
Irrenanstalt Sachsenberg, Altkolorierte Lithographie, Rostock, Verlag des Tiedemann’schen Hof-Steindruck zu Rostock, um 1845.
ArEGL 214.
SACHSENBERG
Die »Kinderfachabteilung« der Heil- und Pflegeanstalt Sachsenberg in Schwerin wurde im August 1941 eingerichtet und bestand mindestens bis Ende 1944. Ärztlicher Direktor der Anstalt war Johannes Fischer, Leiter der »Kinderfachabteilung« war Alfred Leu. Fischer beging 1945 Selbstmord, Leu flüchtete nach Schleswig-Holstein, wo er bis 1948 in britischer Gefangenschaft war. Nach seiner Entlassung arbeitete er ab 1949 als Gerichtsmediziner.
Zwei namenlose Briefe, in denen er als Beteiligter am Krankenmord beschuldigt wurde, führten zum Beginn von Ermittlungen. Es folgten drei Gerichtsverfahren in Schwerin (1946) und Köln (1951 und 1953), die er als »unschuldig« gewann. Er konnte glaubhaft machen, nur etwa 100 Kinder ermordet zu haben, um seine anderen Schützlinge vor der Ermordung zu retten. Hätte er kein Kind getötet, wäre ein anderer Arzt an seine Stelle gerückt und es wären viel mehr gestorben, überzeugte er die Richter. Tatsächlich sollen in der »Kinderfachabteilung« Sachsenberg insgesamt etwa 430 Kinder und Jugendliche gestorben und mindestens 287 von ihnen ermordet worden sein.
SACHSENBERG
Das ist eine Zeichnung von der Anstalt Sachsenberg in Schwerin aus dem Jahr 1845.
In der Nazi-Zeit gibt es in der Anstalt
eine Kinder-Fachabteilung.
In der Kinder-Fachabteilung Sachsenberg ermorden die Nazis 287 Kinder. Der Chef von der Anstalt bringt sich um
am Ende von der Nazi-Zeit.
Der Chef von der Kinder-Fachabteilung ist
Alfred Leu.
Er versteckt sich nach der Nazi-Zeit.
Man findet ihn und er kommt in ein Lager
für Kriegs-Gefangene.
Im Jahr 1948 kommt er frei.
Er arbeitet dann für ein Gericht.
Aber dann bekommt die Polizei 2 Briefe.
Keiner weiß, wer die Briefe geschrieben hat.
In den Briefen steht:
Alfred Leu war der Chef
von der Kinder-Fachabteilung in der Nazi-Zeit.
Er hat über 100 Kinder ermordet.
Es gibt 3 Gerichts-Verfahren gegen Alfred Leu
in den Jahren: 1946, 1951 und 1953.
Alfred Leu gewinnt alle Gerichts-Verfahren.
Er sagt dem Richter:
Ich habe nur 100 Kinder ermordet.
Ich musste die Kinder ermorden.
Nein sagen ging nicht.
Dann wäre ein anderer Arzt gekommen.
Der hätte noch mehr Kinder ermordet.
Die Richter glauben ihm.
Er bleibt frei und bekommt keine Strafe.