Es ist ein bunte Zeichnung. Inmitten von Obstbäumen sind zwei gleiche Häuser nebeneinander zu sehen. Die Häuser sind grün-rot gestreift und haben zwei Stockwerke mit Flachdach. Vor und zwischen den Häusern sind Personen zu erkennen. Diese tragen lange bunte Röcke. Auch ein Mann ist zu sehen.

Niederösterreichisches Landesmuseum St. Pölten. Sammlung Leo Navratil.

ArEGL 207.

MAUER-ÖHLING

Die Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling in Amstetten (Niederösterreich) wurde 1902 gegründet. Bis zum »Anschluss« Österreichs 1938 galt sie als die Vorzeigeanstalt Österreichs.

Im Frühsommer 1940 erfasste eine Gutachter-Kommission alle Erkrankten der Anstalt. Bis August 1941 wurden 1.269 Patient*innen in die Tötungsanstalt Hartheim überstellt und dort ermordet. Anschließend wurden einzelne Gebäude der Anstalt für die Unterbringung »volksdeutscher Umsiedler« (Bessarabien, Slowakei) und als Lazarett genutzt.

Von den verbliebenen Erkrankten starben viele an Mangelernährung und Vernachlässigung. Auch Kriegsgefangene aus dem 90 km entfernten Kriegsgefangenen-Lager Stalag XVII B in Gneixendorf-Krems wurden in Mauer-Öhling eingewiesen und kamen dort zu Tode.

Direktor der Anstalt war Michael Scharpf, der 1938 seine Stelle in Mauer-Öhling angetreten hatte und bis 1945 im Amt blieb. Ihm wurde im Oktober 1944 Emil Gelny zur Seite gestellt. Gelny hatte zuvor mehrere Hundert Erkrankte in der Anstalt Gugging getötet.

Er bekam die Aufgabe, nun auch die Erkrankten in Mauer-Öhling zu ermorden, unter anderem mit einem umgebauten Elektroschock-Gerät. Gelny hatte diese Tötungsmethode selbst entwickelt und bei einer von der Kanzlei des Führers organisierten Tagung im Juli 1944 vorgestellt. Vor den Augen der teilnehmenden Psychiater*innen ermordete er eine Erkrankte, um die Effizienz seiner Erfindung zu demonstrieren.

Ab September 1944 übernahm die Heil- und Pflegeanstalt Mauer-Öhling auch die Aufgabe der »Sammelstelle für geisteskranke Ostarbeiter und Polen« aus den »Alpen- und Donaugauen«. Zwischen Juli 1940 und April 1945 wurden mindestens 204 Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangene eingewiesen. Im November 1944 verließ ein Transport mit 21 ausländischen Erkrankten die Anstalt. Sehr wahrscheinlich führte dieser Transport in die Tötungsanstalt Hartheim oder in das Barackenlager Linz-Waldegg.

Emil Gelny erhielt bei den Morden Unterstützung durch Anstaltsarzt Josef Utz. Bis April 1945 wurden mindestens 45 Erkrankte ermordet. Noch im April 1945, die Rote Armee war bereits in unmittelbarer Nähe, ermordete Gelny 149 weitere Erkrankte, unter ihnen zahlreiche Zwangsarbeiter*innen aus der »Ausländersammelstelle«. Nach Kriegsende wurde keiner der Beteiligten juristisch zur Verantwortung gezogen.

Die Pavillons der Landesnervenklinik Mauer-Öhling, Temperablatt von Josef Karl Rädler, 1915.

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