

Postkarte, Heil- und Pflegeanstalt Aplerbeck, Dortmund, 4.11.1910.
ArEGL 99.
DORTMUND-APLERBECK
Die »Kinderfachabteilung« in Dortmund nahm im November 1941 die Kinder und Jugendlichen aus der »Kinderfachabteilung Niedermarsberg« auf. Zunächst war die »Kinderfachabteilung« in der Jugendpsychiatrie im St. Johannisstift untergebracht. Aufgrund öffentlicher Unruhe wurde sie im Dezember 1941 in die Anstalt Dortmund-Aplerbeck verlagert. Sie war die zweite Einrichtung im heutigen Nordrhein-Westfalen und mindestens bis 1943 in Betrieb.
Ärztlicher Direktor der Heil- und Pflegeanstalt war Fritz Wernicke, Theo Niebel war leitender Arzt der »Kinderfachabteilung«. Dort wurden mindestens 491 Kinder und Jugendliche aufgenommen, von denen mindestens 236 starben. 162 Sterbefälle sind ungeklärt.
Nach dem Krieg verliefen die Karrieren beider verantwortlichen Ärzte ohne Unterbrechung weiter. Zur »Kinderfachabteilung« in Aplerbeck gab es nie Strafermittlungen. Wernicke arbeitete weiterhin als Arzt und starb 1961. Niebel wurde 1957 Landesobermedizinalrat und starb 1974.
Obwohl die Überlebenden Karl-Heinz Wagener und Paul Brune das Verbrechen an den Kindern in Aplerbeck bereits nach Kriegsende öffentlich gemacht hatten, geriet es bis 1989 in Vergessenheit. Danach folgten verschiedene Aufarbeitungsinitiativen. Auf dem Gelände gibt es heute verschiedene Gedenkzeichen und Tafeln, die an die Verbrechen erinnern.
Das Bild zeigt das Gebäude, in dem die »Kinderfachabteilung« Dortmund-Aplerbeck untergebracht war, vgl. Uwe Bitzel: »Lebensunwert«: Die Heilanstalt Aplerbeck und ihre Kranken im Nationalsozialismus, Dortmund 1995, S. 79.
DORTMUND-APLERBECK
Ab dem Jahr 1941 gibt es in Dortmund
eine Kinder-Fachabteilung.
Die Kinder kommen aus der Kinder-Fachabteilung Niedermarsberg nach Dortmund.
Die Kinder-Fachabteilung Dortmund ist zuerst
in einer Anstalt für Jugendliche.
Aber die Nachbarn von der Anstalt merken etwas vom Kinder-Mord.
Die Nachbarn finden das schlimm.
Sie sagen:
Das darf nicht sein.
Die Nazis wollen nicht,
da die Nachbarn von den Morden wissen.
Darum zieht die Kinder-Fach-Abteilung um
in die Anstalt in Dortmund-Aplerbeck.
Es gibt 491 Kinder
in der Kinder-Fachabteilung Dortmund.
236 von diesen Kindern sterben.
2 Ärzte sind dafür verantwortlich.
Sie ermorden die Kinder.
Aber die Morde bleiben geheim.
Darum gibt es keine Untersuchungen
nach der Nazi-Zeit.
Beide Ärzte arbeiten weiter und sind erfolgreich.
Sie bekommen keine Strafe.
2 Kinder haben in der Kinder-Fachabteilung
in Dortmund überlebt:
Paul Brune und Karl-Heinz Wagener.
Nach der Nazi-Zeit erzählen sie
von den Verbrechen.
Aber keiner hört ihnen zu.
Das ändert sich erst im Jahr 1989.
Auf dem Gelände von der Anstalt gibt es heute
ein Denkmal und Info-Tafeln.
Hier kann man alles über den Kinder-Mord lesen.
Diese Postkarte zeigt die Anstalt in Dortmund
im Jahr 1910.
Auf dem Foto ist das Haus
von der Kinder-Fachabteilung.
Das Foto ist aus einem Buch.