skończyło się ono, gdy w styczniu 1911 roku ich ojciec zmarł w wieku 45 lat na raka gardła.
Irmgard ukończyła szkołę podstawową i wyjechała do Hamburga. W tak zwanym »Seminarium Froebla« rozpoczęła kształcenie jako wychowawczyni. Jednak z powodu oznak »młodzieńczego szaleństwa« musiała przerwać naukę i wrócić do matki. Jesienią 1918 roku jej stan się pogorszył, więc po raz pierwszy została przyjęta do szpitala psychiatrycznego w Lüneburgu. Pół roku później została wypisana do domu jako »wyleczona«. Pięć lat później Irmgard ponownie zachorowała i po raz drugi trafiła do szpitala. Tym razem zdiagnozowano u niej »schizofrenię« i pozostała pacjentką szpitala.
Irmgard miała regularnie odwiedzać swoją matkę i siostrę Elsę w pierwszych latach. Elsa, która w 1926 roku przeprowadziła się do swojego męża, przyjeżdżała nawet z Hanoweru. Matka i siostra utrzymywały kontakt również poprzez listy i paczki.
Wizyty zakończyły się jednak w 1940 roku, kiedy Elsa przeprowadziła się do Poczdamu.
Irmgard została przeniesiona 30 kwietnia 1941 r. do zakładu przejściowego w Herborn. Stamtąd 16 czerwca 1941 r. została przewieziona do ośrodka eutanazji w Hadamar i zamordowana. Jej matka dowiedziała się o »przeniesieniu w ramach gospodarki planowej« dopiero w połowie czerwca 1941 r. Ponieważ Bertha nie wiedziała, że jej córka została już zamordowana, wysłała jej paczkę do Hadamar. Nie otrzymała żadnej odpowiedzi na tę paczkę.
Kilka tygodni później matka Irmgard otrzymała zamiast tego »list pocieszenia«. Podejrzewając, że jej córka została zamordowana, podarła go. Następnie zorganizowała pogrzeb kościelny, aby rodzina mogła godnie pożegnać się z córką.
3 listopada 2011 r. w obecności członków rodziny położono kamień pamięci dla Irmgard Ruschenbusch. Dwa razy w roku potomek rodziny jedzie do Hermannsburga, czyści kamień i stawia świeczkę nagrobną. »Ludzie muszą wtedy nad nim przechodzić« – opowiada Michael Schade z uśmiechem.

