Es sind drei schwarz-weiße Fotos auf der Karte. Oben ein großes rechteckiges. Unten links ein halbrundes. Unten rechts ein kleines rechteckiges. Oben rechts ist ein zweistöckiges verputztes Haus mit zwei Erkern an jedem Ende des Gebäudes. Vor dem Gebäude ist ein angelegter Garten mit großem Fahnenmast. Das halbrunde Bild zeigt den Blick auf ein dreistöckiges Gebäude hinter großen Bäumen. Unten rechts im Vordergrund sind Felder. Dahinter sind mehrere gleichartige Gebäude. Sie sind dreistöckig verputzt mit dunklem Dach.
Das Gebäude hat drei Stockwerke und lange Gauben im Dach. Jede Etage hat viele Sprossenfenster. Im ersten Stock sind zwei zurückgesetzte Balkone zu sehen.

Postkarte, Heil- und Pflegeanstalt Aplerbeck, Dortmund, 4.11.1910.

ArEGL 99.

DORTMUND-APLERBECK

Die »Kinderfachabteilung« in Dortmund nahm im November 1941 die Kinder und Jugendlichen aus der »Kinderfachabteilung Niedermarsberg« auf. Zunächst war die »Kinderfachabteilung« in der Jugendpsychiatrie im St. Johannisstift untergebracht. Aufgrund öffentlicher Unruhe wurde sie im Dezember 1941 in die Anstalt Dortmund-Aplerbeck verlagert. Sie war die zweite Einrichtung im heutigen Nordrhein-Westfalen und mindestens bis 1943 in Betrieb.

Ärztlicher Direktor der Heil- und Pflegeanstalt war Fritz Wernicke, Theo Niebel war leitender Arzt der »Kinderfachabteilung«. Dort wurden mindestens 491 Kinder und Jugendliche aufgenommen, von denen mindestens 236 starben. 162 Sterbefälle sind ungeklärt.

Nach dem Krieg verliefen die Karrieren beider verantwortlichen Ärzte ohne Unterbrechung weiter. Zur »Kinderfachabteilung« in Aplerbeck gab es nie Strafermittlungen. Wernicke arbeitete weiterhin als Arzt und starb 1961. Niebel wurde 1957 Landesobermedizinalrat und starb 1974.

Obwohl die Überlebenden Karl-Heinz Wagener und Paul Brune das Verbrechen an den Kindern in Aplerbeck bereits nach Kriegsende öffentlich gemacht hatten, geriet es bis 1989 in Vergessenheit. Danach folgten verschiedene Aufarbeitungsinitiativen. Auf dem Gelände gibt es heute verschiedene Gedenkzeichen und Tafeln, die an die Verbrechen erinnern.

Das Bild zeigt das Gebäude, in dem die »Kinderfachabteilung« Dortmund-Aplerbeck untergebracht war, vgl. Uwe Bitzel: »Lebensunwert«: Die Heilanstalt Aplerbeck und ihre Kranken im Nationalsozialismus, Dortmund 1995, S. 79.

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