NFC zu 03-12-03-18

Postkarte Heil- und Pflegeanstalt Johannisthal zu Süchteln, ehemaliges St. Josefsheim Waldniel, 1915.
ArEGL 99.
WALDNIEL
Ab 1941 wurde im ehemaligen »Schutzengelhaus« des ehemaligen St. Josefsheims der Franziskaner als Teil der Heil- und Pflegeanstalt Johannistal in Viersen-Süchteln eine »Kinderfachabteilung« betrieben, in der nach aktuellem Forschungsstand insgesamt 99 Kinder und Jugendliche untersucht, selektiert und ermordet wurden.
Der erste Leiter der »Kinderfachabteilung« Waldniel war Dr. Georg Renno. Er hatte gemeinsam mit Dr. Hermann Nitsche in Leipzig-Dösen gearbeitet und den Mord mit Barbituraten, das sogenannte »Luminalschema«, mitentwickelt. Danach war er stellvertretender Leiter der Tötungsanstalt Hartheim (bei Linz in Österreich), in der er im Rahmen der »Aktion T4« über 18.000 Menschen mit Kohlenmonoxid vergasen ließ.
Renno verließ die »Kinderfachabteilung« bereits nach wenigen Monaten im Februar 1942 aufgrund seiner Tuberkulose-Erkrankung. Ab 1. Oktober 1942 übernahm der Arzt Dr. Hermann Wesse die Leitung der Abteilung. Zuvor hatte seine Frau, Dr. Hildegard Wesse, die vorübergehende Leitung der »Kinderfachabteilung« inne. Wesse ließ sich unterdessen in der »Kinderfachabteilung« Göhrden sowie in der Bonner Kinderheilanstalt in der praktischen Handhabung der »Kinder-Euthanasie« fortbilden.
Im Zuge von Strafverfolgungen nach 1945 gestand Wesse in seiner Zeit als leitender Arzt Kinder und Jugendliche in der »Kinderfachabteilung« Waldniel ermordet zu haben. Die von ihm angegebene Zahl 30 entspricht nicht den später nachgewiesenen Todesfällen. In seiner Zeit sind tatsächlich mehr als doppelt so viele Kinder und Jugendliche ermordet worden.
Anfang Juli 1943 wurde die »Kinderfachabteilung« Waldniel kriegsbedingt aufgelöst. Die Einrichtung wurde als Ausweichkrankenhaus benötigt. Die verbliebenen 183 Kinder und Jugendlichen wurden in fünf andere »Kinderfachabteilungen« verlegt. Die Verlegungen erfolgten nach Ansbach, Göhrden, Uchtspringe, Ueckermünde und Lüneburg. Die »Kinderfachabteilung« Lüneburg nahm am 3. Juli 1943 insgesamt 38 Kinder und Jugendliche aus Waldniel auf. Mindestens 25 von ihnen überlebten nicht. Ein Kind wurde neun Wochen nach der Verlegung nach Lüneburg »ungeheilt entlassen«. Ein weiteres Kind wurde im August 1944 in die Stiftung Eben-Ezer nach Lemgo weiterverlegt.
Obwohl es nach 1945 ein Ermittlungsverfahren gegen Hermann Wesse gab, begann eine erste Aufarbeitung der Verbrechen in Waldniel erst im Jahr 1962 auf Initiative der Kirchengemeinden. Auf dem Friedhof wurde im selben Jahr ein Ehrenfriedhof mit Hochkreuz hergerichtet. 1982 wurde das Hochkreuz mit einer Gedenktafel für die Opfer der »Euthanasie« versehen. Zwischen 1986 und 1988 wurde der inzwischen entwidmete Friedhof von der Gemeinde Schwalmtal sowie mit Unterstützung einer ortsansässigen Hauptschule in eine Gedenkstätte umgewandelt. Zwischen 2016 und 2018 wurde der Gedenkort von der Wiener Arbeitsgemeinschaft Struber_Gruber neugestaltet und am 29. Mai 2018 eingeweiht. Wesentliches Merkmal der künstlerischen Gestaltung ist die Nennung der bekannten Namen der Opfer.
Waldniel ist ein Ort in Nord-Rhein-West-Falen.
Das ist ein Bundes-Land in der Mitte Deutsch-Lands.
Dort gibt es eine Anstalt.
Im National-Sozialismus gibt es dort eine Kinder-Fachabteilung.
Das ist eine Abteilung nur für Kinder und Jugendliche.
In Waldniel werden 99 Kinder ermordet.
Das ist in den Jahren 1941 bis 1943.
Der erste Arzt ist Doktor Renno.
Er weiß wie man Kinder und Jugendliche ermordet.
Das hat er vorher geübt.
Vorher ermordet er über 18.000 Menschen mit Behinderungen mit Gas.
In der Tötungs-Anstalt Hart-Heim.
Und er übt das Morden mit Medikamenten in Leipzig.
Das ist eine Stadt in Ost-Deutsch-Land.
Dann wird er Leiter der Kinder-Fachabteilung in Waldniel.
Dort entscheidet er:
Dieses Kind ist dumm.
Es darf ermordet werden.
Aber das macht er nicht lange.
Er wird krank.
Er bekommt Tuberkulose.
Das ist eine Lungen-Krankheit.
Frau Doktor Wesse übernimmt seine Arbeit.
Aber sie kann das nicht richtig.
Sie hat einen Ehe-Mann.
Der ist auch Arzt.
Der wird neuer Leiter der Kinder-Fachabteilung.
Er lernt das Ermorden von Kindern in anderen Anstalten.
Als er es gelernt hat
kommt er zurück nach Waldniel.
Dort ermordet er über 75 Kinder und Jugendliche.
Das macht er bis in das Jahr 1943.
Im Sommer im Jahr 1943 ist Schluss.
Die Anstalt in Waldniel wird gebraucht.
Als Ersatz-Kranken-Haus.
Viele andere Kranken-Häuser sind durch den Krieg kaputt.
Deswegen braucht man Waldniel.
Die Kinder-Fachabteilung wird geschlossen.
183 Kinder und Jugendliche kommen wo-anders hin.
Sie kommen in andere Kinder-Fachabteilungen.
38 Kinder und Jugendliche kommen nach Lüne-Burg.
In die Kinder-Fachabteilung Lüne-Burg.
25 von ihnen werden in Lüne-Burg ermordet.
Nur ein einziges Kind wird entlassen.
Ein zweites Kind kommt nach Lemgo.
Das ist eine Stadt in Nord-Rhein-West-Falen.
Da gibt es eine Hilfs-Schule.
Da kann es zur Schule gehen.
Im Jahr 1962 beginnen Menschen zu fragen:
Was ist in Waldniel passiert?
20 Jahre später gibt es Antworten.
Im Jahr 1982 ist der Mord an den Kindern kein Geheimnis mehr.
Es wird eine Gedenk-Tafel auf-gehängt.
Auf dem Fried-Hof in Waldniel.
Darauf steht:
Hier wurden viele Menschen mit Behinderungen ermordet.
Auch Kinder und Jugendliche.
Das reicht den Menschen die da wohnen nicht.
Sie wollen einen Gedenk-Ort.
1988 ist der Gedenk-Ort fertig.
Es ist ein Fried-Hof.
Mit Gedenk-Steinen.
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Postcard of the Johannisthal Institution and Nursing Home in Süchteln, formerly St. Josefsheim Waldniel, 1915.
ArEGL 99.
WALDNIEL
From 1941 onwards, a »Children’s ward« was operated in the former »Schutzengelhaus« (Guardian Angel House) of the former St. Josefsheim der Franziskaner (St. Joseph’s Home of the Franciscans) as part of the Johannistal Institution and nursing home in Viersen-Süchteln, where, according to current research, a total of 99 children and adolescents were examined, selected and murdered.
The first director of the Waldniel »Children’s ward« was Dr Georg Renno. He had worked with Dr Hermann Nitsche in Leipzig-Dösen and helped develop the method of murder using barbiturates, known as the »Luminalschema«. He then became deputy director of the Hartheim killing centre (near Linz in Austria), where he had over 18,000 people gassed with carbon monoxide as part of »Aktion T4«.
Renno left the »Children’s ward« after only a few months in February 1942 due to his tuberculosis. On 1 October 1942, Dr Hermann Wesse took over as head of the ward. Prior to this, his wife, Dr. Hildegard Wesse, had been temporarily in charge of the »Children’s ward«. Meanwhile, Wesse received further training in the practical implementation of »child euthanasia« at the »Children’s ward« in Göhrden and at the children’s hospital in Bonn.
During criminal proceedings after 1945, Wesse confessed to having murdered children and adolescents in the Waldniel »Children’s ward« during his time as senior physician. The number of 30 he gave does not correspond to the number of deaths later proven. In fact, more than twice as many children and adolescents were murdered during his time there.
At the beginning of July 1943, the Waldniel »Children’s ward« was closed due to the war. The facility was needed as an alternative hospital. The remaining 183 children and adolescents were transferred to five other »Children’s wards«. The transfers took place to Ansbach, Göhrden, Uchtspringe, Ueckermünde and Lüneburg. On 3 July 1943, the »Children’s ward« in Lüneburg took in a total of 38 children and adolescents from Waldniel. At least 25 of them did not survive. One child was »discharged without being cured« nine weeks after being transferred to Lüneburg. Another child was transferred to the Eben-Ezer Foundation in Lemgo in August 1944.
Although preliminary proceedings were initiated against Hermann Wesse after 1945, the first attempts to come to terms with the crimes committed in Waldniel did not begin until 1962, on the initiative of the church communities. In the same year, a memorial cemetery with a high cross was established in the cemetery. In 1982, a memorial plaque for the victims of »euthanasia« was added to the high cross. Between 1986 and 1988, the cemetery, which had since been deconsecrated, was converted into a memorial site by the municipality of Schwalmtal with the support of a local secondary school. Between 2016 and 2018, the memorial site was redesigned by the Vienna-based Struber_Gruber working group and inaugurated on 29 May 2018. A key feature of the artistic design is the listing of the known names of the victims.
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Pocztówka przedstawiająca zakład opieki zdrowotnej Johannisthal w Süchteln, dawny St. Josefsheim Waldniel, 1915 r.
ArEGL 99.
WALDNIEL
Od 1941 roku w dawnym »domu aniołów stróżów« dawnego domu św. Józefa franciszkanów, będącym częścią zakładu leczniczego i opiekuńczego Johannistal w Viersen-Süchteln, działał »oddział dziecięcy«, w którym według aktualnego stanu badań przebadano, wyselekcjonowano i zamordowano łącznie 99 dzieci i młodzieży.
Pierwszym kierownikiem »oddziału dziecięcego« w Waldniel był dr Georg Renno. Współpracował on z dr Hermannem Nitsche w Lipsku-Dösen i współtworzył metodę zabijania za pomocą barbituranów, tzw. »schemat Luminala«. Następnie był zastępcą dyrektora ośrodka eutanazji Hartheim (koło Linz w Austrii), gdzie w ramach »akcji T4« zgładzono ponad 18 000 osób za pomocą tlenku węgla.
Wcześniej tymczasowym kierownictwem »oddziału dziecięcego« zajmowała się jego żona, dr Hildegard Wesse. W międzyczasie Wesse odbył szkolenie z praktycznego stosowania »eutanazji dzieci« w »oddziale dziecięcym« w Göhrden oraz w szpitalu dziecięcym w Bonn.
W trakcie postępowania karnego po 1945 roku Wesse przyznał się do zamordowania dzieci i młodzieży podczas pełnienia funkcji ordynatora oddziału pediatrycznego w Waldniel. Podana przez niego liczba 30 ofiar nie odpowiada późniejszym ustaleniom. W rzeczywistości w okresie jego pracy zamordowano ponad dwukrotnie więcej dzieci i młodzieży.
Na początku lipca 1943 r. »oddział dziecięcy« w Waldniel został rozwiązany z powodu wojny. Placówka była potrzebna jako szpital zastępczy. Pozostałych 183 dzieci i młodzieży przeniesiono do pięciu innych »oddziałów dziecięcych«. Przeniesienia odbyły się do Ansbach, Göhrden, Uchtspringe, Ueckermünde i Lüneburga. »Oddział dziecięcy« w Lüneburgu przyjął 3 lipca 1943 r. łącznie 38 dzieci i młodzieży z Waldniel. Co najmniej 25 z nich nie przeżyło. Jedno dziecko zostało »wypisane bez wyleczenia« dziewięć tygodni po przeniesieniu do Lüneburga. Kolejne dziecko zostało w sierpniu 1944 r. przeniesione do fundacji Eben-Ezer w Lemgo.
Mimo że po 1945 r. wszczęto postępowanie przygotowawcze przeciwko Hermannowi Wesse, pierwsze rozliczenie zbrodni w Waldniel rozpoczęło się dopiero w 1962 r. z inicjatywy parafii. W tym samym roku na cmentarzu utworzono cmentarz honorowy z wysokim krzyżem. W 1982 roku na wysokim krzyżu umieszczono tablicę pamiątkową poświęconą ofiarom »eutanazji«. W latach 1986–1988 cmentarz, który w międzyczasie został zdekonsekrowany, został przekształcony w miejsce pamięci przez gminę Schwalmtal przy wsparciu lokalnej szkoły głównej. W latach 2016–2018 miejsce pamięci zostało przeprojektowane przez wiedeńską grupę roboczą Struber_Gruber i zainaugurowane 29 maja 2018 roku. Istotną cechą projektu artystycznego jest umieszczenie znanych nazwisk ofiar.
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