
Holzstich »Weihnachtsfeier in einer Kinderabteilung eines Berliner Krankenhauses« nach einer Originalskizze von E. Hosang, 1900.
ArEGL 216.

Städtische Nervenklinik für Kinder und Jugendliche, Berlin-Wittenau, 1942.
Bibliothek & Sammlung Medical Humanities, Signatur: IGM-B-22041.
BERLIN-WITTENAU
1925 wurde in den ehemaligen Dalldorfer Anstalten die Städtische Nervenklinik für Kinder und Jugendliche Wiesengrund in Berlin-Wittenau eingerichtet. Sie war Zweigstelle der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. Von 1942 bis 1945 wurde in Wiesengrund auf Station 3 eine »Kinderfachabteilung« gleichen Namens betrieben. Mindestens 175 Kinder und Jugendliche wurden dort aufgenommen und mindestens 81 von ihnen ermordet.
Ärztlicher Direktor der Nervenklinik für Kinder und Jugendliche war Ernst Hefter. Die Leitung der »Kinderfachabteilung« übernahmen die Ärztin Gertrud Reuter und der Arzt Gerhard Kujath. Es kam zu Menschenversuchen, zur Erprobung eines Tuberkulose-Impfstoffs, zu Fieber-Versuchen und zu Versuchen mit Luft im Gehirn. Der für die Impfstoffversuche verantwortliche Arzt Georg Bessau starb 1944 an Krebs. Die Versuche wurden danach ohne ihn weitergeführt.
Ernst Hefter wurde im Dezember 1945 verhaftet und starb im Zuchthaus Bautzen. Gerhard Kujath wurde Leiter der Kinder-Psychiatrie der Freien Universität Berlin. Gertrud Reuter arbeitete 1946 bis 1975 als Nervenärztin in Essen. Berthold Ostertag, der Kindergehirne entnahm und an ihnen forschte, übernahm 1945 eine Abteilungsleitung an der Universitätsklinik Tübingen und erhielt später das Bundesverdienstkreuz.
In den Häusern am heutigen Eichborndamm 238 – 240 gibt es inzwischen eine Gedenkstätte.
BERLIN-WITTENAU
In Berlin gibt es seit dem Jahr 1925 eine Anstalt
nur für Kinder und Jugendliche.
Die Anstalt ist in Berlin-Wittenau.
Im Jahr 1942 gibt es hier
eine Kinder-Fachabteilung.
Die Kinder-Fachabteilung heißt: Wiesengrund.
Es gibt hier 175 Kinder.
Die Nazis ermorden 81 Kinder.
In der Nazis-Zeit ist Ernst Hefter der Chef
von der Anstalt Wiesengrund.
Es gibt noch mehr Ärzte.
Sie machen auch Versuche mit den Kindern.
Sie machen Versuche mit Fieber.
Sie probieren ein Medikament an den Kindern aus.
Damit machen sie die Kinder erst krank.
Und dann bekommen die Kinder das Medikament.
Sie pusten auch Luft
in die Gehirne von den Kindern.
Sie quälen die Kinder.
Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt Ernst Hefter ins Gefängnis.
Er stirbt dort.
Die anderen Ärzte sind weiter erfolgreich.
Sie leiten eine Anstalt oder Abteilungen.
Ein Arzt bekommt sogar
das Bundesverdienstkreuz.
Das ist ein Preis
von der Bundesrepublik Deutschland.
Man bekommt den Preis,
wenn man wichtige Sachen für Deutschland macht.
Es ist schrecklich,
dass damals ein Mörder diesen Preis bekommt.
Eine Ärztin aus der Anstalt in Berlin arbeitet
bis zum Jahr 1975 als Ärztin.
Kein Arzt aus der Anstalt in Berlin bekommt
eine Strafe.
Sie sind alle Mörder,
aber sie müssen nicht ins Gefängnis.
Heute gibt es in den Häusern
von der Anstalt Wiesengrund eine Gedenkstätte.
Man erinnert hier an die ermordeten Kinder.
Auf diesem Bild ist ein Kinder-Krankenhaus
in Berlin im Jahr 1845.
Das andere Foto zeigt:
So sieht es 100 Jahre später
in dem Kinder-Krankenhaus aus.
Das Foto ist aus der Kinder-Fachabteilung
in Berlin Wiesengrund.
Es ist aus dem Jahr 1942.