Die Postkarte zeigt zwei schwarz-weiße Bilder. Das untere ist eine Gesamtaufnahme der Siedlung. Sichtbar sind viele Häuser inmitten weitere Felder. Zentral steht eine Kirche mit Zwiebelturm. Das untere Bild zeigt den Adolf-Hitler-Platz. Hinter einem gepflasterten Platz steht ein Kirchengebäude mit hohem Zwiebelturm. Der Platz ist gesäumt von hohem Fahnenmasten und jungen Bäumen.

Postkarte, Gruß aus Wiesengrund im Sudetengau, 17.6.1939.

ArEGL 99.

WIESENGRUND (BEI PILSEN) | DOBŘANY

Bereits seit 1880 bestand in Wiesengrund (bei Pilsen, heute Dobřany) eine Heil- und Pflegeanstalt, die mehrfach erweitert wurde. 1940 konnten dort 2.784 Erkrankte aufgenommen werden. Zusätzlich wurde 1940 ein Pflege- und Erziehungsheim für 200 Kinder eingerichtet. Die dazugehörige Hilfsschule wurde von fünf Nonnen geführt.

Die Großanstalt verfügte über einen eigenen Bahnhof. Allein von April bis Dezember 1941 wurden über 1.100 Erkrankte verlegt. Zielort war höchstwahrscheinlich die Tötungsanstalt Hartheim. 1944 trafen mehrere Transporte aus dem Rheinland in Wiesengrund ein. Es ist anzunehmen, dass noch deutlich mehr Verlegungen stattgefunden haben.

Spätestens 1942 wurde im Pflege- und Erziehungsheim eine »Kinderfachabteilung« unter der Leitung des Anstaltsdirektors Karl Hever eröffnet. Als Pflegerin war Krankenschwester Anna Vratnik für die »Kinderfachabteilung« zuständig. Als Karl Hever im Mai 1944 erkrankte, übernahm Karl Girschek die Leitung der Heil- und Pflegeanstalten Wiesengrund und Troppau. Es ist unklar, ob die »Kinderfachabteilung« ab Sommer 1944 noch bestand.

Die Opferzahlen für Wiesengrund sind nicht bekannt. Noch 2010 verweigerte die heutige Klinikleitung einer Forschungsgruppe den Zugang zu den Klinikarchiven.

zurück