
Postkarte, Heil- und Pflegeanstalt Uchtspringe (Altmark), 16.4.1907.
ArEGL 99.
UCHTSPRINGE
Die »Kinderfachabteilung« der Landesanstalt Uchtspringe bestand von Juni 1941 bis April 1945. Ärztlicher Direktor der Klinik war Ernst Beese. Für die »Kinderfachabteilung« war zunächst Gerhard Wenzel zuständig, ab Herbst 1943 übernahm für einige Monate Hermann Wesse. Er hatte zuvor bereits in den »Kinderfachabteilungen« Görden, Waldniel und Leipzig gearbeitet und erhielt später die Leitung in Kalmenhof. Nach seiner Einberufung zur Wehrmacht im Dezember 1943 wurde seine Frau Hildegard Wesse die neue Leiterin.
In Uchtspringe wurden etwa 350 Kinder und Jugendliche mit Luminal ermordet. Hinzu kamen noch Hunderte weitere Opfer, die an bewusster Vernachlässigung und Hunger starben. Die Gesamtzahl der dort ermordeten Kinder und Jugendlichen wird auf etwa 753 geschätzt.
Ernst Beese starb im Juni 1945 an einem Schlaganfall. Gerhard Wenzel wurde 1953 in seinem Prozess freigesprochen und arbeitete in einer Klinik für Menschen mit Kopfverletzungen. Hermann Wesse wurde für seine in Uchtspringe begangenen Verbrechen nie verurteilt. Allerdings erhielt er wegen seiner Taten in Kalmenhof und Waldniel eine lebenslange Haftstrafe. Er wurde 1966 aus medizinischen Gründen entlassen. Seine Frau Hildegard Wesse wurde im selben Prozess wie Gerhard Wenzel nicht wegen ihrer Beteiligung an der Ermordung von Kindern, sondern wegen der Ermordung 30 erwachsener Frauen zu zwei Jahren Haft verurteilt. Im folgenden Jahr erfolgte die Einstellung des Verfahrens und das Urteil wurde nicht rechtskräftig. Sie war in Braunschweig weiter als Ärztin tätig.
UCHTSPRINGE
In der Anstalt in Uchtspringe gibt es
in der Nazi-Zeit eine Kinder-Fachabteilung.
Die ersten Kinder kommen im Juni 1941.
Die Kinder-Fachabteilung gibt es bis April 1945.
2 Ärzte und eine Ärztin leiten
die Kinder-Fachabteilung nacheinander.
Insgesamt werden hier 753 Kinder ermordet.
350 Kinder werden mit dem Medikament Luminal ermordet.
Die anderen sterben an Hunger oder
an schlechter Behandlung.
Dann ist der Zweite Weltkrieg vorbei.
Der Chef von der Anstalt stirbt im Juni 1945.
Die 3 Chefs von der Kinder-Fachabteilung
arbeiten weiter als Ärzte.
Viele Jahre später kommen sie vor Gericht.
2 Ärzte bekommen keine Strafe.
Nur ein Arzt muss ins Gefängnis.
Das ist eine Postkarte von der Anstalt in Uchtspringe aus dem Jahr 1907.