BONN
1936 wurde an der Heil- und Pflegeanstalt Bonn das »Rheinische Provinzial-Institut für psychiatrisch-neurologische Erbforschung« unter der Leitung von Friedrich Panse eröffnet. Sein Kollege Kurt Pohlisch, Chefarzt der Universitäts-Nervenklinik und Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Bonn, hatte Panse nach Bonn geholt. Beide waren ab 1940 als Gutachter für die Zentrale der »Aktion T4« tätig. Aus der Bonner Anstalt wurden im Rahmen der »Aktion T4« mehr als 600 Erkrankte abtransportiert und ermordet.
Während des Krieges stieg die Sterblichkeit in der Anstalt stetig an.
Bereits ab 1940 wurden in Bonn ausländische Erkrankte aufgenommen. Insgesamt waren es mindestens 213 Menschen, die aus Polen, der Sowjetunion, den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Italien, Kroatien und dem Protektorat Böhmen und Mähren stammten. Viele von ihnen hatten zuvor in Kölner Industrie-Betrieben oder der Zellwolle AG in Siegburg Zwangsarbeit geleistet.
Gelang es, die Arbeitsfähigkeit herzustellen, erfolgte die Entlassung zurück an den Einsatzort. In einzelnen Fällen wurden zuvor Anträge auf Zwangssterilisation gestellt. Viele nicht arbeitsfähige Zwangsarbeiter*innen wurden in Einzel- und Sammeltransporten »in die Heimat zurückgeführt« oder (ab Frühjahr 1943) in »besondere Heilanstalten« verlegt. In beiden Fällen muss davon ausgegangen werden, dass die Betroffenen ermordet wurden.
Die Initiative für die Abtransporte ging oft von den Arbeitsämtern aus. Von den in Bonn verbliebenen sowjetischen und polnischen Zwangsarbeiter*innen starb jeder Sechste in der Anstalt.
Im September 1944 wurde Bonn »Ausländersammelstelle« für die Rheinprovinz, Westfalen und Lippe. Da der Anstaltsleiter Einwände erhob, wurde ihm zugesagt, dass polnische und sowjetische Zwangsarbeiter*innen bevorzugt abtransportiert werden sollten. Es kam aber nicht mehr zu größeren Sammeltransporten.
BONN
In Bonn gibt es eine Anstalt.
Und eine Nerven-Klinik.
2 leitende Ärzte arbeiten für die Aktion T4.
Sie sind Gutachter für die Zentrale.
Darum werden sehr viele Kranke aus Bonn ermordet.
Es sind über 600.
Sie sterben in der Aktion T4.
Danach gibt es über 200 Kranke aus dem Ausland.
Es sind Zwangs-Arbeiter.
Sie kommen aus Polen.
Und aus Russland
Und Holland.
Und aus Belgien und Frankreich.
Und aus Italien.
Es gibt auch Kranke aus Kroatien.
Aus Böhmen und Mähren.
Das ist heute ist das Tschechien.
Und Slowakei.
Die Kranken sollen gesund werden.
Für Zwangs-Arbeit.
Vor der Entlassung werden einzelne zwangs-sterilisiert.
Viel kranke Ausländer werden nicht gesund.
Sie werden in das Heimat-Land geschickt.
Aber das geht 1943 nicht mehr.
Kranke Zwangs-Arbeiter dürfen nicht mehr zurück nach Hause.
Darum werden sie in Anstalten gesammelt.
Und ermordet.
Das Arbeits-Amt macht mit.
Sie wollen die Verlegungen in die Sammel-Stelle.
Oder in eine Tötungs-Anstalt.
Ab September 1944 gibt es eine Ausländer-Sammel-Stelle.
Für Zwangs-Arbeiter.
Die kranken Zwangs-Arbeiter kommen aus Nord-Rhein-Westfalen.
Der Leiter sagt:
Die Polen und Russen solle zuerst ermordet werden.
Aber: Für Sammel-Transporte ist es schon zu spät. Der Krieg beendet alles.