NFC zu 03-19-03-02

Ruth mit ihrer Schwester Inge Roxin, »Kinderfachabteilung« Lüneburg, 1943.
Privatbesitz Sigrid Roxin | Käthe Wandel, geb. Roxin.
INGE ROXIN (1939 – 1943)
Inge Roxin wurde als jüngstes von insgesamt sechs Kindern am 22. August 1939 in Lüneburg geboren. Ihre Eltern, Anna und Eugen Roxin, zogen nach Inges Geburt in eine Wohnung in die Rotehahnstraße 4, ein Haus, das sie fortan mit der Familie Petersen teilten. Mariechen Petersen, Inges Nachbarin, wurde ebenfalls Patientin in der »Kinderfachabteilung« der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg. Sie traf das gleiche Schicksal.
Inges Vater Eugen Roxin arbeitete als Schwimmlehrer und LKW-Fahrer. Seine Frau Anna war Köchin. Sie war sehr pflichtbewusst und folgte deshalb der Meldepflicht für Kinder mit Behinderungen, die vier Tage vor Inges Geburt eingeführt worden war. Der Lüneburger Amtsarzt, dem Inge vorgestellt wurde, diagnostizierte »Idiotie« und empfahl ihre Aufnahme in die »Kinderfachabteilung«.
Schon wenige Tage nach der Aufnahme erkrankte Inge an Fieber und Durchfall. Es wurde eine Therapie mit einem nicht zugelassenen Medikament veranlasst. Es ist unklar, ob diese Arznei eingesetzt wurde, um damit tatsächlich eine Besserung des Gesundheitszustandes zu erreichen, oder ob die Behandlung auch Forschungszwecken diente. Ihre Mutter und die vier Jahre ältere Schwester Käthe besuchten Inge regelmäßig. Die Besuche von Käthe sind durch zwei Fotos dokumentiert, die von einer Pflegerin kurz vor Inges Ermordung angefertigt worden waren.
Am 20. Oktober 1943 starb Inge Roxin. Als offizielle Todesursache wurde eine »eitrige Bronchitis« angegeben, mit hoher Wahrscheinlichkeit jedoch erlag sie einer Überdosis an Medikamenten. Die Dreieinhalbjährige wurde auf Wunsch der Eltern auf dem Zentralfriedhof Lüneburg beigesetzt.
2019 wurde für Inge Roxin in der Rotehahnstraße 4 ein Stolperstein verlegt.
INGE ROXIN
Inge Roxin ist das sechste Kind der Familie Roxin.
Ihre Mutter Anna ist Köchin.
Ihr Vater Eugen ist LKW-Fahrer.
Später arbeitet er beim Land-Kreis.
Sie wohnen in der Stadt Lüneburg.
Inge wohnt in der Haus-Nummer vier.
Im gleichen Haus wohnt eine zweite Familie.
Sie hat auch ein Kind mit Behinderung.
Ein Mädchen.
Es heißt Mike.
Mike und Inge müssen in die Lüneburger Anstalt.
Beide werden Patient in der Kinder-Fach-Abteilung.
Für Kinder mit Behinderungen gibt es eine Melde-Pflicht.
Das gilt für die Zeit des National-Sozialismus.
Auch Inge wird gemeldet.
Drei Ärzte in Berlin entscheiden:
Inge muss in die Anstalt.
Danach muss Anna Roxin ihre Tochter in die Anstalt bringen.
Inge wird in die Kinder-Fach-Abteilung aufgenommen.
Sie kommt in das Haus fünf-und-zwanzig.
Die Familie kann Inge besuchen.
Weil sie in der Nähe wohnt.
Sie können zu Fuß in die Anstalt laufen.
Das macht ihre Schwester Käthe.
Ganz oft in der Woche kommt Käthe zu Inge.
In das Haus fünf-und-zwanzig.
Käthe bekommt eine Decke.
Sie setzt sich mit Inge auf eine Wiese.
Es wird ein Foto gemacht.
Inge wird krank.
Sie erhält Medizin.
Die Medizin kann man noch nicht kaufen.
Sie wird an Inge aus-probiert.
Inge wird wieder gesund.
Käthe besucht ihre Schwester Inge ganz oft.
Auch ihre Mutter besucht sie.
Dadurch ist kein Mord möglich.
Der Mord kann nämlich durch die Besuche nicht geheim bleiben.
In einer Woche kommt kein Besuch.
In der Woche wird Inge ermordet.
Sie stirbt am 20. Oktober 1943.
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Ruth with her sister Inge Roxin, »Children’s Ward,« Lüneburg, 1943.
Private property of Sigrid Roxin | Käthe Wandel, née Roxin.
INGE ROXIN (1939 – 1943)
Inge Roxin was born on August 22, 1939, in Lüneburg, the youngest of six children. After Inge was born, her parents, Anna and Eugen Roxin, moved into an apartment at Rotehahnstraße 4, a house they shared with the Petersen family. Mariechen Petersen, Inge’s neighbor, also became a patient in the »children’s ward« of the Lüneburg institution. She suffered the same fate.
Inge’s father, Eugen Roxin, worked as a swimming instructor and truck driver. His wife Anna was a cook. She was very conscientious and therefore complied with the reporting requirement for children with disabilities, which had been introduced four days before Inge’s birth. The Lüneburg medical officer to whom Inge was presented diagnosed »idiocy« and recommended her admission to the »children’s ward.«
Just a few days after her admission, Inge fell ill with fever and diarrhea. Treatment with an unapproved drug was initiated. It is unclear whether this drug was used to actually improve her health or whether the treatment was also for research purposes. Her mother and her sister Käthe, who was four years older, visited Inge regularly. Käthe’s visits are documented by two photos taken by a nurse shortly before Inge’s murder.
Inge Roxin died on October 20, 1943. The official cause of death was given as »purulent bronchitis,« but it is highly likely that she died of a drug overdose. At her parents‘ request, the three-and-a-half-year-old was buried in the central cemetery in Lüneburg.
In 2019, a Stolperstein was laid for Inge Roxin at Rotehahnstraße 4.
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Ruth z siostrą Inge Roxin, »Oddział dziecięcy«, Lüneburg, 1943 r.
Własność prywatna Sigrid Roxin | Käthe Wandel, z domu Roxin.
INGE ROXIN (1939 – 1943)
Inge Roxin urodziła się 22 sierpnia 1939 roku w Lüneburgu jako najmłodsze z sześciorga dzieci. Po urodzeniu Inge jej rodzice, Anna i Eugen Roxin, przeprowadzili się do mieszkania przy ulicy Rotehahnstraße 4, które dzielili z rodziną Petersenów. Mariechen Petersen, sąsiadka Inge, również trafiła na »oddział dziecięcy« instytucji w Lüneburgu. Spotkał ją ten sam los.
Ojciec Inge, Eugen Roxin, pracował jako instruktor pływania i kierowca ciężarówki. Jego żona Anna była kucharką. Była bardzo sumienna i dlatego zastosowała się do wymogu zgłaszania dzieci niepełnosprawnych, który został wprowadzony cztery dni przed narodzinami Inge. Lekarz z Lüneburga, któremu przedstawiono Inge, zdiagnozował »idiotyzm« i zalecił przyjęcie jej do »oddziału dziecięcego«.
Zaledwie kilka dni po przyjęciu do szpitala Inge zachorowała na gorączkę i biegunkę. Rozpoczęto leczenie niezatwierdzonym lekiem. Nie jest jasne, czy lek ten został zastosowany w celu poprawy stanu zdrowia pacjentki, czy też leczenie miało również charakter badawczy. Jej matka i starsza o cztery lata siostra Käthe regularnie odwiedzały Inge. Wizyty Käthe zostały udokumentowane na dwóch zdjęciach wykonanych przez pielęgniarkę na krótko przed zabójstwem Inge.
Inge Roxin zmarła 20 października 1943 roku. Jako oficjalną przyczynę śmierci podano »ropne zapalenie oskrzeli«, ale jest wysoce prawdopodobne, że zmarła z powodu przedawkowania narkotyków. Na prośbę rodziców trzyipółletnia dziewczynka została pochowana na cmentarzu centralnym w Lüneburgu.
W 2019 roku przy ulicy Rotehahnstraße 4 położono kamień Stolperstein poświęcony Inge Roxin.

