NFC zu 03-28-02-02

Benni Hiemstra, um 1938.
Privatbesitz Johan Huismann | Tine Ovinck-Huismann.
BENNI HIEMSTRA (1937 – 1944)
Berend »Benni« Willem Hiemstra wurde am 20. Mai 1937 in Zutphen, Kreis Gelderland, in den Niederlanden geboren. Sein Vater war der Schlachtermeister, Vieh- und Fleischgroßhändler Hermann Godefridus Hiemstra. Die Mutter war Berendina Weselina Hiemstra, geborene Boeyink.
Benni war das einzige Kind von Berendina und Hermann Hiemstra. Darüber gab die Mutter bei der Aufnahme ihres Sohnes in der »Kinderfachabteilung« in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg Auskunft. Sie war eine überzeugte Nationalsozialistin und hing der niederländischen Schwesterpartei der NSDAP an.
Als die Frontlinie und die Alliierten sich den deutsch besetzten Niederlanden näherten, entschieden die Hiemstras, ins Deutsche Reich zu flüchten. Auf diese Weise versuchten sie sich zu retten, da sie aufgrund ihrer Kollaboration mit den Deutschen eine strafrechtliche Verfolgung befürchteten.
Die Flucht mit den notwendigsten Habseligkeiten endete in Lüneburg. Bennis Eltern wurden nach einem kurzen Aufenthalt in der Scharnhorst-Kaserne in einem Flüchtlingslager untergebracht, das in einer Schule in Amelinghausen im Kreis Lüneburg eingerichtet worden war. Die Flüchtlingslager wurden oftmals von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV) betreut. NSV-Schwestern kamen der Meldepflicht von behinderten oder psychisch erkrankten Menschen sehr akribisch nach, sodass es immer wieder zu Einweisungen aus den Flüchtlingslagern in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg kam.
Sicher ist, dass Benni am 10. September 1944 gemeinsam mit einem Kind namens Johann Peter Wolf in die »Kinderfachabteilung« Lüneburg aufgenommen wurde. Bei seiner Einweisung war er sieben Jahre alt. Seine Mutter gab an, er habe im Alter von sechs Monaten Krämpfe bekommen und sich seither nicht weiterentwickelt.
Bei der ersten Untersuchung kam der Arzt Willi Baumert zu dem Ergebnis, Benni sei ein »tiefstehender Junge, der auf nichts reagiert, liegt teilnahmslos vor sich hindösend im Bett. […] Muß in jeder Hinsicht versorgt werden.« Zwei Wochen später wurde Benni von seinen Eltern besucht. Das war angesichts der Gesamtsituation der Familie ungewöhnlich. Bereits am nächsten Tag erfolgte jedoch der Eintrag, dem Kind ginge es schlecht, es sehe blutarm aus und habe Durchfall. Zur Therapie des Durchfalls wurde eine »Diät« verordnet.
Danach erfolgten nur noch zwei Einträge in seine Krankengeschichte, die durch das Schriftbild den Anschein erwecken, in einem Zuge vorgenommen worden zu sein, und zwar nach Todeseintritt. Am 30. September wurde notiert: »Zustand weiter verschlechtert. Dauernd […] Abgänge u. Erbrechen.« Am 2. Oktober 1944 wurde notiert: »Exitus 2h nachts. Todesursache 1 angeb. Schwachsinn wahrscheinlich 1b. fieberhafter Magendarmkatarrh.«
Die Eltern besuchten Benni während seines Aufenthaltes in der »Kinderfachabteilung« noch ein weiteres Mal. Im Feld der Besucherkarte »Bemerkungen« sind auch drei Gesprächstermine eingetragen. Ob es wirklich zu Gesprächen mit Max Bräuner, dem Ärztlichen Direktor der Anstalt kam, die Eltern eventuell sogar Einfluss auf die Versorgung ihres Kindes nahmen, lässt sich anhand der Besucherkarte nicht zweifelsfrei rekonstruieren. Offen ist auch, wie ein solcher Einfluss geartet gewesen sein konnte. Auffällig ist jedoch, dass Benni innerhalb von drei Wochen starb. Er wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit ermordet – mit oder ohne Zustimmung bzw. Initiative der Eltern. Sie wurden noch am selben Tag per Telegramm informiert: »Sohn Willem entschlafen.« Benni wurde auf dem Kindergräberfeld bestattet.
BENNI HIEMSTRA
Berend Hiemstra wird Benni genannt.
Er ist 1937 geboren.
Er kommt aus Zutphen.
Das ist eine Stadt in den Niederlanden.
Das ist ein Nachbar-Land von Deutschland.
Benni hat keine Geschwister.
Er ist das einzige Kind.
Der Vater ist Schlachter.
Er handelt mit Fleisch und Kühen.
Seine Mutter ist Haus-Frau.
Sie ist eine National-Sozialistin.
Im Jahr 1944 fallen Bomben in den Nieder-Landen.
Es wird gefährlich.
Vor allem für die National-Sozialisten in den Nieder-Landen.
Sie haben Angst vor einer Strafe.
Weil sie mit den Deutschen National-Sozialisten Freunde sind.
Und mit ihnen zusammen arbeiten.
Die National-Sozialisten haben viele Menschen ermordet.
Auch die Eltern von Benni haben Angst vor Strafe.
Weil sie Freunde von Mördern sind.
Bennis Eltern entscheiden:
Wir gehen nach Deutsch-Land.
Zu unseren national-sozialistischen Freunden.
Da sind wir sicher.
Benni und seine Eltern flüchten nach Lüne-Burg.
Zuerst sind sie in einer Kaserne.
Da arbeiten Soldaten.
Dann kommen sie in ein Flüchtlings-Lager.
Da arbeitet eine Pflegerin.
Sie merkt:
Benni hat eine geistige Behinderung.
Und er hat Anfälle.
Darum meldet sie Benni beim Gesundheits-Amt.
Benni wird untersucht.
Der Arzt entscheidet:
Benni hat eine Behinderung.
Er muss in die Kinder-Fach-Abteilung Lüne-Burg.
Benni kommt in die Kinder-Fach-Abteilung Lüne-Burg.
Da ist er 7 Jahre alt.
Seine Eltern besuchen ihn 2 Mal.
Und sie sprechen mit dem Arzt.
Dann ist Benni plötzlich tot.
Es geht ganz schnell.
Ganz sicher ist:
Benni wird ermordet.
Er stirbt am 2. Oktober 1944.
3 Wochen nach seiner Auf-Nahme in die Kinder-Fach-Abteilung.
Der Arzt sagt:
Benni ist an einer Darm-Entzündung gestorben.
Aber das ist eine Lüge.
Wussten die Eltern die Wahrheit?
War der Tod für die Eltern o.k.?
Haben die Eltern den Arzt darum gebeten?
Das ist alles nicht bekannt.

Benni Hiemstra, around 1938.
Private collection Johan Huismann | Tine Ovinck-Huismann.
BENNI HIEMSTRA (1937 – 1944)
Berend »Benni« Willem Hiemstra was born on 20 May 1937 in Zutphen, Gelderland province, in the Netherlands. His father was Hermann Godefridus Hiemstra, a master butcher and livestock and meat wholesaler. His mother was Berendina Weselina Hiemstra, née Boeyink.
Benni was the only child of Berendina and Hermann Hiemstra. His mother provided this information when her son was admitted to the »Children’s ward« at the Lüneburg mental hospital. She was a staunch National Socialist and supported the Dutch sister party of the NSDAP.
As the front line and the Allies approached the German-occupied Netherlands, the Hiemstras decided to flee to the German Empire. They were trying to save themselves, as they feared prosecution for their collaboration with the Germans.
The escape with only the bare essentials ended in Lüneburg. After a short stay at the Scharnhorst Barracks, Benni’s parents were housed in a refugee camp that had been set up in a school in Amelinghausen in the district of Lüneburg. The refugee camps were often run by the National Socialist People’s Welfare Organisation (NSV). NSV nurses meticulously complied with the obligation to report disabled or mentally ill people, which led to repeated admissions from the refugee camps to the Lüneburg mental hospital.
What is certain is that on 10 September 1944, Benni was admitted to the »Children’s ward« in Lüneburg together with a child named Johann Peter Wolf. He was seven years old when he was admitted. His mother stated that he had developed convulsions at the age of six months and had not developed further since then.
During the initial examination, Dr Willi Baumert concluded that Benni was a »low-functioning boy who does not respond to anything, lies apathetically in bed, dozing. […] Must be cared for in every respect.« Two weeks later, Benni received a visit from his parents. This was unusual given the family’s overall situation. However, the very next day, a note was made that the child was unwell, looked anaemic and had diarrhoea. A »diet« was prescribed to treat the diarrhoea.
After that, there were only two entries in his medical records, which, judging by the handwriting, appear to have been made in one go after his death. On 30 September, it was noted: »Condition continues to deteriorate. Constant […] discharge and vomiting.« On 2 October 1944, the following was noted: »Death at 2 a.m. Cause of death 1a. Probable dementia 1b. Febrile gastroenteritis.«
Benni’s parents visited him once more during his stay in the »Children’s ward«. Three appointments are also entered in the »Comments« field of the visitor card. Whether these appointments actually took place with Max Bräuner, the medical director of the institution, and whether the parents may have even influenced the care of their child cannot be reconstructed with certainty from the visitor card. It also remains unclear what form such influence might have taken. What is striking, however, is that Benni died within three weeks. He was most likely murdered – with or without the consent or initiative of his parents. They were informed by telegram on the same day: »Son Willem has passed away.« Benni was buried in the children’s graveyard.

Benni Hiemstra, około 1938 roku.
Kolekcja prywatna Johan Huismann | Tine Ovinck-Huismann.
BENNI HIEMSTRA (1937 – 1944)
Berend »Benni« Willem Hiemstra urodził się 20 maja 1937 r. w Zutphen, w prowincji Gelderland, w Holandii. Jego ojcem był Hermann Godefridus Hiemstra, mistrz rzeźnictwa i hurtownik bydła i mięsa. Jego matką była Berendina Weselina Hiemstra, z domu Boeyink.
Benni był jedynym dzieckiem Berendiny i Hermanna Hiemstry. Jego matka przekazała tę informację, gdy jej syn został przyjęty na »oddział dziecięcy« szpitala psychiatrycznego w Lüneburgu. Była zagorzałą narodową socjalistką i wspierała holenderską siostrzaną partię NSDAP.
Gdy linia frontu i alianci zbliżali się do okupowanej przez Niemców Holandii, Hiemstrasowie postanowili uciec do Cesarstwa Niemieckiego. Próbowali się ratować, ponieważ obawiali się ścigania za kolaborację z Niemcami.
Ucieczka tylko z niezbędnymi rzeczami zakończyła się w Lüneburgu. Po krótkim pobycie w koszarach Scharnhorst, rodzice Benniego zostali umieszczeni w obozie dla uchodźców, który został utworzony w szkole w Amelinghausen w powiecie Lüneburg. Obozy dla uchodźców były często prowadzone przez Narodowosocjalistyczną Organizację Opieki Społecznej (NSV). Pielęgniarki NSV skrupulatnie przestrzegały obowiązku zgłaszania osób niepełnosprawnych lub chorych psychicznie, co doprowadziło do wielokrotnych przyjęć z obozów dla uchodźców do szpitala psychiatrycznego w Lüneburgu.
Pewne jest, że 10 września 1944 r. Benni został przyjęty na »oddział dziecięcy« w Lüneburgu wraz z dzieckiem o imieniu Johann Peter Wolf. W chwili przyjęcia miał siedem lat. Jego matka stwierdziła, że w wieku sześciu miesięcy wystąpiły u niego drgawki i od tego czasu nie rozwijał się dalej.
Podczas wstępnego badania dr Willi Baumert stwierdził, że Benni jest »słabo funkcjonującym chłopcem, który na nic nie reaguje, leży apatycznie w łóżku, drzemiąc. […] Trzeba się nim opiekować pod każdym względem«. Dwa tygodnie później Benniego odwiedzili jego rodzice. Było to niezwykłe, biorąc pod uwagę ogólną sytuację rodziny. Jednak już następnego dnia odnotowano, że dziecko źle się czuje, ma anemię i biegunkę. Zalecono »dietę« w celu leczenia biegunki.
Następnie w jego dokumentacji medycznej znajdowały się tylko dwa wpisy, które, sądząc po odręcznym piśmie, wydają się być dokonane za jednym razem po jego śmierci. W dniu 30 września odnotowano: »Stan nadal się pogarsza. Ciągła […] wydzielina i wymioty«. W dniu 2 października 1944 r. odnotowano, co następuje: »Śmierć o 2 w nocy. Przyczyna śmierci 1a. Prawdopodobna demencja 1b. Gorączkowe zapalenie żołądka i jelit«.
Rodzice Benniego odwiedzili go jeszcze raz podczas jego pobytu na »Oddziale dziecięcym«. W polu »Uwagi« karty odwiedzin wpisano również trzy spotkania. Na podstawie karty odwiedzin nie można z całą pewnością stwierdzić, czy spotkania te faktycznie odbyły się z Maxem Bräunerem, dyrektorem medycznym placówki, i czy rodzice mogli mieć wpływ na opiekę nad swoim dzieckiem. Nie jest również jasne, jaką formę mógł przybrać taki wpływ. Uderzające jest jednak to, że Benni zmarł w ciągu trzech tygodni. Najprawdopodobniej został zamordowany – za zgodą lub bez inicjatywy rodziców. Zostali oni poinformowani telegramem tego samego dnia: »Syn Willem zmarł«. Benni został pochowany na cmentarzu dziecięcym.

