
Postkarte der Heil- und Pflegeanstalt Loben (Lubliniec), 1920.
ArEGL 99.
LOBEN | LUBLINIEC
Im Laufe des Jahres 1941 wurde in Loben (Lubliniec) eine »Kinderfachabteilung« eingerichtet, die erste auf dem Gebiet des besetzten Polens. Ernst Buchalik war der verantwortliche Ärztliche Direktor, die »Kinderfachabteilung« wurde von der Ärztin Elisabeth Hecker geleitet.
Die Kinder und Jugendlichen wurden in den Häusern A und B untergebracht. In Haus A wurden sie für Menschenversuche oder zur Ermordung ausgewählt. Wenn sie für die Tötung infrage kamen, wurden sie in Haus B verlegt, das sich außerhalb des Klinikgeländes befand. Die Kinder wurden mit Medikamenten vergiftet.
Die Leichen wurden geöffnet und von Hecker intensiv untersucht. Sie entnahm die Gehirne und übergab mehr als 200 an das Neurologische Forschungsinstitut der Universität Breslau. Dort verwendete sie der Neuropathologe Hans Joachim Scherer für seine Arbeiten. Professor Viktor von Weizsäcker leitete das Institut ab 1941 und gab später an, davon keine Kenntnis gehabt zu haben.
Insgesamt wurden in Loben etwa 293 Kinder und Jugendliche ermordet.
Hecker tauchte zunächst in Bayern unter und ging 1951 nach Niedermarsberg. Ab 1952 leitete sie die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Gütersloh. Ernst Buchalik tauchte in Greiz (Thüringen) unter. 1957 wurde er leitender Arzt in Niedermarsberg. Von Weizäcker ging als Professor an die Universitätsklinik Heidelberg. Die Ermittlungen gegen Hecker und Buchalik wurden 1974 eingestellt. Fünf Jahre später erhielt Hecker das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.
LOBEN | LUBLINIEC
In der Nazi-Zeit gibt es in Loben eine Anstalt.
Loben ist eine Stadt in Polen.
Ab dem Jahr 1941 gibt es in der Anstalt in Loben eine Kinder-Fachabteilung.
Es ist die erste Kinder-Fachabteilung in Polen.
Ernst Buchalik ist der Chef von der Anstalt.
Die Ärztin Elisabeth Hecker ist die Chefin
von der Kinder-Fachabteilung.
Sie entscheidet, welche Kinder ermordet man.
Und sie entscheidet,
welche Kinder benutzt man für die Forschungen.
Die einen Kinder kommen in Haus B.
Die anderen Kinder bleiben in Haus A.
In Haus B ermorden die Ärzte die Kinder.
Sie vergiften die Kinder mit Medikamenten.
Die Ärzte nehmen die Gehirne
von den toten Kindern raus.
Sie geben die Gehirne nach Breslau.
Dort untersucht man die Gehirne weiter.
Die Ärzte machen Hirn-Forschung .
In der Anstalt in Loben sterben
293 Kinder und Jugendliche.
Dann ist die Nazi-Zeit vorbei.
Die Ärzte verstecken sich.
Ab dem Jahr 1950 gehen sie nach Niedermarsberg.
Dort arbeiten sie als Chefs.
Ein Arzt geht nach Heidelberg
und wird dort Professor.
Im Jahr 1974 untersucht man die Morde in Loben nicht weiter.
Die Ärzte kommen vor kein Gericht.
Sie bekommen keine Strafe.
Die Ärztin Elisabeth Hecker bekommt im Jahr 1979 sogar das Bundesverdienstkreuz.
Das ist ein Preis
von der Bundesrepublik Deutschland.
Den Preis bekommen Menschen,
die etwas Wichtiges für Deutschland machen.
Es ist schrecklich,
dass Elisabeth Hecker den Preis bekommen hat.
Denn sie ist eine Mörderin.
Das ist eine Postkarte von der Anstalt in Loben
aus dem Jahr 1920.
Damals gehört die Anstalt zu Polen.
Darum hat sie einen polnischen Namen:
Lubliniec oder Lublinitz.