HENRY WEYN (1924 – 1945)

Auszug aus der Krankengeschichte von Henry Weyn.
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 02100.
STEFAN LAPIKOW (1907 – 1945)

Auszug aus der Krankengeschichte von Stefan Lapikow.
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 00683.
ILJA MATZIUK (1944 – 1945)


Aktendeckel und das Sachenverzeichnis der Krankenakte von Ilja Matziuk, Vorderseite.
NLA Hannover Hann. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 01836.
TADEUSZ CEBULA (1927 – 1945)

Sachenverzeichnis von Tadeusz Cebula, Vorderseite.
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/085 Nr. 01701

Auszug aus der Krankengeschichte von Tadeusz Cebula.
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/085 Nr. 01701.
Tadeusz Cebula war stark abgemagert. In seiner Akte sind keine Hinweise auf lebensrettende Maßnahmen zu finden, beispielsweise zusätzliche Verpflegung oder Sondennahrung. Obwohl ein anderer polnischer Zwangsarbeiter als Übersetzer bestätigen konnte, dass Tadeusz Cebula gute Schulkenntnisse besaß und sehr gut rechnen konnte, kam für Rudolf Redepenning ein »angeborener Schwachsinn« infrage. Tadeusz wurde jegliche Therapie verweigert.
Tadeusz Cebula war erst 17 Jahre alt, als er am 23. April 1945 in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg starb.
Tadeusz kann kein Deutsch.
Aber ein anderer Kranker übersetzt für ihn.
Er sagt:
Vor der Zwangs-Arbeit ist Tadeusz ein guter Schüler.
Er weiß viel und kann gut rechnen.
Trotzdem sagt der Arzt Rudolf Redepenning:
Tadeusz ist dumm.
Er hat eine geistige Behinderung.
Tadeusz ist ganz dünn.
Er braucht Essen und Medikamente.
Aber die Ärzte und Pfleger geben ihm nichts.
Er bekommt keine Behandlung.
Tadeusz stirbt im April 1945.
Er stirbt an Hunger und schlechter Behandlung.
KATHARINA KUNKA (1910 – 1947)

Auszug aus der Krankengeschichte von Katharina Kunka.
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 02058.

Verlegungsbuch Zu- und Abgänge (Haus 15), Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg, vom 1.10.1930 bis 23.6.1950.
ArEGL 46.
In diesem Stationsbuch sind Patienten notiert, die vom 1. Oktober 1940 bis zum 23. Juni 1950 in Haus 15 der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen bzw. von dort verlegt oder entlassen wurden. Das Buch veranschaulicht die verschiedenen Phasen der »Euthanasie«. Zugleich zeugt es von der schleichenden Gewöhnung bzw. Verrohung und mittelbaren Beteiligung an Entrechtung und Gewalt.
Bis 1941 wurden die Erkrankten und ihre Habseligkeiten genau erfasst. Mit Beginn der »Euthanasie« wurden meist nur noch Nachnamen notiert. Im Frühjahr 1941 wurden die Sammelverlegungen in Tötungsanstalten dokumentiert. Ab 1944 gibt es namenlose Einträge, wie etwa »10 Russen«. Haus 15 war inzwischen sogenannte » Ostarbeiter-Abteilung« geworden. 1945 werden die Toten nur noch als Strichliste geführt. Auf einer Seite findet sich der Eintrag »20/1 |Cebula | Aufnahme | 151«. Es handelt sich um Tadeusz Cebula.
Das ist ein Stations-Buch.
Es ist von Haus 15 in der Anstalt in Lüneburg.
Im Stations-Buch stehen alle Kranken,
die in den Jahren 1940 bis 1950 in Haus 15 sind.
Das Stations-Buch zeigt,
wie man ausländische Kranken behandelt.
Im Jahr 1940 steht im Stations-Buch
• der Name von jedem Kranken.
• alles, was die Kranken mit in die Anstalt bringen.
Im Jahr 1941 steht oft nur noch der Nachname
von den Kranken im Stations-Buch.
Im Frühjahr 1941 ist die Aktion T4.
So nennen die Nazis
den Kranken-Mord mit Gas.
Einige Kranke aus Haus 15 sterben bei der Aktion T4.
Die Namen von den Opfern stehen alle im Stations-Buch.
Ab dem Jahr 1944 stehen im Stations-Buch oft
keine Namen mehr.
Die Nazis schreiben dann nur noch:
10 Russen oder 5 Polen.
Im Jahr 1945 schreiben die Nazis keine Namen mehr
ins Stations-Buch.
Es gibt nur noch eine Strich-Liste.
Jeder Strich steht für einen Toten.
Den Nazis ist es egal, welche Menschen sterben.
In diesem Stations-Buch steht auch Tadeusz Cebula.
JUCHIM SCHNAL (1903 – 1945)

Porträt von Juchim Schnal, vor 1944.
Privatbesitz Oksana Fischer.
»Eine Verständigung mit Sch.[nal] war nicht möglich. Sch. isoliert sich auch völlig von seinen eigenen Landsleuten und versandete schließlich mehr und mehr.«
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 00381.
Der Arzt in Wehnen sagt:
Man kann nicht mit Juchim reden.
Er redet mit keinem.
Er redet auch nicht mit anderen Menschen aus der Ukraine.

Auszug aus der Krankengeschichte von Juchim Schnal.
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 00381.
Am 14. Dezember 1944 wurde Juchim Schnal in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg verlegt. Erst am 3. Januar 1945 wurde er in körperlich völlig geschwächtem Zustand von Rudolf Redepenning untersucht. Danach folgten nur wenige Einträge in der Krankengeschichte. Die Wortwahl dort lässt keinen Zweifel daran, mit welcher geringen Wertschätzung Redepenning ihn behandelte.
Am 14. Dezember 1944 kommt Juchim Schnal
in die Ausländer-Sammelstelle nach Lüneburg.
Der Arzt Rudolf Redepenning untersucht ihn
erst 3 Wochen später.
Rudolf Redepenning behandelt ihn schlecht.
»Abgemagert. Schwach. Gehemmt. Nicht arb.[eits]ein.[satz]fähig. Haut weggeeitert über der Wundstelle. Jämmerlicher Anblick, lässt nichts sitzen! – Wundpflege. Bef.[und] Bericht, nicht ein.[satz]fähig.«
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 00381.
Der Arzt Rudolf Redepenning schreibt:
Juchim Schnal ist sehr dünn und kann nicht arbeiten.
Er kann nicht zurück in die Zwangs-Arbeit.
Drei Tage später notierte Redepenning nur »Elender Zustand.« Weitere drei Tage später war Juchim Schnal tot. Am 13. Februar 1945 morgens fand man ihn leblos in seinem Bett. Die offizielle Todesursache lautete »Erschöpfung bei ausgedehnter Unterhauteiterung der Bauchhaut«. Juchim Schnal wurde 41 Jahre alt. Er soll ein tiefgläubiger Mensch gewesen sein.
3 Tage später schreibt Rudolf Redepenning:
Juchim Schnal sieht krank aus.
3 Tage später ist Juchim Schnal tot.
Rudolf Redepennig schreibt:
Juchim stirbt an einer Haut-Entzündung und
an Erschöpfung.
Aber das ist eine Lüge.
Juchum Schnal ist verhungert.
Das ist auch Mord.
FRANCISZEK JÓZEF WAJSEN (1921 – 1945)

Identitätsnachweis von Franciszek Wajsen, nach 1945.
Arolsen Archives.

Kazimierz Wajsen (2. v. l.?) mit Kameraden aus der Zwangsarbeit, vor April 1944, Hamburg.
Privatbesitz Magda Wajsen.
Im Mai 1942 wurden die Brüder Kazimierz und Franciszek Wajsen zur Zwangsarbeit nach Hamburg verschleppt. Sie kamen in zwei verschiedene »Arbeitserziehungslager«, Franciszek wegen eines Fluchtversuchs, sein Bruder Kazimierz wegen »illegaler Versammlungen«. Kazimierz überlebte das Konzentrationslager Neuengamme und wurde im Mai 1945 auf dem Schiff »Athen« befreit.
Die Brüder Kazimierz und Franciszek Wajsen sind
Zwangs-Arbeiter.
Das ist im Mai 1942.
Die Nazis bringen die beiden nach Hamburg.
Franciszek versucht wegzulaufen.
Kazimierz geht heimlich zu einer Versammlung.
Die Nazis bestrafen die beiden dafür.
Sie kommen
in 2 verschiedene Arbeits-Erziehungs-Lager.
Sie müssen Zwangs-Arbeit machen.
Dann kommt Kazimierz ins KZ Neuengamme.
Er überlebt und wird im Mai 1945 befreit.

Brief von Hans Follstich an das Arbeitsamt Hamburg vom 4.12.1942.
Arolsen Archives.
Franciszek Wajsen hielt den Belastungen der Zwangsarbeit nicht stand. Er wurde von der Gestapo aufgegriffen und am 2. September 1942 in die Psychiatrie der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf eingewiesen. Weil er als »arbeitsunfähig« eingestuft wurde und der Betrieb ihn nicht zurückhaben wollte, genehmigte das Arbeitsamt die vom Arzt angeratene Rückkehr nach Hause. Doch er kehrte nicht zurück.
Franciszek Wajsen schafft die Zwangs-Arbeit nicht.
Er wird krank.
Er kommt in das Universitäts-Klinikum
in Hamburg-Eppendorf.
Aber er wird nicht gesund.
Der Arzt sagt:
Franciszek ist zu krank zum Arbeiten.
Darum soll er zurück nach Polen.
Das schreibt der Arzt in diesem Brief
an das Arbeits-Amt in Hamburg.
Das Arbeits-Amt ist einverstanden.
Aber Franciszek kommt nicht nach Hause.
Es wird kein Zwangs-Arbeiter mehr nach Hause geschickt.
Das wird 1942 entschieden.

Haftliste polnischer Zwangsarbeiter, die aus dem Gerichtsgefängnis Cuxhaven anderen Haftorten überstellt wurden, 1944.
Arolsen Archives.
Im Dezember 1943 arbeitete Franciszek in Greversdorf-Oste bei einem Bauern. Im März 1944 wurde er wegen Fluchtgefahr aus dem Gerichtsgefängnis Cuxhaven in die Gestapohaft im »Arbeitserziehungslager« Bremen-Farge entlassen. Von dort wurde er am 26. Juni 1944 in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg verlegt. Franciszeks Mutter Katarzyna Wajsen flüchtete mit Stanisław nach Warschau. Sie ließ ihren Ehemann zurück. Józef soll danach nach Deutschland gegangen sein.
Im Jahr 1943 arbeitet Franciszek Wajsen
bei einem Bauern.
Im Jahr 1944 kommt er in ein KZ von der Gestapo.
Das ist kurz für: Geheime Staats-Polizei.
Die Gestapo ist eine extra Polizei von den Nazis.
Sie ist sehr brutal.
Die Gestapo hat eigene KZs.
Franciszek ist nur kurz im KZ von der Gestapo.
Dann wird er krank.
Er kommt in die Ausländer-Sammelstelle nach Lüneburg.
Dort stirbt er am 23. Januar 1945.
Er ist ein Opfer vom Kranken-Mord.
Er stirbt an Hunger und schlechter Behandlung.
YVONNE MENNEN (1938 – 1944)

Antrag von Elisabeth Wolters zur Zwangseinweisung von Ida Mennen mit ihrer Tochter Yvonne vom 25.10.1944.
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 56/83 Nr. 132.
Dies ist der Grabstein für Timofey Thomachinko. Anstelle seines richtigen Namens wurde »Schannschinoko« eingraviert. Timofey Thomachinko schien es nicht einmal wert gewesen zu sein, dass man seine Lebensdaten ergänzte. Oft wurden auf den Grabsteinen falsche Sterbedaten angegeben und die Namen nicht richtig geschrieben. Das widersprach dem Kriegsgräbergesetz.
Das ist ein Grab-Stein.
Der Grab-Stein ist von Timofey Thomachinko.
Er lebt von 1905 bis 1945.
Auf dem Grab-Stein ist der Nachname falsch geschrieben:
Schannschinoko statt Thomachinko.
Auf dem Grab-Stein steht kein Datum.
Mitarbeiter vom Friedhofs-Amt schreiben den falschen Namen oder das falsches Datum auf einen Grab-Stein.
Das passiert oft bei ausländischen Toten.
Aber das ist gegen das Kriegs-Gräber-Gesetz.
Der Grab-Stein zeigt:
Ausländische Tote sind den Mitarbeitern
im Friedhofs-Amt nicht wichtig.
Die Mitarbeiter denken:
Ausländische Tote sind nichts wert.

ArEGL.
MARIA MEDWEDIEWA (1925 – 1944)

Es gibt kaum Fotos von »Ostarbeiterinnen«. Die Kennkarte mit einem Foto von Maria Medwediewa wurde bei ihrer Verlegung am 20. November 1944 mitgegeben. Ihre Krankenakte besteht lediglich aus einem Personalbogen und einer Sachenliste.
Sachenverzeichnis von Maria Medwediewa, 3.7.1944.
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/085 Nr. 01028.

Das Foto zeigt »Ostarbeiterinnen« an einem gedeckten Tisch mit gefüllten Tellern. Es handelt sich um ein Propaganda-Bild, Februar 1943.
BArch Bild 183-J05126.
ADAM RABSCHICK (1862 – 1942)

Krankenblatt von Adam Rabschick.
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 00513.
GALINA RADOMSKA (1918 – 1944)

Brief vom Landrat Stade an den Oberpräsidenten Hannover vom 19.7.1943.
NLA Stade Rep. 274 Stade Nr. 80.

Auszug aus der Krankenakte von Galina Radomska.
NLA Hannover Nds. 330 Lüneburg Acc. 2004/134 Nr. 02503.
GJURAGI SOKCEVIC (1907 – 1943)

Gjuragi Sokcevic, etwa 1943.
StadtALg, PSLG-S, 95.