Es ist ein schwarz-weißes Foto. Zu sehen ist ein Blick eine Straße hinunter. Links stehen flache Gebäude mit hohen Sprossenfenstern. Rechts sind zwei vierstöckige Gebäude mit hohen Sprossenfenstern zu sehen. Am Ende der Straße steht ein weiteres solches Gebäude. Auf der Straße sind Personen zu Fuß und auf Fahrrädern zu sehen.

Postkarte Heil- und Pflegeanstalt für Geistes- und Nervenkranke am Steinhof, Wien XIII, vor 1914.

Es ist ein schwarz-weißes Foto. Es ist verblichen und hat einige Feuchtigkeitsflecken. Zu sehen ist der Blick von oben herab auf ein herrschaftliches Gebäude. Eine große Treppenanlage führt zu dem Gebäudeeingang. Das Gebäude hat zwei hohe Stockwerke mit einer Glockenturm in der Mitte. Es hat sehr hohe Fenster und eine Balustrade auf dem Vordach.

Postkarte Heil und Pflegeanstalt »Am Steinhof«, Wien XIII, vor 1914.

ArEGL 99.

WIEN

Die »Wiener städtische Fürsorgeanstalt Am Spiegelgrund« nahm im Juli 1940 auf dem Gelände der Heil- und Pflegeanstalt »Am Steinhof« (heute Klinik Penzing) ihren Betrieb auf. Sie teilte sich in ein Erziehungsheim und eine »Nervenheilanstalt für Kinder«, zu der auch die »Kinderfachabteilung« in Haus 15 gehörte. Leiter der Fürsorgeanstalt war der Heilpädagoge Franz Winkelmayer, Haus 15 wurde bis September 1944 von Heinrich Gross geleitet.

Weitere Verantwortliche waren die Leiter der Nervenheilanstalt, Erwin Jekelius und seine Nachfolger Hans Bertha und Ernst Illing. Illing und Gross waren von Gehirnforscher Hans Heinze für die Arbeit in der »Kinderfachabteilung« ausgebildet worden. Auch die Ärztinnen Marianne Türk und Margarethe Hübsche waren an der Ermordung der Kinder und Jugendlichen beteiligt.

Zwei Drittel der in die »Kinderfachabteilung« Wien eingewiesenen Kinder und Jugendlichen befanden sich bereits zuvor in öffentlichen Einrichtungen. Vierzig Prozent der Kinder und Jugendlichen wurden bereits mit negativen ärztlichen Gutachten, wie »bildungsunfähig«, »minderwertig« etc., eingewiesen.

Von den 789 statistisch erfassten Tötungen fanden 19 bereits im Jahr 1940 statt, 94 im Jahr darauf. Im Jahr 1942 stieg die Zahl auf 101 und erreichte mit 274 ermordeten Kindern 1943 ihren Höhepunkt. Das Jahr 1944 brachte 161 Kindern den gewaltsamen Tod, 1945 bis Kriegsende immer noch 50 Kindern.

Zu den Ermordeten zählten auch Kinder und Jugendliche, an denen zuvor ein Tuberkulose-Impfstoff erprobt wurde. Nach der Ermordung wurden den Leichen von der Pathologin Barbara Uiberrak Gehirne und Rückenmarkstränge entnommen. Diese sterblichen Überreste wurden bis in die 1970er-Jahre an verschiedenen Einrichtungen für Forschungen verwendet. 2002 wurden sie bestattet.

Nach Kriegsende wurden Pflegerinnen steckbrieflich gesucht. Ernst Illing erhielt die Todesstrafe, die 1946 vollstreckt wurde. Weitere Tatbeteiligte erhielten geringfügige Freiheitsstrafen, die mit der Untersuchungshaft abgegolten war. Durch die Verjährung von »Totschlag« wurden spätere Verfahren eingestellt. Nur gegen Gross wurde 1997 bis 2000 wegen Mordes verhandelt, das Verfahren wurde aus gesundheitlichen Gründen eingestellt.

Städtische Jugendfürsorgeanstalt »Am Spiegelgrund« der Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Geisteskranke »Am Steinhof« Wien.

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