Es ist ein schwarz-weißes Bild. Von einem erhöhten Punkt zeigt es den Blick aus die Heil- und Pflegeanstalt. Es sind viele kleinere Häuser mit Dächern zu sehen. Die Häuser stehen ohne ersichtliches Muster. Im Hintergrund ist ein flaches Gebäude mit hohem Schornstein zu sehen.

Postkarte der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch.

Kopie in ArEGL.

WIESLOCH

Die »Kinderfachabteilung« in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch nahm ihre Arbeit im November 1940 auf, im Dezember bezog sie dort Haus 59 mit 16 Betten. Für die Leitung holte der Ärztliche Direktor Wilhelm Möckel den Psychiater Arthur Schreck nach Wiesloch. Im Januar 1941 kamen noch zwei NSV-Schwestern aus Berlin, da in Wiesloch niemand Erfahrungen in der Betreuung von Kindern mit Behinderungen hatte.

Die Kinder und Jugendlichen kamen aus Baden, Hessen, der Pfalz und Württemberg. Schreck ermordete drei von ihnen. Weitere neun Kinder wurden von Fritz Kühnke umgebracht, der dafür von der »Kinderfachabteilung« Eglfing-Haar (München) anreiste. Im August 1941 wurde die »Kinderfachabteilung Wiesloch« geschlossen. Viele Kinder und Jugendliche wurden in andere »Kinderfachabteilungen« verlegt, unter anderem nach Eglfing-Haar, nach Eichberg und in die neu eingerichtete »Kinderfachabteilung« Kaufbeuren. In Wiesloch wurden 1943 in der von Carl Schneider in Haus 50 betriebenen »Forschungsabteilung« Gehirnuntersuchungen an Kindern und Jugendlichen vorgenommen. Ein Junge starb bei einer solchen Untersuchung.

Arthur Schreck gestand die Morde 1947 und wurde zu einer Freiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt. Wegen Haftunfähigkeit wurde die Strafe 1951 ausgesetzt. 1958 wurde Schreck vom damaligen Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Gebhard Müller, begnadigt.

Der Haftbefehl gegen Fritz Kühnke von 1947 wurde nicht vollstreckt, er betrieb nach dem Krieg eine Kinderarztpraxis in Hamburg. 1963 wurde ein Strafprozess gegen ihn geführt wegen Totschlags, der jedoch 1969 ohne Urteil eingestellt wurde. Die als »Totschlag« gehandhabten Morden waren verjährt. Die Strafermittlungen gegen den Anstaltsleiter Möckel wurden eingestellt, nachdem er im Zuge seiner Entnazifizierung 1948 als »Widerstandskämpfer« eingestuft wurde.

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