Es ist ein schwarz-weißes Bild. Hinter jungen hohen Birken in einem angelegten Garten ist ein flaches zweistöckiges Gebäude zu sehen. Es hat viele halbrunde Sprossenfenster und ein Flachdach.

Abbildung aus Bresler, Johannes: Deutsche Heil- und Pflegeanstalten für Psychischkranke in Wort und Bild, Halle a. S. 1910, S. 338.

KONRADSTEIN | KOCBOROWO

Bereits im Herbst 1939 waren 130 Kinder und Jugendliche aus der Außenstelle der Anstalt in Mewe (Gniew) in die Heil- und Pflegeanstalt Konradstein gebracht worden. Ärztlicher Direktor war Waldemar Siemens.

1942 wurde offiziell eine »Kinderfachabteilung« eingerichtet. In Gebäude X wurden die Mädchen untergebracht, in Gebäude XI die Jungen. Etwa 360 Kinder und Jugendliche wurden dort ermordet.

Leiter der »Kinderfachabteilung« und hauptverantwortlich für die Morde war der stellvertretende Ärztliche Direktor Hans Arnold Schmidt. Er soll Kinderleichen in das Danziger anatomische Institut überführt haben, in dem der Leiter Rudolf Spanner Menschenversuche unternahm. Unter anderem entwickelte er ein Verfahren zur Seifenherstellung aus menschlichen Körpern.

Die Aufarbeitung des Kindermordes fand nach dem Krieg im Schatten der viel umfangreicheren Krankenmorde auf dem Gebiet des besetzten Polen kaum statt. 1946 wurde in Pfleger der »Kinderfachabteilung«, Johann Aberg, in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Ermittlungen gegen zwei weitere Ärzte wurden 1967 aus Mangel an Beweisen eingestellt.

Der ehemalige Ärztliche Direktor Walter Siemens tauchte nach dem Krieg unter. Hans Arnold Schmidt arbeitete als Arzt in Hamburg. Er entging einem strafrechtlichen Verfahren in den 1960er-Jahren trotz vorliegender Beweise. Aufgrund seiner Alkoholerkrankung wurde er für verhandlungsunfähig erklärt.

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