
Postkarte der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren, nach 1945.
ArEGL 99.
KAUFBEUREN
Direktor der Anstalten Kaufbeuren und Kaufbeuren-Irsee war Valentin Faltlhauser. Er setzte sich 1942 für die Einführung der »Entzugskost« ein. Es ist nachgewiesen, dass in Kaufbeuren auch überdosierte Medikamente zur Tötung von Erkrankten eingesetzt wurden. Verantwortlich für die Tötungen waren der Ärztliche Direktor Lothar Gärtner, die Pflegerin Pauline Kneissler und mindestens zwei weitere Pflegekräfte.
Im September 1944 wurde in der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren eine »Ausländersammelstelle« eingerichtet. Ihr Einzugsgebiet beschränkte sich auf Bayern. Daraufhin wurden 23 ausländische Erkrankte aus der bayerischen Heil- und Pflegeanstalt Günzburg nach Kaufbeuren verlegt.
Insgesamt befanden sich ab 1943 mindestens 65 Kriegsgefangene und 207 Zwangsarbeiterinnen in Kaufbeuren. Die meisten Zwangsarbeiterinnen stammten aus der Sowjetunion und Polen, einige kamen aus Estland, Frankreich, den Niederlanden, Italien, Lettland und Litauen. Unter den Kriegsgefangenen waren auch Engländer und Italiener.
Viele Zwangsarbeiter*innen kamen bereits unterernährt in Kaufbeuren an. Wenn Therapie-Versuche erfolglos blieben, starben die Betroffenen innerhalb kürzester Zeit an Mangelversorgung und Vergiftung.
Es ist nicht bekannt, wie viele ausländische Erkrankte in Kaufbeuren ermordet wurden. Kaufbeuren war in jedem Fall ein wichtiger Knotenpunkt für die »Zwangsarbeiter-Euthanasie«.
Insgesamt starben in Kaufbeuren mehr als 1.500 Kinder und Erwachsene an Hunger und überdosierten Medikamenten. Da der Anstaltsfriedhof zu klein wurde, erhielt die Anstalt im Sommer 1944, auch für die Einäscherung der ermordeten Zwangsarbeiter*innen, ein Krematorium.
KAUFBEUREN
Valentin Faltlhauser ist Arzt.
Er ist Chef der Anstalt in Kaufbeuren.
Das ist in Bayern.
Im Jahr 1942 erfindet er besonderes Essen.
Obwohl man isst verhungert man.
Ärzte und Pfleger in seinem Kranken-Haus ermordeten Kranke.
Durch Verhungern und zu viele Medikamente.
Ab September 1944 gibt es eine Ausländer-Sammel-Stelle.
Für Bayern.
Es werden viele Zwangs-Arbeiter aufgenommen.
Aus Günzburg.
Aber auch aus anderen bayerischen Anstalten.
Es sind über 300 Kranke in der Ausländer-Sammel-Stelle.
Viele kommen aus Russland und Polen.
Es sind bald auch Kriegs-Gefangene.
Aus Italien und England.
Keiner weiß wie viele sterben.
Aber es sind sehr viele.
Darum gibt es sogar einen Ofen.
Um die Toten darin zu verbrennen.
Das ist eine Postkarte.
Sie zeigt die Anstalt Kaufbeuren nach 1945.