GÖRDEN

Die »Kinderfachabteilung« der Landesanstalt Görden wurde am 1. Juli 1940 eröffnet. Sie war damit die erste »Kinderfachabteilung« im Dritten Reich. Vermutlich hatte sie jedoch bereits Monate vor der offiziellen Eröffnung den Betrieb aufgenommen. Über eine Schließung der Abteilung vor Kriegsende ist nichts bekannt. Die Leitung übernahm zunächst Ernst Illing, der im Juli 1942 in die »Kinderfachabteilung« Wien versetzt wurde. Seine Nachfolge trat Friederike Pusch an.

In die »Kinderfachabteilung« Görden wurden offiziell mindestens 162 Kinder und Jugendliche aufgenommen, von denen mindestens 141 ermordet wurden. Tatsächlich wurden in der Landesanstalt Görden insgesamt 4.000 Kinder und Jugendliche aufgenommen. Auch etwa 1.270 der nicht offiziell der »Kinderfachabteilung« Görden zugeordneten Kinder und Jugendlichen wurden Opfer des Krankenmordes. Mindestens 428 dieser Kinder und Jugendlichen wurden im Rahmen der »Aktion T4« aus Görden nach Brandenburg und Bernburg verlegt und dort durch Gas ermordet.

Die »Kinderfachabteilung« Görden war auch »Reichsschulstation«, in der die für »Kinderfachabteilungen« zuständigen Ärztinnen und Ärzte lernten, zu morden.
1946 wurde der Leiter der Landesanstalt Görden, Hans Heinze, zu sieben Jahren Haft verurteilt. 1952 wurde er entlassen. 1954 wurde er Leiter der Jugendpsychiatrie im Niedersächsischen Landeskrankenhaus Wunstorf. Spätere strafrechtliche Ermittlungen gegen Heinze blieben ohne Ergebnis, da er aufgrund ärztlicher Atteste nicht befragt und vor Gericht gestellt werden konnte. Ernst Illing wurde für seine Verbrechen zum Tode verurteilt und 1946 hingerichtet. Friederike Pusch verblieb zunächst an der Landesanstalt Görden. Später arbeitete sie als Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie in Blankenburg. Gegen sie wurden keine Ermittlungen aufgenommen.

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