WER MACHTE MIT?

Max Bräuner (Mitte) mit dem Examensabschlusskurs der Pflegekräfte der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg, um 1939.
ArEGL.
Viele Ärzt*innen und Pflegekräfte der Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt waren an Zwangssterilisationen und Krankenmorden beteiligt. Namentlich waren es vor allem Willi Baumert, Gustav Marx, Rudolf Redepenning, Bernhard Winninghoff, Clara Schmidt und die Pflegekräfte Wilhelmine Wolff, Ingeborg Weber und Dora Vollbrecht. Hauptverantwortlich für diese Verbrechen war der Ärztliche Direktor Max Bräuner. Durch ihr Mitmachen wurden über 800 Menschen sterilisiert und rund 2.000 Menschen starben gewaltsam.
WER MACHTE MIT?
Der Kranken-Mord passiert in der Anstalt
in Lüneburg.
Viele Ärzte und Pfleger aus der Anstalt machen mit bei den Morden.
Sie machen mit bei Zwangs-Sterilisationen und bei Zwangs-Abtreibungen.
Sie entscheiden:
• Wer muss unfruchtbar gemacht werden.
• Wer soll sterben.
Beim Kranken-Mord in Lüneburg werden etwa 2.000 Kranke ermordet.
Und über 800 Kranke werden unfruchtbar gemacht.
Auf diesem Foto sieht man Pfleger
von der Anstalt in Lüneburg.
In der Mitte sitzt der Arzt Max Bräuner.
Er ist der Chef von der Anstalt in Lüneburg in der Nazi-Zeit.
Er hat die meiste Schuld am Kranken-Mord
in Lüneburg:
Er ist der Haupttäter.
HEINRICH BEHR (1871 – 1938)

Heinrich Behr, um 1924.
ArEGL.

Brief des Landesdirektoriums der Provinz Hannover an die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg vom 1.4.1924.
ArEGL.
CLARA SCHMIDT (1891 – 1969)


Gutachten für das Erbgesundheitsobergericht Celle [Auszug] über Thea Marienberg vom 29.5.1940, S. 23 und 24.
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 09169.
WILLI BAUMERT (1909 – 1984)

Willi Baumert, um 1938.
ArEGL.

Berlin Document Center | Kopie ArEGL.
Willi Baumert war 1932 Mitglied der NSDAP und 1933 Mitglied der SS geworden. Er eignete sich auch deshalb für die Leitung der »Kinderfachabteilung«, weil er wusste, wie tote Körper geöffnet und Organe entnommen wurden. Seine Entscheidung, Kinder zu ermorden, begründete er mit der Erforschung von Erbkrankheiten. Dafür entnahm er mehr als 330 Kindern die Gehirne und übergab sie zur weiteren Forschung an die Universitätsklinik Hamburg.
Willi Baumert ist ein Nazi.
Er ist Mitglied in der Nazi-Partei
und bei der SS.
Er weiß, wie man tote Körper aufschneidet.
Und er weiß,
wie man Organe aus toten Körpern rausholt.
Zum Beispiel:
das Gehirn.
Darum wird er Chef
von der Kinder-Fachabteilung.
Er muss die toten Kinder-Körper aufschneiden.
Er guckt sich die Gehirne an.
Das macht er über 330-mal.
Er erforscht die Krankheiten
und die Behinderungen von den toten Kindern.
Danach gibt er die Gehirne weiter
an die Uni in Hamburg.
Willi Baumert lässt die Kinder ermorden,
damit er ihre Gehirne untersuchen kann.
Willi Baumert geriet nur kurz in Kriegsgefangenschaft und machte nach dem Krieg Karriere. Erst nachdem er durch Zeugenaussagen schwer belastet worden war, entschied er sich, seine Verbrechen zu gestehen. Er starb 1984.
Im Jahr 1944 muss Willi Baumert als Soldat
in den Krieg.
Dann ist der Krieg vorbei.
Willi Baumert wird verhaftet.
Er kommt für kurze Zeit
in ein Lager für Gefangene.
Man fragt ihn:
Was hast du mit den Kindern gemacht?
Er sagt: Gar nichts.
Er lügt.
Aber man glaubt ihm.
Willi Baumert darf wieder als Arzt arbeiten.
Er ist sehr erfolgreich.
Viele Jahre später kommt raus:
Willi Baumert hat Kinder ermordet.
Das gibt er jetzt zu.
Aber er kommt trotzdem nicht ins Gefängnis.
Er stirbt im Jahr 1984.
RUDOLF REDEPENNING (1883 – 1967)

Rudolf Redepenning (links) mit seiner Ehefrau Lili und den acht erwachsenen Kindern, November 1943.
Kopie ArEGL.
WILHELMINE WOLFF (1903 – 1962)

Lüneburger Landeszeitung, 15./16.3.1952, S. 4.
StadtALg 8.2-LLA-B, 1952-03.
Im Oktober 1945 wurde Wilhelmine Wolff von der britischen Militärregierung gekündigt. Nach ihrer Entlassung arbeitete sie als Heilpraktikerin und vertrieb das selbst hergestellte Heilmittel »Lungentrost«. Es sollte Tuberkulose heilen. 1949 wurde sie als »entlastet« entnazifiziert und gründete den Deutschen Bund der Naturheilfreunde, dessen 1. Vorsitzende sie wurde.
Nach der Nazi-Zeit darf Wilhelmine Wolff nicht mehr
in der Anstalt in Lüneburg arbeiten.
Sie verlässt die Anstalt im Oktober 1945.
Wilhelmine Wolff arbeitet zu Hause weiter.
Sie stellt selbst ein Medikament
gegen Lungen-Krankheiten her.
Das steht in diesem Zeitungs-Artikel
von der Lüneburger Zeitung.
Wilhelmine Wolff wird Heilpraktikerin.
Im Jahr 1949 gibt es einen Verein
für Heilpraktiker in Deutschland.
Wilhelmine Wolff ist die Chefin vom Verein.
Nach dem Zweiten Weltkrieg prüft man:
Was hat Wilhelmine Wolff
in der Nazi-Zeit gemacht?
Aber man findet nichts raus.
Ihre Verbrechen bleiben geheim.
Bis zur Erarbeitung dieser Ausstellung.


ArEGL 100.
Dies ist eine Tablettendose des Barbiturates mit dem Handelsnamen Luminal aus den 1940er-Jahren. Max Bräuner und Willi Baumert entschieden sich, ihre Opfer überwiegend mit diesem Medikament zu ermorden. Aufgrund der hohen Verbrauchsmengen ist davon auszugehen, dass die Tabletten in Gläsern aufbewahrt wurden.
Diese Dose wurde 2018 von einem Historiker in einem Archiv gefunden und zusammen mit Glasspritzen verschiedenen Gedenkstätten angeboten. Die Gedenkstätte Hadamar stellt die Dose als Leihgabe zur Verfügung.
Das ist eine Dose
für ein Medikament .
Das Medikament heißt: Luminal.
Mit diesem Medikament werden
in der Nazi-Zeit viele Kinder ermordet.
Auch in der Kinder-Fachabteilung in Lüneburg ermordet man Kinder mit Luminal.
Dafür braucht man viel
von dem Medikament.
Darum gibt es bestimmt große Gläser
mit dem Medikament in der Nazi-Zeit.
Diese kleine Dose ist auch aus der Nazi-Zeit.
Man hat sie im Jahr 2018 gefunden.
Sie kommt nicht aus Lüneburg.
Sie gehört der Gedenkstätte in Hadamar.
Die Gedenkstätte Hadamar hat die Dose an die Gedenkstätte Lüneburg ausgeliehen.