
Luftbild der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried, etwa 1930er-Jahre.
ArEGL 99.
SCHUSSENRIED
In der barocken Klosteranlage Schussenried (Baden-Württemberg) wurde 1875 eine Heil- und Pflegeanstalt eingerichtet.
Mit Kriegsbeginn 1939 verschlechterten sich die Unterbringungsbedingungen in Schussenried drastisch. Ab Juni 1940 fanden zahlreiche »planwirtschaftliche Verlegungen« statt, da Schussenried die Funktion einer Zwischenanstalt übernahm. Mehr als 460 Erkrankte wurden nach Grafeneck verlegt und dort ermordet.
Im September 1944 erhielt Schussenried den Auftrag, eine »Ausländersammelstelle« einzurichten. Die Sammelstelle sollte für Baden, Württemberg und Hohenzollern zuständig sein. Infolgedessen nahm die Anstalt etwa hundert polnische und sowjetische Zwangsarbeiter*innen auf.
Obwohl die Versorgungslage in der Anstalt insgesamt sehr schlecht war, starben in Schussenried nur sehr wenige Zwangsarbeiter*innen. Angesichts des absehbaren Kriegsendes, beantragte Anstaltsleiter Hugo Götz im März 1945 die Verlegung von 55 ausländischen Erkrankten nach Kaufbeuren, um sich selbst und seine Anstalt zu entlasten und die Erkrankten dort ermorden zu lassen. Die Verlegung scheiterte an der Ablehnung des Direktors von Kaufbeuren.
Bei Kriegsende bewaffneten sich ein englischer und ein französischer Erkrankter. Sie übernahmen kurzfristig die Anstaltsleitung, ließen Pflegekräfte in Haft nehmen und entließen Erkrankte. Viele der Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen kehrten in ihre Heimat zurück.
SCHUSSENRIED
Das ist ein Foto.
Von der Anstalt Schussenried.
Es ist ein Luft-Bild.
Von 1930.
Die Anstalt ist in einem alten Kloster.
Das Kranken-Haus gibt es seit dem Jahr 1875.
Im Jahr 1940 werden über 460 Kranke verlegt.
In die Tötungs-Anstalt Grafeneck.
Sie werden mit Gas ermordet.
Schussenried ist Zwischen-Anstalt.
Ab September 1944 gibt es eine Ausländer-Sammel-Stelle.
Für Baden.
Für Württemberg.
Für Hohenzollern.
Es werden viele Zwangs-Arbeiter aufgenommen.
Hugo Götz ist Arzt.
Er leitet die Anstalt.
Er weiß:
Der Krieg ist bald aus.
Darum will er die Kranken nach Kaufbeuren bringen.
Sie sollen lieber dort ermordet werden.
Aber Kaufbeuren lehnt die Kranken aus Schussenried ab.
Darum bleiben die Kranken da.
Es geht ihnen schlecht.
Viele Sterben.
Ein kranker Franzose und ein kranker Engländer sagen:
Es reicht. Das Sterben muss aufhören.
Darum klauen sie Waffen.
Sie über-wältigen den Arzt und die Pfleger.
Sie nehmen sie fest.
Und sie befreien die Kranken.
Dann ist der Krieg vorbei.
Die Über-Lebenden dürfen nach Hause.
In ihre Heimat-Länder.