Die Postkarte zeigt zwei kleinere Bilder. Eines ist beschriftet mit: »Gastwirtschaft zur Tannenkoppel G. Tomfort«, das andere mit »Irren-Anstalt«. Die Bilder sind leicht schräg angeordnet. Unterhalb der Bilder ist die Postkarte handschriftlich in Sütterlin beschrieben.

Postkarte, Heil- und Pflegeanstalt Langenhorn (Hamburg), 1901.

ArEGL 99.

HAMBURG-LANGENHORN

Im Dezember 1940 fand eine Sitzung des »Reichsausschusses« in Berlin statt, nach der Friedrich Ofterdinger, Generalkommissar für das Gesundheitswesen in Hamburg, den Auftrag erteilte, in der Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn eine »Kinderfachabteilung« einzurichten. Am 1. Februar 1941 nahm diese ihre Arbeit auf. Sie wurde nacheinander in Haus 7 auf der Frauenseite und in den Häusern 10 und 6 der Männerseite untergebracht. Die Abteilung war Ofterdinger persönlich unterstellt. Er unterschrieb die Sterbemeldung des ersten ermordeten Kindes, weil sich der Leiter der Heil- und Pflegeanstalt, Heinrich Körtke, weigerte.

Von Anfang Februar 1941 bis zu ihrer Auflösung im Juli 1943 leitete der Neurologe und Psychiater Friedrich Knigge, der bereits im Dezember 1940 an der Sitzung des »Reichsausschusses« teilgenommen hatte, die »Kinderfachabteilung«. Vor deren Einrichtung gab es in Langenhorn keine minderjährigen Patientinnen und Patienten. Es gab auch keine kindermedizinischen Fachkenntnisse. Dies führte dazu, dass die »Kinderfachabteilung« nur vorübergehend bestand. Im Juni 1943 soll die letzte Kindstötung stattgefunden haben.

Von den 69 in Langenhorn aufgenommenen Kindern und Jugendlichen wurden 22 durch tödlich wirkende Medikamentengaben und unzureichende Ernährung ermordet, 15 Kinder wurden in andere Anstalten verlegt (sechs nach Rothenburgsort, eines nach Leipzig-Dösen, vier in die Alsterdorfer Anstalten, eines nach Lüneburg, drei nach Meseritz-Obrawalde) und 32 Kinder wurden entlassen. Knigge führte an sechs der ermordeten Kinder Sektionen durch, die Gehirne wurden am Neuroanatomischen Institut der Universitätsklinik Eppendorf untersucht. 2012 wurden die sterblichen Überreste fünf ermordeter Kinder auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg beigesetzt.

Von Anfang Dezember 1943 bis kurz nach Kriegsende war Knigge Ärztlicher Direktor des Allgemeinen Krankenhauses Langenhorn. Am 25. August 1945 wurde er im Zuge einer ersten Strafermittlung vom Dienst entbunden. Obwohl er die Beteiligung an den Kindermorden gestand, wurde das Verfahren eingestellt. 1946 folgte ein zweites Verfahren, diesmal zu seiner Beteiligung an Verlegungen in Tötungsanstalten. Auch dieses Verfahren wurde eingestellt.

Friedrich Ofterdinger wurde in Neumünster-Gadeland interniert und starb dort an den Folgen eines Hungerödems.

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