NFC zu 03-14-01-01

Luftbild der Rotenburger Anstalten der Inneren Mission, Postkarte, vor 1945.
ArEGL 99.

Kinder und Jugendliche mit zwei Pflegerinnen in den Rotenburger Anstalten der Inneren Mission, vor Oktober 1941.
Archiv Rotenburger Werke der Inneren Mission.
ROTENBURGER ANSTALTEN
Die Rotenburger Anstalten der Inneren Mission (Rechtsnachfolger sind heute die »Rotenburger Werke«) waren und sind noch heute eine Einrichtung für Menschen mit Behinderungen in kirchlicher Trägerschaft. Das 1880 eingerichtete »Asyl für die Pflege Epileptischer« gehörte zu den größten Heil- und Pflegeeinrichtungen der Provinz Hannover.
Zwischen 1940 und 1941 sind unter der Leitung des Pastors Johannes Buhrfeind sowie des leitenden Arztes Dr. Kurt Magunna nach derzeitigem Forschungsstand mindestens 562 Patient*innen Opfer der »Aktion T4« geworden. Darüber hinaus beteiligten sich die Anstalten der Inneren Mission (bis 9. Januar 1940 unter ärztlicher Leitung von Dr. Wening) zwischen 1934 und 1942 umfangreich an der Zwangssterilisation. Nachweislich wurden mindestens 335 Bewohner*innen gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht.
Ab Herbst 1941 dienten die Anstalten als Ausweichkrankenhaus, es wurde ein Reservelazarett eingerichtet. Lediglich 240 Bewohner*innen blieben, die übrigen wurden in andere Anstalten verlegt.
Hierzu gehörten auch die Kinder und Jugendlichen der »Kinderabteilung«, die aufgelöst wurde. Infolgedessen wurden am 9. und 10. Oktober 1941 138 Kinder und Jugendliche (unter ihnen acht Kinder mit Diphterie-Erkrankung) in die »Kinderfachabteilung« Lüneburg verlegt. 88 Prozent von ihnen starben, überwiegend in den Jahren 1942 und 1943. Nur neun Jungen und sieben Mädchen überlebten.
Darüber hinaus legen Krankenakten die Vermutung nahe, dass die Versorgung der Kinder und Jugendlichen in den Anstalten der Inneren Mission auch vor ihrer Verlegung im Herbst 1941, spätestens ab 1938, desolat gewesen war.
Die Rotenburger Werke der Inneren Mission arbeiteten ihre Geschichte ab 1990 auf. Hierzu gehörte nicht nur die Beschäftigung mit den Verbrechen im Nationalsozialismus, sondern auch die historisch-wissenschaftliche Aufarbeitung von Gewalt- und Zwangsmaßnahmen nach 1945 bis zum Jahr 2000.
ROTENBURGER ANSTALTEN
Die Rotenburger Anstalt ist ein Heim.
Dort leben Menschen mit Behinderungen.
Sie heißen Bewohner.
Die Rotenburger Anstalt gehört zur Kirche.
Es ist eine christliche Anstalt.
Es gibt sie seit dem Jahr 1880.
Das sind fast 150 Jahre.
Im National-Sozialismus ist Pastor Buhrfeind der Leiter.
Und es gibt den Arzt Kurt Magunna.
Beide sollen gut zu Menschen mit Behinderungen sein.
Aber sie sind es nicht.
Pastor Buhrfeind sagt:
Diese Bewohner bei uns müssen unfrucht-bar gemacht werden.
Sie dürfen keine Kinder bekommen.
Der Arzt Magunna sagt das auch.
Und er sagt:
562 Bewohner müssen sterben.
Sie kommen in eine Tötungs-Anstalt.
Dort werden sie mit Gas ermordet.
In der Anstalt gibt es auch viele Kinder und Jugendliche.
Im Jahr 1938 und danach geht es ihnen schlecht.
Sie bekommen nicht genug zu essen.
Und niemand kümmert sich um sie.
Im Jahr 1941 wird die Anstalt zu gemacht.
Sie wird gebraucht für verletzte Soldaten.
Und für Bomben-Opfer.
Alle Bewohner müssen in andere Heime.
Oder in andere Krankenhäuser.
138 Kinder und Jugendliche kommen nach Lüneburg.
In die Kinder-Fach-Abteilung.
Das ist am 9. und am 10. Oktober 1941.
Nur 9 Jungen und 7 Mädchen über-leben.
Alle anderen werden in Lüneburg ermordet.
Der Pastor und der Arzt wissen das.
Es ist ihnen egal.
Dann endet der National-Sozialismus.
Menschen mit Behinderungen kehren in die Rotenburger Anstalt zurück.
Die den National-Sozialismus über-lebt haben.
Die nicht ermordet wurden.
Aber man behandelt sie immer noch nicht gut.
Es gibt viel Gewalt in der Rotenburger Anstalt
1990 sagen viele:
So geht das nicht mehr.
Die Gewalt muss aufhören.
Außerdem wollen wir wissen:
Was ist im National-Sozialismus wirklich passiert?
Wissenschaftler erforschen die Geschichte der Anstalt.
Sie entdecken die Wahrheit über die Verbrechen.
Sie stellen fest:
Wie viele Menschen aus den Anstalten wurden ermordet?.
Wie viele wurden unfrucht-bar gemacht?
Und wie viel Gewalt hat es gegeben?
Bis in das Jahr 2000.
Die Anstalt sagt heute:
Gut dass wir unsere Geschichte kennen.
Und darüber sprechen.
Das soll nie wieder passieren.
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Aerial view of the Rotenburg institutions of the Inner Mission, postcard, before 1945.
ArEGL 99.

Children and adolescents with two nurses at the Rotenburg institutions of the Inner Mission, before October 1941.
Rotenburg Works Archive.
ROTENBURG INSTITUTIONS
The Rotenburg Institutions of the Inner Mission (now succeeded by the »Rotenburg Works«) were and still are a church-run facility for people with disabilities. Established in 1880, the »Asylum for the Care of Epileptics« was one of the largest healing and care facilities in the province of Hanover.
Between 1940 and 1941, under the direction of Pastor Johannes Buhrfeind and Chief Physician Dr. Kurt Magunna, at least 562 female patients fell victim to »Aktion T4« according to current research. In addition, the institutions of the Inner Mission (under the medical direction of Dr. Wening until 9 January 1940) participated extensively in forced sterilisation between 1934 and 1942. At least 335 female residents were proven to have been sterilised against their will.
From autumn 1941 onwards, the institutions served as alternative hospitals, and a reserve military hospital was set up. Only 240 residents remained; the rest were transferred to other institutions.
This included the children and young people in the »children’s ward,« which was dissolved. As a result, on 9 and 10 October 1941, 138 children and adolescents (including eight children with diphtheria) were transferred to the »children’s ward« in Lüneburg. 88 per cent of them died, mainly in 1942 and 1943. Only nine boys and seven girls survived.
Furthermore, medical records suggest that the care provided to children and adolescents in the Inner Mission institutions had been dire even before their transfer in autumn 1941, at least since 1938.
The Rotenburg Works of the Inner Mission re-examined its history from 1990 onwards. This involved not only addressing the crimes committed during the Nazi era, but also conducting historical and scientific research into acts of violence and coercion committed between 1945 and 2000.
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Widok z lotu ptaka na instytucje Wewnętrznej Misji w Rotenburgu, pocztówka, przed 1945 r.
ArEGL 99.

Dzieci i młodzież z dwiema pielęgniarkami w placówkach Inner Mission w Rotenburgu, przed październikiem 1941 r.
Archiwum Zakładów Rotenburg.
INSTYTUCJE W ROTENBURGU
Instytucje Rotenburga należące do Misji Wewnętrznej (obecnie zastąpione przez »Rotenburg Works«) były i nadal są placówką kościelną dla osób niepełnosprawnych. Założony w 1880 roku »Azyl dla osób cierpiących na epilepsję« był jedną z największych placówek leczniczych i opiekuńczych w prowincji Hanower.
W latach 1940–1941, pod kierownictwem pastora Johannesa Buhrfeinda i głównego lekarza dr. Kurta Magunny, według aktualnych badań co najmniej 562 pacjentki padły ofiarą »Aktion T4«. Ponadto instytucje Inner Mission (pod kierownictwem medycznym dr. Weninga do 9 stycznia 1940 r.) brały aktywny udział w przymusowej sterylizacji w latach 1934–1942. Udowodniono, że co najmniej 335 mieszkanek zostało poddanych sterylizacji wbrew swojej woli.
Od jesieni 1941 r. placówki pełniły funkcję szpitali zastępczych, a także utworzono rezerwowy szpital wojskowy. Pozostało tylko 240 mieszkańców; reszta została przeniesiona do innych placówek.
Dotyczyło to również dzieci i młodzieży z »oddziału dziecięcego«, który został rozwiązany. W rezultacie w dniach 9 i 10 października 1941 r. 138 dzieci i młodzieży (w tym osiem dzieci z błonicą) przeniesiono do »oddziału dziecięcego« w Lüneburgu. 88 procent z nich zmarło, głównie w latach 1942 i 1943. Przeżyło tylko dziewięciu chłopców i siedem dziewcząt.
Ponadto dokumentacja medyczna sugeruje, że opieka nad dziećmi i młodzieżą w placówkach Inner Mission była fatalna jeszcze przed ich przeniesieniem jesienią 1941 r., a przynajmniej od 1938 r.
Organizacja Rotenburg Works of the Inner Mission ponownie przeanalizowała swoją historię od 1990 roku. Obejmowało to nie tylko zajęcie się zbrodniami popełnionymi w czasach nazistowskich, ale także przeprowadzenie badań historycznych i naukowych dotyczących aktów przemocy i przymusu popełnionych w latach 1945–2000.

