Es ist ein schwarz-weißes Foto. Es ist leicht vergilbt. Unten ist es beschriftet. Es zeigt zwei gleichartige zweistöckige Gebäude mit Dachgauben. Beide Gebäude sind von Hecken und Bäumen umgeben. Die Gebäude sind hell und haben ein dunkles Dach mit je zwei kleinen Türmen auf dem First. Sie haben viele Sprossenfenster in den Etagen und einen gebogenen Toreingang an der linken Seite.

Zwischenanstalt Heil- und Pflegeanstalt Herborn, Männer-Aufnahmegebäude (Gartenseite), ohne Datum.

ArEGL 99.

HERBORN

1906 beschloss der Landtag des Regierungsbezirks Wiesbaden die Errichtung einer Heil- und Pflegeanstalt in Herborn im Dillkreis. 1909 nahm die Anstalt die ersten Erkrankten auf. Im Ersten Weltkrieg erhöhte sich die Sterblichkeit der Erkrankten durch Unterernährung und die »Spanische Grippe«. Ab 1933 verschlechterten sich die Lebensbedingungen wegen Überbelegung. Strohsäcke ersetzten Matratzen. Die Heil- und Pflegeanstalt Herborn war ursprünglich für etwa 1.000 Erkrankte ausgelegt, im März 1940 stieg ihre Zahl auf über 1.600.

In acht Sammelverlegungen zwischen Januar und März 1941 wurden mehr als 770 Erkrankte von Herborn in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt und dort ermordet. Von 8. April bis 1. Juli 1941 war Herborn Zwischenanstalt für die Anstalten Aplerbeck, Lüneburg, Marburg, Merxhausen, Warstein und Lübeck-Strecknitz. Aus diesen sechs Anstalten wurden insgesamt 885 Erkrankte nach Herborn gebracht. Die größte Gruppe kam aus Lüneburg. Von der Ankunft bis zum Weitertransport in die Tötungsanstalt vergingen bis zu neun Wochen. 858 Erkrankte wurden in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt, 18 starben in Herborn und neun überlebten. Nur selten kehrten Erkrankte zurück. Im Juli 1941 endete der Anstaltsbetrieb in Herborn. Die verbliebenen Erkrankten wurden auf andere Einrichtungen verteilt und die Gebäude bis Kriegsende als Lazarett genutzt.

HERBORN

Seit dem Jahr 1909 gibt es in Herborn
eine Anstalt.
Im Ersten Weltkrieg sterben dort
viele Kranke.
Sie sterben an Hunger und
an der Spanischen Grippe.
Die Spanische Grippe ist
eine sehr ansteckende Krankheit.
Viele Menschen auf der ganzen Welt
sterben daran.

In der Nazi-Zeit gibt es in der Anstalt Herborn
Platz für 1 600 Kranke.
Etwa 770 Kranke aus Herborn kommen
in die Tötungs-Anstalt Hadamar.
Die Nazis ermorden die Kranken dort mit Gas.

Die Anstalt Herborn nimmt dann 900
neue Kranke auf.
Die Kranken kommen aus 6 anderen Anstalten.
Zum Beispiel:
350 Kranke kommen aus der Anstalt Lüneburg.
Die Kranken bleiben etwa 9 Wochen
in der Anstalt Herborn.

Dann bringt man sie
in die Tötungs-Anstalt Hadamar.
Sie werden dort mit Gas ermordet.
Nur 9 Kranke überleben in Herborn.
Einzelne Kranke schickt man nach Hause.

Das ist eine Postkarte von der Anstalt Herborn.
Auf der Postkarte ist das Gebäude
von der Männer-Station.
Hier mussten die Kranken auf den Tod warten.
Denn von hier aus haben die Nazis
die Kranken in die Tötungs-Anstalten gebracht.

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