
Heil- und Pflegeanstalt Eichberg, Zimmer der Direktion, nach 1945.
ArEGL 99.
EICHBERG
Die »Kinderfachabteilung« der Heil- und Pflegeanstalt Eichberg nahe der Stadt Eltville war von März oder Anfang April 1941 bis März 1945 in Betrieb. Sie war die erste der beiden »Kinderfachabteilungen« in Hessen. Ärztlicher Direktor der Klinik war Friedrich Mennecke, der auch Gutachter im Rahmen der »Aktion T4« war. Zuständig für die Leitung der »Kinderfachabteilung« war sein Stellvertreter Walter Schmidt.
Für die »Kinderfachabteilung« wurde ein bereits bestehendes Gebäude auf dem Anstaltsgelände genutzt. Dort wurden Kinder bis zum Alter von neun Jahren untergebracht, ältere Kinder und Jugendliche zusammen mit erwachsenen Erkrankten auf anderen Stationen. Während des Bestehens der »Kinderfachabteilung« starben mindestens 476 Kinder und Jugendliche. In Eichberg wurden auch neue »Euthanasie«-Ärzte »ausgebildet«, darunter die Leiterin der »Kinderfachabteilung« Stuttgart, Magdalene Schütte.
Friedrich Mennecke wurde nach Kriegsende für seine Verbrechen zum Tode verurteilt. Er starb 1947 noch vor Vollstreckung des Urteils, vermutlich an Tuberkulose oder durch Selbstmord. Walter Schmidt gestand die eigenhändige Tötung von 30 bis 40 Kindern und erhielt dafür zunächst eine lebenslängliche Haftstrafe. 1951 wurde diese Strafe auf zehn Jahre verkürzt. Bereits zwei Jahre später wurde er entlassen, nachdem seine Freilassung von zahlreichen Bürgern und in Zeitungsartikeln öffentlich gefordert worden war. Anschließend praktizierte er illegal als Arzt ohne Zulassung in der Gegend von Hattenheim.
Zwei Pflegerinnen gestanden ebenfalls, Kinder getötet zu haben. Sie wurden zu vier und acht Jahren Haft verurteilt und vorzeitig entlassen.
EICHBERG
Die Anstalt Eichberg ist in der Nähe
von der Stadt Eltville.
Hier gibt es eine Kinder-Fachabteilung
vom Jahr 1941 bis 1945.
Der Chef von der Kinder-Fachabteilung ist Friedrich Mennecke.
Später ist Walter Schmidt der Chef.
Bis zum Ende von der Nazi-Zeit gibt es
über 700 Kinder in der Kinder-Fachabteilung.
Die Nazis ermorden 476 Kinder.
Die Anstalt in Eichberg ist auch
eine Schule für Ärzte.
Sie lernen hier den Kinder-Mord.
Nach dem Zweiten Weltkrieg bekommt
Friedrich Mennecke die Todes-Strafe.
Aber er stirbt schon vorher.
Man weiß nicht, woran er stirbt.
Vielleicht hat er sich umgebracht.
Oder er stirbt an einer Lungen-Krankheit.
Der andere Chef Walter Schmidt bekommt
eine Strafe.
Er soll für über 15 Jahre ins Gefängnis.
Aber im Jahr 1953 kommt er schon wieder frei.
Denn viele Leute setzen sich für ihn ein:
Sie wollen, dass er aus dem Gefängnis kommt.
2 Pflegerinnen geben die Kinder-Morde zu.
Sie müssen auch ins Gefängnis.
Eine Pflegerin muss 4 Jahre ins Gefängnis.
Eine Pflegerin muss 8 Jahre ins Gefängnis.
Aber die beiden Pflegerinnen kommen auch
früher raus aus dem Gefängnis.
Das ist eine Postkarte vom Arbeits-Zimmer
von Friedrich Mennecke in der Anstalt Eichberg.