
Krankenhaus Idstein, um 1950.
LWV-Archiv, F 81, Nr. 693.
KALMENHOF-IDSTEIN
1941 wurde im zweiten und dritten Stock des 1927 errichteten Krankenhauses in Idstein eine »Kinderfachabteilung« eingerichtet. Das Personal der »Privat-Heilerziehungsanstalt Kalmenhof für Schwachsinnige«, so der offizielle Name der Einrichtung, erhielt Sonderzuwendungen für den Kindermord. Da das Krankenhaus oft überbelegt war, wurden »Reichsausschusskinder« auch im nahegelegenen Altenheim untergebracht. Bis Juni 1941 war Erich Müller Anstaltsdirektor und ging dann zur Wehrmacht. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Großmann, der den Kindermord befürwortete und an der Auswahl der Opfer beteiligt war.
Leiterin der »Kinderfachabteilung« war bis Juni 1944 die Ärztin Mathilde Weber. Wegen einer Tuberkuloseerkrankung verließ sie das Krankenhaus. Ihr Nachfolger wurde der Arzt Hermann Wesse, der im Mai 1944 aus den »Kinderfachabteilungen« Waldniel und Uchtspringe nach Idstein gekommen war.
Die genaue Zahl der Opfer ist unbekannt. Mindestens 350 Kinder und Jugendliche wurden ermordet. Nur in den Monaten, in denen Mathilde Weber krankgeschrieben war, sollen keine Kinder und Jugendlichen ermordet worden sein.
1947 wurde Mathilde Weber in Frankfurt am Main zum Tode verurteilt. 1949 wurde dies in eine dreijährige Haftstrafe umgewandelt. 1951 wurde sie begnadigt. Ab 1960 praktizierte sie wieder als Ärztin. Auch Hermann Wesse erhielt eine Todesstrafe, die 1949 in lebenslange Haft umgewandelt wurde. 1966 wurde er aus der Haft entlassen. Die Pflegerin Aenne Wrona wurde freigesprochen.
KALMENHOF-IDSTEIN
Ab dem Jahr 1942 gibt es
eine Kinder-Fachabteilung in Idstein.
Sie heißt: Kalmenhof.
Die Kinder-Fachabteilung ist
in einer Erziehungs-Anstalt.
Die Ärztin Mathilde Weber ermordet hier
viele Kinder.
Dann bekommt sie eine Lungen-Krankheit.
Und sie darf ein paar Monate nicht arbeiten.
In dieser Zeit werden keine Kinder ermordet.
Mathilde Weber wird nicht wieder gesund.
Darum kommt der Arzt Hermann Wesse
nach Idstein.
Er hat schon in anderen Kinder-Fachabteilungen gearbeitet: in Waldniel und in Uchtspringe.
Die Nazis ermorden über 350 Kinder und Jugendliche in der Anstalt in Idstein.
Im Jahr 1947 gibt es ein Gerichts-Verfahren
gegen die Ärzte und Pfleger in Idstein.
Eine Pflegerin wird frei gesprochen.
Hermann Wesse und Mathilde Weber bekommen die Todes-Strafe.
Aber dazu kommt es nicht.
Mathilde Weber kommt im Jahr 1951 frei.
Hermann Wesse kommt im Jahr 1966 frei.