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LEBENSWERT

Gustav Heinemann war Präsident von der Bundesrepublik Deutschland.
Er hat mal gesagt:

In einer Gesellschaft leben viele verschiedene Menschen zusammen.
Einige Menschen in der Gesellschaft brauchen Hilfe.
Zum Beispiel:
• kranke Menschen
• arme Menschen
• alte Menschen
• Menschen mit Behinderung
Eine gute Gesellschaft kümmert sich
um diese Menschen.

Bis heute prägt die Sicht auf Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen im Nationalsozialismus die medizinische Behandlung und gesundheitliche Versorgung. Die Frage, welches Leben »lebenswert« ist und welches nicht, bestimmt über lebenserhaltende Maßnahmen, und damit über Leben und Tod.
Es gibt in der Gesellschaft eine fortwährende Diskriminierung, die ihren Ursprung in der Geschichte des Nationalsozialismus hat.
Im Nationalsozialismus galten Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen als »lebensunwertes Leben«. Sie wurden entrechtet und ermordet. Rund 2.000 Menschen, die in Lüneburg Patientin und Patient waren, wurden Opfer des Krankenmordes und der unzureichenden Versorgung während des Zweiten Weltkriegs und danach. Unter diesen Opfern befanden sich mehr als 440 Kinder und Jugendliche mit Behinderungen sowie hunderte psychisch Erkrankte nicht-deutscher Herkunft. Sie starben durch überdosierte Medikamente, Nahrungsentzug, gezielt hervorgerufene Erkrankungen oder Vernachlässigung. Auch führten Sammelverlegungen Lüneburger Patientinnen und Patienten in den sicheren Tod. Über 820 Menschen wurden durch Urteile des Erbgesundheitsgerichtes Lüneburg zu Opfern von Zwangssterilisation und Zwangsabtreibung.
Diese Ausstellung dokumentiert diese Gewalt und hinterfragt das damalige Denken, Entscheiden und Handeln, das zu den beschriebenen Verbrechen führte und auch nach dem Zweiten Weltkrieg nicht endete.

Zu sehen ist ein historischer Rollstuhl. Die Sitzschale, das Fußbrett und die Griffe der Hebel sind aus Holz. Die drei Felgen und das Gestänge sind aus schwarz lackiertem Eisen. Die Reifen sind platt und stark verbogen.  Das Polster der Sitzschale ist aus Leder.

Handhebel-Krankenfahrstuhl, um 1900.

ArEGL 177.

Dieser Handhebel-Krankenfahrstuhl aus der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg wurde nicht geschoben, sondern die Erkrankten konnten damit eigenständig fahren. Die Hebel ermöglichten Unabhängigkeit und Teilhabe. Die kaputten Räder stehen sinnbildlich dafür, dass diese Ansprüche in der Zeit des Nationalsozialismus nicht eingelöst wurden. Der Umgang mit Menschen mit Behinderungen und Erkrankungen geriet zwischen 1933 und 1945 »aus der Spur«. Der Stuhl wurde 2024 aus dem Kriechkeller von Haus 17 geborgen.

Um den Wettbewerb für den Bau der Heil- und Pflegeanstalt zu gewinnen, musste man eine sehr gute Wasserversorgung nachweisen. Dies gelang in Lüneburg nur, indem abgepumptes Wasser heimlich wieder zugeführt wurde. Mit diesem Betrug setzte man sich gegen die Stadt Uelzen als Mitbewerberin durch. Da der Wasserspiegel in Wirklichkeit aber zu niedrig war, musste ein 42 Meter hoher Wasserturm mit Pumpwerk betrieben werden. Das Ventil regelte die Wasserzufuhr. Ein Teilstück des Wasserkessels ist im Dachgeschoss des Turms erhalten.

Die Pumpe ist auch Eisen. Es sind zwei Rohre mit einer Querverbindung. Auf jedem Verschluss ist ein Rad. Die Pumpe ist hellgrau lackiert. An einzelnen Stellen ist der Lack abgeplatzt und scheint roter Rost durch. Auf der Pumpe steht mit erhabenen Lettern das Gewicht.

Ventil, 150 Kilogramm, Eisen, um 1900.

ArEGL 213.

Es ist eine vergilbte, bedruckte Papierseite mit Text und zwei Zeichnungen. Der Text läuft in zwei Spalten. Die eine Zeichnung ist ein Grundrss vom Wasserturm, die andere Zeichnung zeigt eine Außenansicht vom Wasserturm.

ArEGL 97.

Das sind Bauzeichnungen des Wasserturms der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aus Carl Wolff: Die Provinzial- Heil- und Pflegeanstalt bei Lüneburg. Sonder-Abdruck aus der Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen 1901 und 1902. Spalten 25 und 26.

Obwohl es nach dem Einbau eines neuen Uhrwerks keine Aufgabe mehr erfüllte, verblieb das alte Uhrwerk im Wasserturm. Genauso wie viele Dinge, die in dieser Ausstellung gezeigt werden, befand es sich jahrzehntelang noch an dem Ort, wo es seinerzeit abgelegt oder hingestellt worden war.
Die Turmuhr zeigt seit 1901 auf einer Höhe von 29 Metern die Zeit an. Sie überragt alle Gebäude des Klinikgeländes. Der Wasserturm mit dem angrenzenden Badehaus ist das weithin sichtbare Wahrzeichen der Klinik.

Es ist ein Uhrwerk aus Eisen. Es steht auf einem Sockel mit vier Beinen. Das Uhrwerk ist schwarz und dunkelgrau lackiert.

Uhrwerk der ehemaligen Turmuhr der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg, vor 1901.

ArEGL 179.

DANKE

Das Dokumentationszentrum der »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg mit der Dauerausstellung LEBENSWERT wurde zwischen 2015 und 2025 geplant, konzipiert und realisiert.

Für die Förderung bedanken wir uns bei: 

Die Filmproduktion wurde gefördert von:

An der Errichtung des Dokumentationszentrums und der Dauerausstellung haben mitgewirkt:

(in alphabetischer Reihenfolge):

Konzeption | Projektleitung
Dr. Carola Rudnick

Gestaltung
Cogneus Design Studio
Hinz & Kunst GmbH Konzept. Design. Werkstatt.
Kleineberg GmbH & Co. KG Architekten und Ingenieure

Kurator*innen | Verfasser*innen
­Dr. Jule von Hertell, Alexander Krüger, Marcus Rischmüller, ­Dr. Carola Rudnick, Hedwig Thelen

Sammlung | Datenbanken
Danny Kolbe, Alexander Krüger, Marcus Rischmüller, Dr. Carola Rudnick

Video-Produktion
Dr. Jule von Hertell

Bilddeskription
Dr. Carola Rudnick, Birte Wiebe

Sprecher*innen
Dr. Jule von Hertell, Mathias Mensch, Maria Müller, Dr. Carola Rudnick

Lektorat
Alicja Lebski, Angela Wilhelm

Übersetzungen
Büro für Leichte Sprache | Lebenshilfe Bremen e. V., Alicja Lebski, Dr. Carola Rudnick, Ihor Tymko, Birte Wiebe, Natalia Wollny

Objekt-Fotografie
Studio Mensch

Verwaltung
Andrea Kabasci, Michel Kusack, Natalia Wollny

Architekt
Henryk Reimers henschke schulze reimers
architekten partnerschaft mbb 

Denkmalpflegerische Beratung
Cornelia Abheiden 

Restauratorin
Petra Novotny

Braille-Druck
Kreye Siebdruck GmbH

Spurenleitsystem
Deutsche Blindenleitsysteme GmbH

Repliken
PAL Preservation Academy GmbH, Arbeitstherapie
Druckerei/Buchbinderei Psychiatrische Klinik Lüneburg

3D-Modelle
Rapidobject GmbH

Innenausstattung
Holger Schütte Medientechnik & Elektronik
Tischlerei Stövesandt GmbH

An der Baumaßnahme beteiligten sich diese Gewerke
(in alphabetischer Reihenfolge):

Allgemeine Fernsprech- u. Datenanlagen Deutschland (AFD) GmbH
Baubetrieb Reiner Böhnstedt
Brandmeldeunternehmen AFD Deutschland GmbH
Herder & Plötz Elektrotechnik GmbH
Fliesenarbeiten Grabowski Bevensen GmbH
HEKO Metallbau GmbH
Ingenieurgemeinschaft Dr. Maack GmbH
Malereibetrieb Hermann Witte
Oliver Bohm Tief- und Straßenbau
Ortmann Bodenbeläge
Schlosserei Schweitzer 
Schneider & Steffens GmbH & Co. KG
Tischlerei Jürgen Holst
WE-Technik Stade Ronald Westphal
ZZ-Trockenbau GmbH

Besonderer Dank geht an die Psychiatrische Klinik Lüneburg gGmbH für die Überlassung des ehemaligen Badehauses mit Wasserturm für die Errichtung dieses Dokumentationszentrums.

Besonderer Dank geht an jene Mitarbeitende der Klinik, der Gesundheitsholding Lüneburg GmbH und der Service Plus Lüneburg GmbH, die die Umsetzung der Baumaßnahme sowie Einrichtung der Ausstellung und deren Einweihung unterstützten, insbesondere die Abteilungen Technik, IT, Gärtnerei, Druckerei, Reinigung und Öffentlichkeitsarbeit. 

Die »Euthanasie«-Gedenkstätte Lüneburg
wird institutionell gefördert von:

An der Umsetzung und Neueröffnung beteiligten sich mehr als 130 Pflegeschüler*innen der beiden Lüneburger Berufsfachschulen für Pflegeberufe
(in alphabetischer Reihenfolge): 

Besmir Aga, Mohamad Ahmad, Litrand Ferdinand Oyie Assiga, Sükran Aytan, Mia Zoe-Lynn Bäger, Sarah Barkow, Simone Behrens, Vanessa Bergmann, Mercedes Bianchi, Mieke Böckmann, Amelie Boelter, Nicholas Brandes, Finja Brauneck, Esther Burkhardt, Fine Luise Büttner, Chantalle B., P. B., Yara Claußen, Simran Dahal, Johanna Dahle, Lea Dammann, Lara Demlang, Nina Dierkes, Liv Dohrmann, Julia Joanna Dubowska, Jordie Eichfeld, Amber Maria Elliger, Andrea Erben, Jan Erbuth, Lindsay Ermantraut, Evin Esmeray, Mia-Marie Fischer, Fiona Fischer, Mihaela Floria, Lea Joulene Gasch, Luisa Geertz, Fynn Gehricke, Elisa Gehrke, Jonas Gehrke, Martin Gruhn, Jana Gutjahr, Bent Hager, Jasmin Hanke, Michelle Harms, Katherine Hedder, Tony Heise, Lena Hemm, Oskar Henke, Jaquline Hensel, Nathalie Heuer, Marlon Hiecke, Emely Hirsch, Marius Hurjui, Leonie Huschenhöfer, Mona Ibrahim, Leonie Jacobs, Elise Jens, Emily Jeßen, Malin Karp, Ferman Kartal, Julia Klingel, Aleksandra Kmiec, Emily Köppe, Kiara Kroeger, Frida Krumböhmer, Philip Kuhn, Joris Labatz, Lisa Lackmann, Fabian Leben, Aimeé-Sue Letzas, Leonard Lindooren, Nele Litschner, Maha Loukrissi, Lea Löwinger, Ronja Lübberstedt, Ubeida Masto, Leonie Sophie Meyer, Maximiliane Moll, Katharina Mühle, Fortune Ngaffa Ngandeu, Amelie Sophie Nielinger, Evans Nierenz, Eila Norden, Valentina Pachl, Leonie Pope, Santatra Rabarison, Isabel Radtke, Nisha Rai, Amelie Rambau, Karina Rath, Emily Ravens, Rebecca Reinecke, Sara von Rekowski, Ben Riepenhausen, Corina Rohde, Emily Roth, Jolina Rüdiger, Tania Samara, Nikolas Sander, Pauline Scherer, Hanna Schildt, Angelina Schlee, Lale Schondorf, Lydia Schrader, Luisa Schubert, Romy Schultz, Amira Schulz, Anastasia Schumacher, Nico Schwanbeck, Jana-Sophie Schwaneberg, Sidar Sido, Ermin Sinanović, Dawid Stockhaus, Lara Stransky, Hannah Stuike, Juline Skrzypek, Vivienne Anjulie Steinke, Evelina Stumpf, Emely Tänzer, Marie Thiemann, Julia Thinius, Jonah Thomas, Marlon Trilck, Kamil Uscinski, Annkathrin Viebrock, Matti Voigt, Frauke Waag, Lena Marie Wibrow, Otylia Wiecek, Ella Wilcke, Lana Winkler, Laura Witten, Zoé-Renée Zander

Die Seminare mit den Pflegeschüler*innen wurden durchgeführt von (in alphabetischer Reihenfolge):
Dr. Jule von Hertell, Nora Liman, Antje Pauleweit, Dr. Carola Rudnick, Katrin Schwier, Hedwig Thelen

Das Projekt wurde fachlich ehrenamtlich beraten durch
(in alphabetischer Reihenfolge):

Fachkommission
Prof. Dr. Michele Barricelli (bis 2018)
Dr. Gudrun Fiedler
Prof. Dr. Gerrit Hohendorf (bis 2021) †
Dr. Uwe Kaminsky
Dr. Astrid Ley (Vorsitzende)
Dr. Jürgen Lotze (bis 2020) †
Prof. Dr. Rita Müller
Stefan Olmützer (bis 2024)
Prof. Dr. Michael Sauer
Prof. Dr. Detlef Schmiechen-Ackermann
Prof. Dr. Claudia Schomaker
Prof. Dr. Andreas Spengler (bis 2024)
Dr. Sebastian Stierl (bis 2022)
Prof. Dr. Jens-Christian Wagner

Beirat
Robert Baumann
Nina Fresenius
Christoph Fuchs
Berend Haus
Ulrike Haus
Johann Huismann
Susanne Kracht (bis 2024) † 
Michal Korhel
Sebastian Poerschke 
Stefan Schliephake 
Michael Schuhr
Uta Wehde
Umair Wiebeck 

Vorstand
(in chronologischer Reihenfolge)

Henry Schwier (Vorsitzender)
Jan-Hendrik Kramer
Gabriele Lukoschek
Kathrin Schaefer
Stefan Olmützer (bis 2024)
Rolf Sauer (bis 2023)
Dr. Sebastian Stierl (Vorsitzender bis 2022)
Maren Hansen (bis 2022)
Egbert Bolmerg (bis 2022)
Dr. Jürgen Lotze (bis 2020) † 

Besonderer Dank geht an die Angehörigen für die Bereitstellung von Unterlagen, Fotos und Interviews. 

Besonderer Dank geht an die öffentlichen und nicht-öffentlichen Sammlungen und Archive für die Bereitstellung und Übermittlung von Dokumenten und Akten.

Allen Beteiligten danken wir für die Unterstützung.

Das Team der Gedenkstätte, August 2025

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