Es ist eine kolorierte Zeichnung. Umgeben von einem hohen Zaun sind Backsteingebäude zu sehen. Sie haben ein bis drei Stockwerke und flache Dächer. Am höchsten Gebäude ist ein Fachwerkbalkon angebaut. Oben rechts ist die Schrift »Gruss vom Kinderkrankenhaus Leipzig« zu lesen.

Postkarte, Kinderkrankenhaus Leipzig, um 1900.

Heinz-Jürgen Böhme | Günter Clemens: Bilderbogen – Leipziger Ansichtskartenserien von 1895 bis 1945, Pro Leipzig 2010.

LEIPZIG-KINDERKLINIK

Die »Kinderfachabteilung« an der Universitätskinderklinik Leipzig nahm ihren Betrieb 1941 als zweite von insgesamt drei »Kinderfachabteilungen« in Sachsen auf. Sie war die einzige an einer Universitätsklinik angesiedelte »Kinderfachabteilung«. Im Dezember 1943 wurde die Klinik bombardiert. Dabei wurde die Holzbaracke, in der die »Kinderfachabteilung« untergebracht war, vollständig zerstört. Infolgedessen wurde die Abteilung in den Ausweichkrankenhäusern Klinga, Hochweitzschen und in der Leipziger Theresienstraße weiterbetrieben.

Ärztlicher Direktor der Klinik war Werner Catel, Hauptgutachter des »Reichsausschusses«. Die ärztliche Leiterin der »Kinderfachabteilung« war Hannah Uflacker. Darüber hinaus waren die Ärzte Ernst Klemm, Hans Christoph Hempel und Hans-Joachim Hartenstein am Mord beteiligt.

Die Gesamtzahl der in die Kinderklinik eingelieferten und dort ermordeten Kinder und Jugendlichen ist nicht bekannt. Schätzungen zufolge beläuft sie sich auf mehrere Hundert. Unter ihnen befindet sich Gerhard Kretschmar, der am 25. Juli 1939 im Alter von fünf Monaten als erstes Kind Opfer der »Euthanasie« wurde.

Werner Catel führte an den Kindern und Jugendlichen unter wissenschaftlichem Vorwand Menschenversuche durch. So pflanzte er Hormondrüsen von Kälbern ein und bestrahlte Kinder. Er wies sich zudem jene Kinder zu, die er wissenschaftlich ausnutzen konnte, etwa Kinder mit Spaltbildung und Kinder mit einem sogenannten »Wasserkopf«.

Nach dem Krieg wurde Werner Catel als »unbelastet« entnazifiziert. Er leitete zunächst die Kinderheilstätte Mammolshöhe und erprobte dort Medikamente an Kindern, die zu deren Tod führten. 1954 wurde er Professor für Kinderheilkunde in Kiel. Erst 1960 verlor er seine Stellung aufgrund öffentlichen Drucks. Gegen Hannah Uflacker eingeleitete Ermittlungen wurden 1964 eingestellt. Sie arbeitete im Gesundheitsamt Hannover und war an der Justus-Liebig-Universität in Gießen tätig, verfasste ein bekanntes Fachbuch über Kinderpflege. Sie nahm sich das Leben, nachdem sie infolge der Strafermittlungen ihre ärztliche Zulassung verlor. Ernst Klemm wurde nach dem Krieg Arzt an der Kinderklinik in Zeven. Hans Christoph Hempel wurde Ärztlicher Direktor der Klinik und Kinderklinik in Karl-Marx-Stadt. Hans-Joachim Hartenstein arbeitete als niedergelassener Kinderarzt in Berlin.

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