ÄRZTE

Das Dokument ist sehr vergilbt und am linken Rand eingerissen. Das Dokument ist eng mit Schreibmaschine bedruckt. Die Absätze sind durchnummerierten Fragen zugeordnet. Es gibt auch eine Liste mit Ärztinnen und Ärzten, einschließlich Nennung ihrer Dienstposten und Anschriften. Es finden sich Informationen zu zwölf Ärztinnen und Ärzten. Bis auf die zwei gestorbenen Ärzte, einem Arzt aus Göttingen und Willi Baumert wohnten alle Ärztinnen und Ärzte noch in einer Wohnung in der Heil- und Pflegeanstalt Am Wienebütteler Weg 1 in Lüneburg, auch die in den Ruhestand versetzten. Das Dokument ist von Rudolf Redepenning handschriftlich mit blauer Farbe unterschrieben.

Auszug aus einem Brief von Rudolf Redepenning mit einer Übersicht der Ärztinnen und Ärzte in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg (1939 bis 1945) vom 26.5.1948.

NLA Hannover Nds. 721 Lüneburg Acc. 8/98 Nr. 3.

In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg arbeiteten im Vergleich zu heute wenige Ärzte und eine Ärztin. Sie waren an den verschiedenen Verbrechen unterschiedlich beteiligt, als Gutachter*innen, als Zuträger*innen, als Zuschauer*innen, Tatbeteiligte und als Täter*innen. Über viele ist wenig bekannt.

BERNHARD WINNINGHOFF (1908 – 1989)

Bernhard Winninghoff wurde 1908 in Hannover geboren. Er studierte Medizin. 1938 heiratete er Marga Winninghoff (geb. Hundertmark). Im gleichen Jahr wurde er als Psychiater von der Heil- und Pflegeanstalt Wunstorf nach Lüneburg versetzt. Dies ging mit der dortigen Einrichtung eines Jugendfürsorgeheims einher. Der Anstaltsbetrieb wurde verkleinert und frei werdende Ärzte wurden auf andere Anstalten der Provinz Hannover verteilt. Bernhard Winninghoff arbeitete bis 1950 ohne Unterbrechung in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg. Er war als Gutachter an Sterilisationsverfahren beteiligt. Seine Beteiligung an den »Euthanasie«-Verbrechen ist noch Gegenstand der Forschung. Er wurde nie befragt und taucht in den Ermittlungen 1948/1949 sowie 1962 bis 1966 nicht namentlich auf. 1950 trat Bernhard Winninghoff im Landeskrankenhaus Osnabrück die Stelle eines Oberarztes an. Er starb am 10. Oktober 1989 in Georgsmarienhütte.

BERNHARD WINNINGHOFF

Bernhard Winninghoff ist aus Hannover.
Er heiratet im Jahr 1938.
Im gleichen Jahr kommt er nach Lüneburg.
Er ist Arzt in der Anstalt.
Er arbeitet hier bis zum Jahr 1950.
In der Nazi-Zeit macht man Menschen gegen ihren Willen unfruchtbar.
Das nennt man: Zwangs-Sterilisation.
Bernhard Winningshoff macht mit
bei der Zwangs-Sterilisation.
Er schreibt die Bewertungen
für die Zwangs-Sterilisation.
Er entscheidet:
Wer darf ein Kind bekommen und wer nicht.

Mehr weiß man nicht
über Bernhard Winninghoff.
Es gibt keine Unterlagen über ihn.

Man weiß nur:
Nach der Nazi-Zeit geht er nach Osnabrück.
Dort arbeitet er als Arzt
am Landeskrankenhaus.

Dieser Brief ist von Rudolf Redepenning
aus dem Jahr 1948.
In dem Brief ist eine Liste mit Ärzten.
Auf der Liste stehen die Namen von Ärzten aus der Nazi-Zeit.
Diese Ärzte arbeiten in den Jahren 1939 bis 1945 in der Anstalt in Lüneburg.
Auch der Arzt Bernhard Winninghoff steht
auf der Liste.
Aber keiner weiß:
Was hat Bernhard Winninghoff
in der Nazi-Zeit in der Anstalt gemacht.

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