Es ist ein schwarz-weißes Foto. Zu sehen ist eine breite Kreuzung zweier Straßen. Die Straßen sind gesäumt von hohen Bäumen. Rechts an der Kreuzung stehen eine Sitzbank und eine historische Straßenlaterne.

Postkarte, Heil- und Pflegeanstalt Leipzig-Dösen, Straßenbild, nach 1945.

ArEGL 99.

LEIPZIG-DÖSEN

Am 19. Oktober 1940 wurde in Leipzig-Dösen das erste Kind in die neu geschaffene »Kinderfachabteilung« aufgenommen. Sie bestand bis zum 7. Dezember 1943 und wurde kriegsbedingt in die Anstalt Großschweidnitz verlegt. Leipzig-Dösen wurde dann Ausweichkrankenhaus für das von Bomben beschädigte Leipziger Universitätsklinikum.

Die »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen war von Anstaltsdirektor Emil Eichler als Großeinrichtung geplant und sollte alle »bildungsunfähigen« Kinder und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen aus Sachsen aufnehmen. Hierzu zählten Kinder und Jugendliche der sächsischen Heil- und Pflegeanstalten aus den Regierungsbezirken Chemnitz, Leipzig, Zwickau und Dresden, z. B. Arnsdorf und Großschweidnitz. Zu einer vollständigen Konzentration der Minderjährigen in Leipzig-Dösen und einer Auflösung der »Kinderfachabteilungen« in anderen Einrichtungen kam es jedoch nicht. Vielmehr wurden auch Kinder und Jugendliche von außerhalb Sachsens aufgenommen, etwa aus Nordrhein-Westfalen.

Zunächst wurden die Kinder und Jugendlichen in Haus B 3 untergebracht, im Herbst 1941 erfolgte der Umzug in das größere »Kinderhaus« C. Nachdem das Jüdische Krankenhaus im Gebäude D im November 1943 aufgelöst worden war, sollte auch dieses Haus als »Kinderfachabteilung« genutzt werden. Durch den Umzug nach Großschweidnitz kam es nicht mehr dazu.

In der »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen wurde überwiegend nach dem »Luminal-Schema« gemordet, das im eigenen Haus durch den Vorgänger von Emil Eichler, Paul Nitsche, und seinen Oberarzt und späteren Leiter der »Kinderfachabteilung« Waldniel, Georg Renno, entwickelt worden war. In der »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen gab es bis zum Umzug nach Großschweidnitz mindestens 551 Morde.

Es gab eine enge Zusammenarbeit mit dem Kaiser-Wilhelm-Institut für Hirnforschung in Berlin-Buch (Julius Hallervorden) und der Universität Leipzig, sodass es zu hundertfachen Gehirnentnahmen und regelmäßigen pathologischen Untersuchungen an den Kinderleichen kam.

Die »Kinderfachabteilung« Leipzig-Dösen wurde von Arthur Mittag geleitet. Als sie nach Großschweidnitz umzog, ging er mit und übernahm auch dort die Leitung. Nach dem Krieg blieb Mittag bis Oktober 1945 im Dienst. 1946 wurde er verhaftet. Er spritzte sich eine Lösung aus 30 Luminal-Tabletten und nahm sich auf diese Weise das Leben.

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