NFC zu 03-15-05-00

Herta Ley, etwa Frühjahr 1932.
ArEGL.
HERTA LEY (1930 – 1942)
Herta Ley wurde am 9. Oktober 1930 in Westrhauderfehn, Kreis Leer, geboren. Sie erkrankte mit zwei oder drei Jahren an einer Hirnhautentzündung. Ihr Vater Wessel Ley war Arbeiter und Landwirt. Über die Mutter Gesine Ley ist wenig dokumentiert. Sie arbeitete in der Landwirtschaft mit und hielt ab 1939 den Hof. Herta hatte eine zwei Jahre jüngere Schwester Ilse.
Herta Ley wurde im Alter von fast fünf Jahren in die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission aufgenommen. Die Einweisung wurde durch den Kreisarzt veranlasst, der bei einer gelegentlichen Untersuchung einen »angeborenen Schwachsinn schwersten Grades« feststellte. Bei der Aufnahme gaben die Eltern an, Herta könne ein paar Worte sprechen, gehen, sitzen und stehen, jedoch wurden diese Angaben bezweifelt und die Diagnose »Idiotie« gestellt. Auch fehlen in den Arztberichten Zuschreibungen wie »unsauber«, »kann nicht alleine essen« etc., sodass angenommen werden kann, dass Herta bei ihrer Aufnahme tatsächlich in einem gewissen Maße selbstständig war.
Herta wurde zu Weihnachten beurlaubt und hin und wieder von ihrer Mutter besucht. Herta nahm in der Rotenburger Anstalt jedoch eine schlechte Entwicklung. Sie verlernte das Laufen, Sprechen und verlor ihre Selbständigkeit. Offenbar wurde sie nicht gefördert und stattdessen vernachlässigt. Kurz vor ihrer Verlegung nach Lüneburg 1941 heißt es abschließend »Ganz tiefstehendes Mädchen, das sich selbst schlägt und beißt.« Zwei Monate später schrieb der Lüneburger Arzt Willi Baumert über Herta: »Völlig tiefstehend und offenkundig bildungsunfähig«.
Im November 1941 wurde an die Eltern ein Schreiben geschickt, das sie darüber in Kenntnis setzte, dass ihre Tochter hochfieberhaft an einem Bronchialkatarrh erkrankt sei. In der Akte ist hierzu nichts vermerkt. Vermutlich war Herta gar nicht erkrankt, sondern wurden ihre Eltern versehentlich angeschrieben.
Laut Akte erkrankte Herta erst Ende Januar / Anfang Februar 1942 fieberhaft. Sie starb am 3. Februar 1942 im Alter von elf Jahren. Die in der Todesanzeige angegebene offizielle Todesursache lautete »doppelseitige Lungentuberkulose«, obwohl sich hierzu kein einziger Eintrag in ihrer Krankenakte findet. Hierbei bezog sich Willi Baumert auf vermeintliche Tuberkulose-Vorerkrankungen von Herta. Doch diese hatte es nie gegeben. Das geht aus zwei Arztberichten hervor, die 1936 und 1940 erstellt wurden. Zweimal war Herta Ley mit Verdacht auf Lungen-Tbc untersucht worden, beide Untersuchungen waren jedoch ohne Befund. Bei der Untersuchung 1940 wurde sogar festgestellt: »Der Durchleuchtungsbefund liess nichts für eine Tbc. erkennen, jedoch einen Herzfehler vermuten, möglicherweise einen angeborenen. […] Lungenfelder einwandfrei«.
An den Vater, der zur gleichen Zeit im Lager Löningen seinen Heimatschutzdienst leistete, gingen noch am Todestag ein Telegramm und ein ausführliches Schreiben. Darin hieß es: »Wie ich Ihnen bereits telegraphisch mitteilte ist Ihre Tochter Herta Ley heute Vormittag 3,30 Uhr sanft entschlafen.« Sie wurde drei Tage später auf dem Anstaltsfriedhof, dem heutigen Friedhof Nord-West, bestattet.
Im Strafprozess wegen Mordes gegen Max Bräuner, Willi Baumert und die Pflegerin der Mädchenstation Dora Vollbrecht 1962 – 1966 wurde Hertas Krankenakte am 12. Juni 1963 als Beweisstück angeführt. In ihrer Befragung konnte Dora Vollbrecht die Tötung vieler namentlich benannter Kinder jedoch nicht mehr erinnern. 1966 wurde Dora Vollbrecht außer Verfolgung gesetzt, 1980 das Strafverfahren gegen sie wegen Verfahrensunfähigkeit endgültig eingestellt.
Nach dem Tod von Herta bekam ihre Mutter Gesine noch zwei Mädchen, Wilma und Hanne. Weil Hanne am gleichen Tag geboren wurde wie Herta, sollte sie erst den Namen Herta tragen. Erna, die Schwester von Gesine, verhinderte dies. Sie hatte sich um Herta gekümmert, bevor diese in die Anstalt aufgenommen wurde und erzählte später von ihr. Ihre Schwester Hanne trug zur Aufarbeitung von Hertas Schicksal bei.
HERTA LEY
Herta Ley ist 1930 in West-Rhauder-Fehn geboren.
Das ist im Land-Kreis Leer.
Mit 2 Jahren hat sie eine Hirn-Haut-Entzündung.
Das ist gefährlich.
Dann ist das Gehirn entzündet.
Es kann zu einem Schaden kommen.
Und das ist bei Herta passiert.
Sie bekommt eine geistige Behinderung.
Der Vater ist Arbeiter und Bauer.
Auch die Mutter arbeitet in der Land-Wirtschaft.
Herta hat eine jüngere Schwester.
Sie kommt nach Rotenburg.
In die Anstalt.
Da ist sie fast 4 Jahre alt.
Das hat ein Arzt entschieden.
Es ist der Arzt aus dem Gesundheits-Amt.
Die Eltern sagen:
Herta soll zu Hause bleiben.
Sie kann laufen, sprechen, sitzen, essen, trinken.
Alles alleine und ohne Hilfe.
Aber der Arzt glaubt den Eltern nicht.
Darum bleibt sie in Rotenburg.
Dort geht es Herta schlecht.
Nach 2 Jahren kann sie nichts mehr alleine.
Sie kann nicht mehr sprechen und laufen.
Auch alles andere hat sie verlernt.
Denn keiner hat mit ihr geübt.
Im Oktober 1941 kommt Herta nach Lüneburg.
Dort ist eine Anstalt.
Sie kommt in die Kinder-Fach-Abteilung.
Das ist eine Abteilung nur für Kinder und Jugendliche.
Nach 4 Wochen bekommen die Eltern einen Brief.
Darin steht:
Herta ist krank.
Sie hat Fieber.
Aber das stimmt nicht.
Im Januar 1942 wird Herta wirklich krank.
Sie bekommt ein Medikament.
Und zwar viel zu viel davon.
Mit Absicht.
Sie soll sterben.
Sie stirbt am 3. Februar 1942.
Der Arzt sagt:
Herta stirbt an einer Lungen-Krankheit.
Sie heißt Tuberkulose oder T B C.
Aber auch das stimmt nicht.
Der Arzt lügt.
Herta hat kein T B C.
Es gibt sogar einen Beweis.
2 Mal wird sie unter-sucht.
2 Mal hat sie kein T B C.
Die Wahrheit ist:
Herta ist ein Opfer des Patienten-Mordes.
Sie wird auf dem Fried-Hof der Anstalt beerdigt.
Das ist der Fried-Hof Nord-West.
Viele Jahre später ist eine Pflegerin vor Gericht.
Sie hat Herta das Medikament gegeben.
Sie hat Herta ermordet.
Aber sie sagt:
Ich kann mich an nichts erinnern.
Darum bekommt sie keine Strafe.
Das ist im Jahr 1966.
Nach dem Tod von Herta werden 2 Schwestern geboren:
Das eine Mädchen soll auch Herta heißen.
Weil sie am gleichen Tag geboren ist wie Herta.
Die Tante sagt: Nein!
Gebt dem Kind einen eigenen Namen.
Herta ist ermordet worden.
Ihre Schwester soll davon frei groß werden.
Also bekommt die Schwester den Namen Hanne.
Später erzählt die Tante die ganze Geschichte.
So erfährt Hanne von der Ermordung ihrer Schwester.
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Herta Ley, around spring 1932.
ArEGL.
HERTA LEY (1930 – 1942)
Herta Ley was born on 9 October 1930 in Westrhauderfehn, in the district of Leer. At the age of two or three, she contracted meningitis. Her father, Wessel Ley, was a labourer and farmer. Little is known about her mother, Gesine Ley. She worked on the farm and took over the running of it in 1939. Herta had a sister, Ilse, who was two years younger.
Herta Ley was admitted to the Rotenburg institutions of the Inner Mission at the age of almost five. The admission was arranged by the district doctor, who diagnosed »congenital mental deficiency of the most severe degree« during a routine examination. Upon admission, Herta’s parents stated that she could speak a few words, walk, sit and stand, but these statements were doubted and she was diagnosed with »idiocy.« The medical reports also lack descriptions such as »untidy,« »cannot eat alone,« etc., so it can be assumed that Herta was indeed somewhat independent when she was admitted.
Herta was granted leave at Christmas and visited occasionally by her mother. However, Herta’s condition deteriorated at the Rotenburg institution. She forgot how to walk and talk and lost her independence. Apparently, she was not encouraged but neglected instead. Shortly before her transfer to Lüneburg in 1941, the final assessment read: »A very low-grade girl who hits and bites herself.« Two months later, the Lüneburg doctor Willi Baumert wrote about Herta: »Completely low-grade and obviously incapable of learning.«
In November 1941, a letter was sent to her parents informing them that their daughter was suffering from bronchial catarrh and had a high fever. There is no mention of this in the file. Presumably, Herta was not ill at all, but her parents were sent the letter by mistake.
According to the file, Herta first fell ill with a fever at the end of January/beginning of February 1942. She died on 3 February 1942 at the age of eleven. The official cause of death stated in the obituary was »bilateral pulmonary tuberculosis,« although there is no mention of this in her medical records. Willi Baumert referred to Herta’s alleged previous tuberculosis infections. However, these had never existed. This is evident from two medical reports written in 1936 and 1940. Herta Ley had been examined twice for suspected pulmonary tuberculosis, but both examinations were inconclusive. The 1940 examination even stated: »The X-ray findings did not indicate tuberculosis, but suggested a heart defect, possibly congenital. […] Lung fields are normal.«
On the day of her death, a telegram and a detailed letter were sent to her father, who was doing his national service at the Löningen camp at the »As I already informed you by telegram, your daughter Herta Ley passed away peacefully at 3:30 this morning.« She was buried three days later in the institution’s cemetery, now known as the North-West Cemetery.
In the criminal trial for murder against Max Bräuner, Willi Baumert and the nurse of the girls‘ ward, Dora Vollbrecht, from 1962 to 1966, Herta’s medical records were presented as evidence on 12 June 1963. However, during her interrogation, Dora Vollbrecht could no longer remember the killing of many of the children named. In 1966, Dora Vollbrecht was released from prosecution, and in 1980, the criminal proceedings against her were finally discontinued due to her inability to stand trial.
After Herta’s death, her mother Gesine had two more daughters, Wilma and Hanne. Because Hanne was born on the same day as Herta, she was initially given the name Herta. Erna, Gesine’s sister, prevented this. She had looked after Herta before she was admitted to the institution and later told people about her. Her sister Hanne helped to come to terms with Herta’s fate.
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Herta Ley, około wiosny 1932 roku.
ArEGL.
HERTA LEY (1930 – 1942)
Herta Ley urodziła się 9 października 1930 r. w Westrhauderfehn, w powiecie Leer. W wieku dwóch lub trzech lat zachorowała na zapalenie opon mózgowych. Jej ojciec, Wessel Ley, był robotnikiem i rolnikiem. Niewiele wiadomo o jej matce, Gesine Ley. Pracowała na farmie i przejęła jej prowadzenie w 1939 roku. Herta miała siostrę, Ilse, która była dwa lata młodsza.
Herta Ley została przyjęta do instytucji Inner Mission w Rotenburgu w wieku prawie pięciu lat. Przyjęcie zostało zorganizowane przez lekarza okręgowego, który podczas rutynowego badania zdiagnozował »wrodzoną upośledzenie umysłowe w najcięższym stopniu«. W momencie przyjęcia rodzice Herty oświadczyli, że potrafi ona wypowiedzieć kilka słów, chodzić, siedzieć i stać, ale oświadczenia te zostały poddane w wątpliwość i zdiagnozowano u niej »idiotyzm«. W raportach medycznych brakuje również opisów takich jak »niechlujna«, »nie potrafi samodzielnie jeść« itp., więc można założyć, że w momencie przyjęcia Herta była rzeczywiście w pewnym stopniu samodzielna.
Herta otrzymała przepustkę na Boże Narodzenie i odwiedzała ją od czasu do czasu matka. Jednak stan Herty pogorszył się w zakładzie w Rotenburgu. Zapomniała, jak chodzić i mówić, i straciła samodzielność. Najwyraźniej nie zachęcano jej, ale zaniedbywano. Tuż przed przeniesieniem do Lüneburga w 1941 roku w końcowej ocenie napisano: »Dziewczynka o bardzo niskim poziomie rozwoju, która bije się i gryzie«. Dwa miesiące później lekarz z Lüneburga, Willi Baumert, napisał o Hercie: »Całkowicie niski poziom rozwoju i oczywista niezdolność do nauki«.
W listopadzie 1941 roku wysłano do jej rodziców list z informacją, że ich córka cierpi na zapalenie oskrzeli i ma wysoką gorączkę. W aktach nie ma o tym żadnej wzmianki. Można przypuszczać, że Herta wcale nie była chora, a list został wysłany do jej rodziców przez pomyłkę.
Zgodnie z dokumentacją, Herta po raz pierwszy zachorowała na gorączkę pod koniec stycznia/na początku lutego 1942 roku. Zmarła 3 lutego 1942 roku w wieku jedenastu lat. Oficjalną przyczyną śmierci podaną w nekrologu była »obustronna gruźlica płuc«, chociaż nie ma o tym wzmianki w jej dokumentacji medycznej. Willi Baumert odniósł się do rzekomych wcześniejszych zakażeń gruźlicą u Herty. Jednak nigdy nie miała ona miejsca. Wynika to jasno z dwóch raportów medycznych sporządzonych w 1936 i 1940 roku. Herta Ley była dwukrotnie badana pod kątem podejrzenia gruźlicy płuc, ale oba badania nie dały jednoznacznych wyników. W badaniu z 1940 roku stwierdzono nawet: »Wyniki badań rentgenowskich nie wskazują na gruźlicę, ale sugerują wadę serca, prawdopodobnie wrodzoną. […] Pola płucne są w normie«.
W dniu jej śmierci do jej ojca, który odbywał służbę wojskową w obozie Löningen, wysłano telegram i szczegółowy list: »Jak już poinformowałem Pana w telegramie, Pańska córka Herta Ley zmarła spokojnie o godz. 3:30 nad ranem«. Została pochowana trzy dni później na cmentarzu przy zakładzie, znanym obecnie jako Cmentarz Północno-Zachodni.
W procesie karnym o morderstwo przeciwko Maxowi Bräunerowi, Williemu Baumertowi i pielęgniarce oddziału dziewczęcego, Dorze Vollbrecht, trwającym od 1962 do 1966 roku, dokumentacja medyczna Herty została przedstawiona jako dowód w dniu 12 czerwca 1963 roku. Jednak podczas przesłuchania Dora Vollbrecht nie była w stanie przypomnieć sobie zabójstwa wielu z wymienionych dzieci. W 1966 r. Dora Vollbrecht została zwolniona z postępowania karnego, a w 1980 r. postępowanie karne przeciwko niej zostało ostatecznie umorzone z powodu jej niezdolności do udziału w procesie.
Po śmierci Herty jej matka Gesine urodziła jeszcze dwie córki, Wilmę i Hanne. Ponieważ Hanne urodziła się tego samego dnia co Herta, początkowo nadano jej imię Herta. Erna, siostra Gesine, zapobiegła temu. Opiekowała się Hertą przed jej przyjęciem do zakładu, a później opowiadała o niej innym. Jej siostra Hanne pomogła jej pogodzić się z losem Herty.

