
Privates Kinderkrankenhaus Rothenburgsort (links das Hauptgebäude, rechts das Infektionshaus), vor 1945.
Privatbesitz Lotte Albers.
HAMBURG-ROTHENBURGSORT
In Hamburg gab es zwei »Kinderfachabteilungen«, eine in der Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn und eine im privaten Kinderkrankenhaus Hamburg-Rothenburgsort, das 1898 von einem Verein gegründet worden war. Bereits vor der offiziellen Einrichtung einer »Kinderfachabteilung« starben dort ab März 1940 drei Kleinkinder, bei denen eine Ermordung naheliegt.
Die »Kinderfachabteilung« Hamburg-Rothenburgsort war keine eigenständige Krankenstation. Sie bestand vielmehr darin, einzelne Kinder und Jugendliche nach dem sogenannten »Reichsausschussverfahren« zu behandeln, das spätestens im Mai 1941 Anwendung fand.
Wegen Bombenschäden musste die »Kinderfachabteilung« zweimal evakuiert werden. Ende Juni 1941 kamen die erkrankten Kinder und Jugendlichen vorübergehend in anderen Einrichtungen unter und kehrten im August 1941 wieder zurück. Infolge des »Feuersturms« am 27. und 28. Juli 1943 wurde das Krankenhaus so schwer beschädigt, dass etwa 200 Kinder und Jugendliche zum Teil bis Mai 1944 in Celle, Säuglinge auch in Schwarmstedt untergebracht wurden.
Zwischen 1940 und 1945 wurden in der »Kinderfachabteilung« Hamburg-Rothenburgsort etwa 130 Kinder und Jugendliche ermordet. Da viele Krankenakten beim »Feuersturm« und bei Kriegsende vernichtet wurden, bleibt die endgültige Opferzahl vage. Ebenfalls nicht eindeutig ist die Zahl derjenigen Kinder und Jugendlichen, die als sogenannte »Reichsausschusskinder« ermordet wurden. Nach ihrem Tod wurden die Leichen im Allgemeinen Krankenhaus Barmbek und im Krankenhaus St. Georg seziert.
Verantwortlich für die Morde waren der Ärztliche Direktor Wilhelm Bayer, der das Kinderkrankenhaus ab Juli 1934 leitete, die Oberärztin Helene Sonnemann sowie Assistenzärzt*innen. Helene Sonnemann machte ab 1943 im Allgemeinen Krankenhaus Celle Karriere. 1976 ging sie als Chefärztin der Kinderklinik in Rente. Fünf Pflegerinnen und eine Sekretärin des Kinderkrankenhauses Hamburg-Rothenburgsort erhielten 1942 »Sonderzuwendungen« für ihren Einsatz in der »Kinder-Euthanasie«, sodass sie als tatbeteiligt betrachtet werden können. Bayer praktizierte bis 1952 in seiner Privatpraxis, die er auch während seiner Zeit im Kinderkrankenhaus betrieben hatte. Er starb am 18. April 1973. Keiner der Beteiligten wurde zur Rechenschaft gezogen, ein Ermittlungsverfahren gegen Bayer wurde 1949 eingestellt.
HAMBURG-ROTENBURGSORT
In der Nazi-Zeit gibt es in Hamburg
2 Kinder-Fachabteilungen:
eine in Rothenburgsort und eine in Langenhorn.
Die Kinder-Fachabteilung in Rothenburgsort ist
in einem Kinder-Krankenhaus.
Im März 1940 beginnt hier der Kinder-Mord.
Im Zweiten Weltkrieg fallen viele Bomben
auf Hamburg.
Darum müssen 2-mal alle Menschen raus
aus dem Kinder-Krankenhaus.
Die Kinder kommen in andere Krankenhäuser.
Im Sommer 1943 kommen 200 Kinder
aus Hamburg in das Krankenhaus nach Celle.
Das ist ihre Rettung.
Denn sie werden in Celle nicht ermordet.
Aber in den Jahren 1940 bis 1945 ermorden
die Nazis 130 Kinder in Hamburg.
Sie nehmen vielen toten Kindern die Gehirne raus.
Die Mörder sind:
Der Chef vom Krankenhaus, Wilhelm Bayer und
die Ärztin Helene Sonnemann.
Helene Sonnemann bringt die 200 Kinder
nach Celle.
Sie bleibt in Celle.
Dann ist der Zweite Weltkrieg zu Ende.
Helene Sonnemann wird Chef-Ärztin
vom Kinder-Krankenhaus in Celle.
Sie muss nicht ins Gefängnis.
Wilhelm Bayer bekommt auch keine Strafe.
Das ist eine Postkarte aus der Nazi-Zeit
vom Kinder-Krankenhaus Rothenburgsort.