NFC zu 03-17-07-03

Fritz Wehde im Kinderwagen mit seiner Tante Wilma, etwa 1940.

Fritz mit seiner Großmutter und dem Teddy, etwa 1941.
Privatbesitz Uta Wehde.
FRITZ WEHDE (1939 – 1944)
Fritz Wehde wurde am 11. November 1939 in ein liebevolles und fürsorgliches Umfeld hineingeboren. Er lebte mit seinen zwei jüngeren Geschwistern und den Eltern in Horst bei Hannover. Sein Urgroßvater Heinrich hatte das Haus erbaut, zeitgleich und neben das Haus seines Zwillingsbruders Ludwig. Die »Zwillingshäuser« stehen noch heute und werden von Fritzchens Neffen und seiner Cousine bewohnt.
Fritzchen war das gemeinsame Kind von Fritz und Else Wehde. Als erstgeborener Sohn bekam er den Vornamen seines Großvaters, Onkels und Vaters. Fritzchens Vater war gelernter Maurer und machte später, nachdem er die Meisterprüfung abgelegt hatte, in Horst ein Baugeschäft auf. Die Wehdes fühlten sich politisch der SPD zugehörig, auch als diese 1933 verboten wurde. Sie blieben auch nach der Machtergreifung »gegen die Nazis eingestellt«.
Die Familie war eng miteinander und vor allem zu seiner Tante Wilma habe Fritzchen eine enge Bindung gehabt: »Tante Wilma kommt heute nach Horst.« Kaum hatte Fritzchens Mutter diesen Satz ausgesprochen, ist Fritzchen losgeflitzt, durch das Haus gerannt, über die Diele nach draußen, zum Gartenzaun – zu seiner Lieblingsstelle, denn von dort hatte Fritzchen die ganze Straße im Blick. Und dann hat Fritzchen gewartet. Durch nichts und niemanden war Fritzchen dazu zu bewegen, wieder ins Haus zu gehen«.
Bei Fritzchens Geburt war es zu Komplikationen gekommen. Ein Sauerstoffmangel führte zu einer frühkindlichen Hirnschädigung mit geistiger Behinderung. Bis auf wenige Einschränkungen verlebte Fritzchen dennoch eine normale Kindheit, wurde von seiner Familie liebevoll versorgt. Da er in der Familie und in seinem Heimatort gut integriert war, wurde das Gesundheitsamt erst spät auf ihn aufmerksam. Im Juli 1944 wurde er von der Amtsärztin Meyer an den »Reichsausschuss« gemeldet und damit die Behandlung in einer »Kinderfachabteilung« eingeleitet.
Sechs Wochen später wurde der Junge gegen den Willen der Eltern abgeholt und mit polizeilicher Verfügung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg zwangseingewiesen. Fritzchen litt sehr unter der Trennung von seiner Familie, er bekam Wutausbrüche und verletzte sich selbst, zerstörte die wenigen Habseligkeiten, die er besaß. Da er wohl auch viel weinte und schrie, wurde er zunächst mit Luminal ruhig gestellt – »3 + 1 Tabletten« sind in der Krankengeschichte notiert.
Ab Mitte November verschlechterte sich Fritzchens allgemeine Verfassung rapide, wohl nicht nur aufgrund der Medikamenteneinnahme, sondern auch aufgrund der Mangelversorgung. Weil Krieg war, erhielten Fritzchens Eltern nur ein einziges Mal eine Besuchserlaubnis. Sie mussten sich daher brieflich nach seinem Gesundheitszustand erkundigen. Der Ärztliche Direktor Bräuner beantwortete ihre Erkundigungen: »Geistig ist er bisher nicht weiter gekommen […] Im November hat der Junge eine zeitlang Durchfall gehabt […] und seit dem besteht die Neigung zu einem Mastdarm. […] der Kräftezustand hat sich verschlechtert.«
Zwei Wochen später wurde Fritzchen Wehde entweder durch eine Überdosis Luminal ermordet oder er verhungerte, beides ist möglich. Seine offizielle Todesursache lautete »Dickdarmkatarrh«. Zur Beruhigung der Eltern behauptete Bräuner zudem, eine geistige Weiterentwicklung sei bei Fritzchen ausgeschlossen gewesen, weil die Hirnschäden infolge einer Hirnhautentzündung zu groß gewesen seien. Diese Information machte die Familie stutzig, denn Fritzchen war nie an einer Hirnhautentzündung erkrankt. Daher bestand früh der Verdacht, bei Fritzchens Tod sei nachgeholfen worden.
Fritzchens Leichnam wurde auf dem damaligen Anstaltsfriedhof beerdigt, sein Grab trug die Grabnummer 242a. Fritzchens Familie bemühte sich verzweifelt an der Beisetzung teilzunehmen. Sie erhielt jedoch keine Fahrerlaubnis.
FRITZ WEHDE
Fritz ist 1939 geboren.
Er lebt in der Nähe von Hannover.
Er hat 2 jüngere Geschwister.
Die ganze Familie wohnt in 2 Häusern.
Sie stehen neben-einander und sind gleich.
Sie sind von Zwillingen gebaut.
Es ist der Ur-Groß-Vater von Fritz.
Und sein Bruder.
Darum heißen die Häuser »Zwillings-Häuser«.
Die Familie ist sehr eng.
Und liebevoll.
Es sind keine National-Sozialisten.
Die Eltern sind für die Arbeiter-Partei.
Der Vater ist Maurer.
Fritz hat eine Behinderung.
Bei der Geburt bekommt er nicht genug Luft.
Sein Gehirn wird nicht gut versorgt.
Davon hat er Schäden.
Das Gesundheits-Amt weiß lange nichts von Fritz.
Die Familie passt gut auf ihn auf.
Erst im Juli 1944 muss Fritzchen ins Gesundheits-Amt.
Die Ärztin meldet ihm beim »Reichs-Aus-Schuss«.
6 Wochen später wird Fritz abgeholt.
Die Polizei ordnet es an.
Er kommt in die Kinder-Fach-Abteilung Lüne-Burg.
Gegen den Willen der Eltern.
Fritz ist in Lüneburg sehr traurig.
Er ist wütend und will nach Hause.
Er bekommt ein Medikament zur Beruhigung.
Und er bekommt auch nicht genug zu essen.
Seine Eltern dürfen ihn nur ein einziges Mal besuchen.
Sie schreiben ihm.
Der Arzt antwortet:
Fritzchen ist dumm.
Und er hat Probleme mit dem Bauch.
Er ist sehr schwach.
2 Wochen später stirbt Fritz.
Er ist ein Kind-Opfer vom Patienten-Mord.
Der Arzt schreibt den Eltern:
Fritz ist tot.
Aber er hätte sowieso kein gutes Leben gehabt.
Er hat eine Entzündung im Gehirn gehabt.
Aber das stimmt nicht.
Der Arzt lügt.
Das fällt den Eltern auf.
Sie wissen früh:
Fritzchen ist ermordet worden.
Der Arzt hat ihn umgebracht.
Weil er eine Behinderung hat.
Fritz wird auf dem Fried-Hof der Anstalt beerdigt.
Seine Eltern bekommen keine Fahr-Karte.
Sie können nicht hinfahren und bei der Beerdigung dabei sein.
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Fritz Wehde in a pram with his aunt Wilma, around 1940.

Fritz with his grandmother and the teddy bear, around 1941.
Privately owned by Uta Wehde.
FRITZ WEHDE (1939 – 1944)
Fritz Wehde was born on 11 November 1939 into a loving and caring environment. He lived with his two younger siblings and his parents in Horst near Hanover. His great-grandfather Heinrich had built the house at the same time and next to the house of his twin brother Ludwig. The »twin houses« still stand today and are inhabited by Fritzchen’s nephews and his cousin.
Fritzchen was the child of Fritz and Else Wehde. As the first-born son, he was given the first name of his grandfather, uncle and father. Fritzchen’s father was a trained bricklayer and later opened a building business in Horst after passing his master craftsman’s examination. The Wehdes felt a political affinity with the SPD, even when it was banned in 1933. They remained »anti-Nazi« even after the Nazis seized power.
The family was close-knit and Fritzchen had a particularly close bond with his Aunt Wilma: »Aunt Wilma is coming to Horst today. As soon as Fritzchen’s mother uttered this sentence, Fritzchen dashed off, ran through the house, across the hallway to the outside, to the garden fence – to his favourite spot, because from there Fritzchen had a view of the whole street. And then Fritzchen waited. Nothing and nobody could persuade Fritzchen to go back into the house«.
There were complications at Fritzchen’s birth. A lack of oxygen led to early childhood brain damage with mental disability. Apart from a few restrictions, Fritzchen had a normal childhood and was lovingly cared for by his family. As he was well integrated into the family and his home town, the health authorities only became aware of him at a late stage. In July 1944, he was reported to the »Reich Committee« by medical officer Meyer and treatment in a »specialised children’s ward« was initiated.
Six weeks later, the boy was taken away against his parents‘ wishes and forcibly committed to the Lüneburg sanatorium and care centre by police order. Fritzchen suffered greatly from the separation from his family, he threw tantrums and self-harmed, destroying the few possessions he had. As he probably also cried and screamed a lot, he was initially sedated with Luminal – »3 + 1 tablets« are noted in his medical history.
From mid-November, Fritzchen’s general condition deteriorated rapidly, probably not only because of the medication but also because of the lack of supplies. Because there was a war on, Fritzchen’s parents were only granted permission to visit him once. They therefore had to enquire about his state of health by letter. The medical director Bräuner answered their enquiries: »Mentally, he hasn’t made any progress so far […] In November, the boy had diarrhoea for a while […] and since then he has had a tendency to have a rectum. […] his strength has deteriorated.«
Two weeks later, Fritzchen Wehde was either murdered by an overdose of Luminal or he starved to death, both of which are possible. His official cause of death was »colon catarrh«. To reassure his parents, Bräuner also claimed that Fritzchen had not developed mentally because the brain damage caused by meningitis was too severe. This information puzzled the family, as Fritzchen had never suffered from meningitis. Therefore, there was an early suspicion that Fritzchen’s death had been tampered with.
Fritzchen’s body was buried in the former institutional cemetery, his grave bearing the grave number 242a. Fritzchen’s family desperately endeavoured to attend the funeral. However, they were not granted a driving licence.
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Fritz Wehde w wózku ze swoją ciotką Wilmą, około 1940 roku.

Fritz z babcią i pluszowym misiem, około 1941 r.
Prywatna własność Uta Wehde.
FRITZ WEHDE (1939 – 1944)
Fritz Wehde urodził się 11 listopada 1939 roku w kochającej i troskliwej rodzinie. Mieszkał wraz z dwójką młodszego rodzeństwa i rodzicami w miejscowości Horst koło Hanoweru. Jego pradziadek Heinrich zbudował ten dom w tym samym czasie, co dom swojego brata bliźniaka Ludwiga, który stał tuż obok. »Bliźniacze domy« stoją do dziś i mieszkają w nich bratanek Fritzchena oraz jego kuzynka.
Fritzchen był wspólnym dzieckiem Fritza i Else Wehde. Jako pierworodny syn otrzymał imię swojego dziadka, wuja i ojca. Ojciec Fritzchena był wykwalifikowanym murarzem, a po zdaniu egzaminu mistrzowskiego otworzył firmę budowlaną w Horst. Wehde’owie czuli się politycznie związani z SPD, nawet po jej delegalizacji w 1933 roku. Po przejęciu władzy przez nazistów nadal byli »nastawieni przeciwko nazistom«.
Rodzina była ze sobą bardzo zżyta, a Fritzchen miał szczególnie bliski kontakt ze swoją ciotką Wilmą: »Ciotka Wilma przyjeżdża dzisiaj do Horstu«. Gdy tylko matka Fritzchena wypowiedziała te słowa, Fritzchen wybiegł z domu, przebiegł przez przedpokój, wyszedł na zewnątrz, do ogrodzenia ogrodu – do swojego ulubionego miejsca, ponieważ stamtąd Fritzchen miał widok na całą ulicę. A potem Fritzchen czekał. Nic i nikt nie był w stanie skłonić Fritzchena do powrotu do domu«.
Podczas porodu Fritzchena wystąpiły komplikacje. Niedotlenienie spowodowało wczesne uszkodzenie mózgu, które doprowadziło do upośledzenia umysłowego. Pomimo kilku ograniczeń Fritzchen spędził jednak normalne dzieciństwo, otoczony troskliwą opieką rodziny. Ponieważ był dobrze zintegrowany z rodziną i społecznością lokalną, urząd zdrowia zwrócił na niego uwagę dopiero późno. W lipcu 1944 r. lekarz urzędowy Meyer zgłosił go do »Komisji Rzeszy«, co spowodowało rozpoczęcie leczenia w »specjalistycznym oddziale dziecięcym«.
Sześć tygodni później chłopiec został zabrany wbrew woli rodziców i na mocy decyzji policji przymusowo umieszczony w zakładzie leczniczo-opiekuńczym w Lüneburgu. Fritzchen bardzo cierpiał z powodu rozłąki z rodziną, miał napady gniewu, okaleczał się i niszczył swoje nieliczne rzeczy. Ponieważ prawdopodobnie dużo płakał i krzyczał, początkowo podawano mu środek uspokajający Luminal – w historii choroby odnotowano »3 + 1 tabletki«.
Od połowy listopada ogólny stan zdrowia Fritzchena gwałtownie się pogorszył, prawdopodobnie nie tylko z powodu przyjmowania leków, ale także z powodu niedożywienia. Ponieważ trwała wojna, rodzice Fritzchena tylko raz otrzymali pozwolenie na odwiedziny. Musieli więc pytać o jego stan zdrowia w listach. Dyrektor medyczny Bräuner odpowiedział na ich pytania: »Pod względem umysłowym nie zrobił żadnych postępów […] W listopadzie chłopiec miał przez jakiś czas biegunkę […] i od tego czasu ma skłonność do zaparć. […] Jego stan sił fizycznych pogorszył się«.
Dwa tygodnie później Fritzchen Wehde został zamordowany poprzez przedawkowanie leku Luminal lub umarł z głodu – obie wersje są możliwe. Oficjalną przyczyną śmierci podano »zapalenie jelita grubego«. Aby uspokoić rodziców, Bräuner twierdził ponadto, że dalszy rozwój umysłowy Fritzchena był niemożliwy, ponieważ uszkodzenia mózgu spowodowane zapaleniem opon mózgowych były zbyt duże. Informacja ta wzbudziła podejrzenia rodziny, ponieważ Fritzchen nigdy nie chorował na zapalenie opon mózgowych. Dlatego też wcześnie pojawiło się podejrzenie, że śmierć Fritzchena została przyspieszona.
Ciało Fritzchena zostało pochowane na dawnym cmentarzu zakładowym, a jego grób nosi numer 242a. Rodzina Fritzchena desperacko starała się uczestniczyć w pogrzebie. Nie otrzymali jednak prawa jazdy.
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