Es ist eine schwarz-weiße, leicht vergilbte Postkarte. Sie zeigt drei Gebäude, die von einer Steinmauer umgeben sind. Das linke ist dreistöckig und wirkt herrschaftlich. In seinem Dach befinden sich viele Erkerfenster. Auf dem Dach sind schmale Schornsteine Türmchen. Das mittlere Gebäude ist zweistöckig. In seinem Dach befinden sich ebenfalls viele Erkerfenster. Das rechte Gebäude ist kleiner und hat eine Art Kirchturm. Es könnte sich um eine kleine Kapelle handeln. An einer Seite des Gebäudes ist eine nicht lesbare Aufschrift zu erkennen. Außerhalb der Steinmauer stehen einige kahle Bäume. Oben rechts auf der Postkarte ist ein amtlicher Stempel. Zu lesen ist unter anderem: »Plebiscyt. Abstimmung«.

Postkarte der Heil- und Pflegeanstalt Loben (Lubliniec), 1920.

ArEGL 99.

LOBEN | LUBLINIEC

Im Laufe des Jahres 1941 wurde in Loben (Lubliniec) eine »Kinderfachabteilung« eingerichtet, die erste auf dem Gebiet des besetzten Polens. Ernst Buchalik war der verantwortliche Ärztliche Direktor, die »Kinderfachabteilung« wurde von der Ärztin Elisabeth Hecker geleitet.

Die Kinder und Jugendlichen wurden in den Häusern A und B untergebracht. In Haus A wurden sie für Menschenversuche oder zur Ermordung ausgewählt. Wenn sie für die Tötung infrage kamen, wurden sie in Haus B verlegt, das sich außerhalb des Klinikgeländes befand. Die Kinder wurden mit Medikamenten vergiftet.

Die Leichen wurden geöffnet und von Hecker intensiv untersucht. Sie entnahm die Gehirne und übergab mehr als 200 an das Neurologische Forschungsinstitut der Universität Breslau. Dort verwendete sie der Neuropathologe Hans Joachim Scherer für seine Arbeiten. Professor Viktor von Weizsäcker leitete das Institut ab 1941 und gab später an, davon keine Kenntnis gehabt zu haben.

Insgesamt wurden in Loben etwa 293 Kinder und Jugendliche ermordet.

Hecker tauchte zunächst in Bayern unter und ging 1951 nach Niedermarsberg. Ab 1952 leitete sie die Kinder- und Jugendpsychiatrie in Gütersloh. Ernst Buchalik tauchte in Greiz (Thüringen) unter. 1957 wurde er leitender Arzt in Niedermarsberg. Von Weizäcker ging als Professor an die Universitätsklinik Heidelberg. Die Ermittlungen gegen Hecker und Buchalik wurden 1974 eingestellt. Fünf Jahre später erhielt Hecker das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

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