
Postkarte vom Samariterstift Grafeneck, vor 1934.
ArEGL 99.

Dieses Bild mit den Bussen entstand zwischen September und November 1940 in der Anstalt Stetten. Von hier aus wurden ausschließlich erkrankte Frauen in die Tötungsanstalt Grafeneck verlegt. Es zeigt eine Frau mit Koffer vor Reichspost-Bussen der »Aktion T4«, die ein Mädchen an der Hand hält. Das Bild wurde heimlich aufgenommen.
HADS (Historisches Archiv Diakonie Stetten) 3675.
GRAFENECK
Die Tötungsanstalt Grafeneck befand sich in einem ehemaligen Jagdschloss, das ab 1929 vom Samariterstift als Heim für Menschen mit Behinderungen genutzt wurde. Im Oktober 1939 wurde es beschlagnahmt und bis Januar 1940 zu einer Tötungsanstalt umgebaut. Der Krankenmord begann am 18. Januar 1940 in einer als Duschraum getarnten Gaskammer, die sich in einer Garage befand. Die Opfer kamen aus 48 Einrichtungen aus Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Am 13. Dezember 1940 wurden die letzten Opfer im Krematorium verbrannt. Insgesamt wurden etwa 10.000 Erkrankte im Rahmen der »Aktion T4« in Grafeneck ermordet. Nach der Schließung wurde das Personal in die hessische Tötungsanstalt Hadamar verlegt. Das Schlossgebäude diente in den folgenden Jahren der sogenannten Kinderlandverschickung. 1945 wurde das Heim von der französischen Besatzungsbehörde genutzt und 1946 bzw. 1947 wieder an die Samariterstiftung zurückgegeben. Menschen mit Behinderungen, die den Krieg überlebt hatten, zogen wieder ins Schloss. Heute gibt es in Grafeneck eine Gedenkstätte.
GRAFENECK
Grafeneck ist ein altes Schloss.
Ab dem Jahr 1929 ist dort ein Heim
• für Menschen mit Behinderungen.
• für Kranke.
Im Jahr 1939 schließen die Nazis das Heim.
Sie machen Schloss Grafeneck
zu einer Tötungs-Anstalt.
In einer Garage bauen sie
eine Gas-Kammer ein.
Dort ermorden die Nazis Kranke.
Von Januar bis Dezember 1940 werden Kranke in Grafeneck ermordet.
Etwa 10 000 Kranke werden
in dieser Zeit ermordet.
Die Mörder sind Ärzte und Pfleger.
Im Dezember 1940 schließen die Nazis
die Tötungs-Anstalt Grafeneck.
Die Ärzte und Pfleger aus Grafeneck gehen
in die Tötungs-Anstalt nach Hadamar.
Dort töten sie weiter Kranke.
Ab dem Jahr 1941 ist die Tötungs-Anstalt Grafeneck ein Freizeit-Heim für Kinder.
Kinder machen dort Urlaub.
Das ist eine Postkarte vom Heim
Schloss Grafeneck.
Die Postkarte ist vor dem Jahr 1934 gemacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ziehen Soldaten und Ämter in Schloss Grafeneck ein.
Im Jahr 1946 ist das Schloss wieder
ein Heim für Menschen mit Behinderungen.
Heute ist das Schloss eine Gedenkstätte.
Man erinnert an alle Menschen,
die hier von den Nazis ermordet worden sind.
Die Busse auf diesem Foto bringen Kranke
in die Tötungs-Anstalt Grafeneck.
Die Busse stehen noch
vor einer Anstalt in Stetten.
Das Foto ist aus dem Jahr 1940.