
Postkarte, Heil- und Pflegeanstalt Großschweidnitz, 1922.
ArEGL 99.
GROßSCHWEIDNITZ
Die im Pavillonstil erbaute und 1902 eröffnete Anstalt Großschweidnitz war in mehrfacher Hinsicht in die Krankenmorde einbezogen. Etwa 2.300 Erkrankte, unter ihnen auch Minderjährige, wurden während der »Aktion T4« verlegt und in Pirna-Sonnenstein ermordet. Etwa 5.500 Erkrankte starben vor Ort gewaltsam infolge von Mangelversorgung sowie durch Medikamentenüberdosierungen. Ein berühmtes Opfer ist die Tante des Künstlers Gerhard Richter, Marianne Schönfelder.
Mit der Verlegung von Kindern und Jugendlichen aus Leipzig-Dösen nach Großschweidnitz im Dezember 1943 und mit der Einrichtung der »Kinderfachabteilung« Großschweidnitz beteiligte sich die Anstalt auch an der Ermordung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der »Kinder-Euthanasie«.
Bereits vor der Evakuierung von Leipzig-Dösen gab es eine kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung in Großschweidnitz. Die Erwartung, dass sämtliche psychiatrisch untergebrachten Kinder und Jugendlichen aus dem ländlichen Raum in der »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen zusammengezogen werden könnten, erfüllte sich nicht. Vielmehr sorgten der Kriegsverlauf und Bombardierungen der Stadt Leipzig dafür, dass die Anstalt Leipzig-Dösen ihre Erkrankten auf ländliche Einrichtungen verteilen musste. Die »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen wurde nach Großschweidnitz verlegt. Der Arzt Arthur Mittag, Leiter der »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen, übernahm auch dort die Leitung. Die »Kinderfachabteilung« wurde größtenteils in die bestehende Kinderabteilung eingegliedert. Nicht alle Pflegerinnen aus Dösen wurden übernommen, einzelne wurden in andere Abteilungen sowie andere Krankenhäuser, Anstalten und »Kinderfachabteilungen« (Kalmenhof, Eichberg) versetzt.
Zwischen Dezember 1943 und Mai 1945 wurden durch Arthur Mittag und mindestens sechs Pflegekräfte etwa 400 Kinder und Jugendliche ermordet. Die Schwestern erhielten dafür Sonderzahlungen vom Reichsausschuss. Eine Pflegerin wurde aufgrund ihrer »Verdienste um die Reichsausschußarbeit« sogar für die Verleihung eines »Ehrenzeichens für deutsche Volkspflege« vorgeschlagen. Ob es dazu noch vor Kriegsende kam, ist nicht bekannt.
Nach dem Krieg blieb Arthur Mittag bis Oktober 1945 im Dienst. 1946 wurde er verhaftet. Er spritzte sich eine Lösung aus 30 Luminal-Tabletten und nahm sich auf diese Weise das Leben. Gegen alle weiteren Beteiligten an der »Kinder-Euthanasie« in Großschweidnitz wurde nicht ermittelt. Im Vordergrund standen die Morde an erwachsenen Erkrankten.
Ab dem Jahr 1902 gibt es in Großschweidnitz
eine Anstalt.
In der Nazi-Zeit kommen über 2 300 Kranke
aus Großschweidnitz in die Aktion T4.
So nennen die Nazis den Kranken-Mord mit Gas.
5 500 Kranke verhungern oder
werden mit Medikamenten vergiftet.
Im Dezember 1943 muss die Anstalt
in Leipzig-Dösen schließen.
Die Kinder-Fachabteilung aus Leipzig-Dösen
zieht um nach Großschweidnitz .
Alle kranken Kinder und Jugendlichen aus Leipzig ziehen um nach Großschweidnitz.
Auch die Pfleger und Ärzte aus Leipzig
gehen mit nach Großschweidnitz.
Nicht alle Pfleger und Pflegerinnen können
in der Kinder-Fachabteilung weiterarbeiten.
Einige Pfleger müssen
auf einer anderen Station arbeiten.
Einige arbeiten in einem anderen Krankenhaus.
Arthur Mittag ist Arzt.
Er ist der Chef von der Kinder-Fachabteilung
in Leipzig-Dösen.
Später ist er auch Chef von der
Kinder-Fachabteilung in Großschweidnitz.
Arthur Mittag und 6 Pflegerinnen ermorden
270 Kinder und Jugendliche.
Die Kinder werden zwischen Dezember 1943 und Mai 1945 in Großschweidnitz ermordet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt Arthur Mittag ins Gefängnis.
Er bringt sich im Jahr 1946 um.
Er hat viele 100 Kinder ermordet
in den Kinder-Fach-Abteilungen Leipzig und Großschweidnitz.
Die anderen Ärzte und Pfleger bekommen
keine Strafe.
Das ist eine Postkarte von der Anstalt Großschweidnitz aus dem Jahr 1922.