Sie waren verantwortlich für die Verbrechen
Sie haben Verantwortung.
Für die Verbrechen.
ADOLF WILKE (1898 – 1946)

Adolf Wilke, um 1930.
StadtALbg BS 44318.
Neben Wilke waren weitere Ärzte (Helmut Bock, Günter Schulz und Friedrich von der Becke), eine Ärztin (Margret Dehlinger) und eine Oberschwester (Margarete Dethlefsen) des Krankenhauses Lüneburg an der Ermordung der Zwangsarbeiter*innen beteiligt. Sie entschieden, diese Frauen und Männer mit einer Überdosis Morphium zu ermorden.
Das ist die einzige Aufnahme der ehemaligen »Krankenbaracke« für Ostarbeiterinnen und Ostarbeiter. Es ist das einfache, längliche Gebäude hinten rechts, versteckt in den Bäumen.
Adolf Wilke ist nicht der einzige Mörder
im normalen Krankenhaus in Lüneburg.
Auch 4 Ärzte und eine Pflegerin helfen
beim Kranken-Mord.
Sie töten mit zu viel Schmerz-Mitteln.
Auf diesem Foto sieht man die Kranken-Station
für Ostarbeiter.
Die Station ist in einem einfachen langen Haus rechts hinten auf dem Foto.
Das Foto ist etwa aus dem Jahr 1950.

Luftbild vom Krankenhaus Lüneburg, ca. 1950.
Städtisches Klinikum Lüneburg.
GÜNTER SCHULZ (1906– 1946)

Zeugnis des Städtischen Krankenhauses der Stadt Stade über Günter Schulz, 23.9.1936.
StadtALg PA 471.
»An den Herrn Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, nach mir zugegangener Mitteilung ist die Stelle des Leitenden Arztes der inneren Abteilung vakant geworden. Hiermit möchte ich mich um diese Stelle bewerben. Ich bin 1936 approbiert, war von 1936 bis 1937 planmäßiger Assistenzarzt am Städt. Krankenhaus Stade und bin seit 1937 planmäßiger Assistenzarzt am Städtischen Krankenhaus Lüneburg. Seit März 1944 wurde ich zum Militärdienst einberufen und war seit Juli 1944 Abteilungsarzt an verschiedenen Feldlazaretten im Osten. Gegenwärtig bin ich als Internist bei einem Ortslazarett eingesetzt. Die Facharztanerkennung liegt seit Juni 1940 durch die Ärztekammer Niedersachsen vor. Eine Beurteilung über meine fachlichen Leistungen beim Heer kann bei meinem gegenwärtigen Stabsarzt dem Beratendem Internisten Oberst Dr. med. habil. Berg angefordert werden. Es wurde von mir heute Antrag gestellt zwecks Entlassung […].«
Das ist eine Postkarte aus dem Jahr 1945.
Sie ist von Günter Schulz.
Er bewirbt sich damit beim Oberbürgermeister
von Lüneburg.
Er will Arzt am normalen Krankenhaus
in Lüneburg werden.
Er kennt das Krankenhaus schon von früher.
Er arbeitet dort in den Jahren1937 bis 1944
als Arzt.
Dann geht er als Soldat in den Zweiten Weltkrieg.
Nach dem Krieg will er wieder als Arzt
in Lüneburg arbeiten.
Er bekommt die Todes-Strafe.
Er wird im Jahr 1946 erhängt.


Bewerbung von Günter Schulz an den Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, 14.7.1945.
StadtALg PA 471.
HELMUT BOCK (1917 – 1946)

Brief von Adolf Wilke an den Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, 16.3.1944.
StadtALg PA 128.

Fragebogen über die Abstammung, ausgefüllt von Helmut Bock, Vorderseite, 10.12.1944.
StadtALg PA 128.
MARGRET DEHLINGER, GEB. GIESCHEN (1913 – 1990)

Brief von Adolf Wilke an den Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, 12.2.1942.
StadtALg PA 154.
MARGARETE DETHLEFSEN (1907 – 1946)

Auszug aus dem Melderegister von Margarete Dethlefsen, 1944.
StadtALg, EMA-EK, Dethlefsen-Margarete.
RICHARD HÖLSCHER (1868 – 1949)

Sanitätsrat Richard Hölscher, etwa 1925. Album zum 25-jährigen Jubiläum.
Städtisches Klinikum Lüneburg.
StadtALg PA 42.
Von Januar 1943 bis August 1945 übernahm Hölscher kriegsbedingt ein weiteres Mal die Leitung der Chirurgie. Werner Kalliske war eingezogen worden. Erst am 6. August 1945 wurde Richard Hölscher für immer außer Dienst gestellt.
Während dieser ganzen Zeit war Richard Hölscher an Zwangssterilisationen beteiligt. Auch die Ermordung von Zwangsarbeiter*innen in der »Ausländerbaracke« seines Krankenhauses muss ihm bekannt gewesen sein, genoss er als ehemaliger Ärztlicher Direktor und Leiter der Chirurgie doch höchstes Vertrauen in der Belegschaft.
Dann fängt der Zweite Weltkrieg an.
Richard Hölscher muss wieder als Arzt arbeiten.
Das macht er bis zum Jahr 1945.
In dieser Zeit macht er wieder
viele Zwangs-Sterilisationen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geht
Richard Hölscher wieder in Rente.
Er stirbt im Jahr 1949 in Lüneburg.
Es gibt einen Zeitungs-Bericht über
Richard Hölscher zu seinem 80. Geburtstag.
In dem Bericht steht nur Gutes über ihn.
Zum Beispiel:
In der Nazi-Zeit war er ein Held.
Was er schlecht gemacht hat,
steht nicht in dem Bericht.

Zeitungsbericht aus der Lüneburger Landeszeitung vom 22.3.1948, Jg. 3, Nr. 34, S. 3.
StadtALg PA 42.
WERNER KALLISKE (1901 – 1949)

Werner Kalliske, 1936.
StALg PA 286.
MAX BRÄUNER (1882 – 1966)

Foto von Helene Feddersen und Max Bräuner, 1911.
Privatbesitz Gisela Bhatia | ArEGL 90.
Max Bräuner stammte aus Karlsruhe. Er war der Sohn eines Postdirektors und studierte Medizin in München und Göttingen. 1909 kam er als Assistenzarzt an die Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt. Er hatte seine zukünftige Frau Helene Feddersen kennengelernt. 1911 heirateten sie. 1917 wurde der einzige Sohn geboren. 1936 wurde Max Bräuner Ärztlicher Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg.
Max Bräuner kommt aus Karlsruhe.
Sein Vater ist Chef von der Post.
Max Bräuner geht zur Uni in München
und Göttingen.
Im Jahr 1909 kommt er nach Lüneburg.
Er wird Arzt in der Anstalt.
2 Jahre später heiratet er Helene Bräuner.
Sie haben einen Sohn.
Im Jahr 1936 wird Max Bräuner Chef von der Anstalt in Lüneburg.
Auf diesem Foto sind
Max und Helene Bräuner im Jahr 1911.
Sie sind verlobt.

Bild in Holzrahmen. Vorderseite: Foto von Max Bräuner, nach 1945.
Privatbesitz Gisela Bhatia | ArEGL 90.

Rückseite: (links) Foto von Max Bräuner, etwa 1965; (rechts) unbekannt, etwa 1960er-Jahre.
Privatbesitz Gisela Bhatia | ArEGL 90.
Das Porträt im Holzrahmen zeigt Max Bräuner im Alter von etwa 65 Jahren. Es entstand nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf der Rückseite befinden sich weitere Aufnahmen. Auf dem linken Bild ist er bereits über 80 Jahre alt. Als es entstand, liefen staatsanwaltliche Ermittlungen gegen ihn. 1961 hatte er sich entschieden, seine Beteiligung an der »Euthanasie« zu gestehen. Daraufhin wurden 1949 eingestellte Ermittlungen wieder aufgenommen.
Das ist ein Foto von Max Bräuner.
Auf dem Foto ist er etwa 65 Jahre alt.
Auf der Rückseite von dem Foto sind
noch 2 andere Fotos von Max Bräuner.
Auf diesen Fotos ist er viel älter.
Diese Fotos sind etwa aus dem Jahr 1965.
In dieser Zeit prüft der Staatsanwalt
in Lüneburg:
Was hat Max Bräuner in der Nazi-Zeit gemacht.
Denn Max Bräuner gibt zu:
Ich habe in der Nazi-Zeit Kranke ermordet.
Der Staatsanwalt prüft die Kranken-Morde.