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Es ist ein Schwarz-Weiß-Porträt von Anna Schwarz. Sie trägt ein gestreiftes Hemd, vielleicht ein Krankenhaushemd. Sie hat leicht wirr nach hinten gebundenes Haar. Sie blickt mit leicht gespitztem Mund nach oben rechts. An ihrer linken Schulter ist die Hand einer unbekannten Person sichtbar, die ihre Schulter nach hinten zu schieben scheint.

Anna Schwarz, geborene Ahrens, um 1925.

NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 09514.

ANNA SCHWARZ (1889 – 1941), KARL SCHWARZ (1910 – 1944) UND MARGARETE BETZ (1906 – 1944) (GEB. AHRENS)

An den Schwestern Anna Schwarz und Margarete Betz wurden drei verschiedene Verbrechen verübt: Der Versuch einer Zwangssterilisation, die Ermordung im Rahmen der »Aktion T4« und die Ermordung im Rahmen der sogenannten »dezentralen Euthanasie«. Anna, geboren am 15. September 1889, war seit 1909 mit Bäckermeister Karl Schwarz verheiratet. 1910 und 1912 brachte sie ihre beiden Söhne zur Welt. Die Familie lebte in Meckelfeld (Kreis Harburg). Als Anna 35 Jahre alt und mit dem dritten Kind schwanger war, erkrankte sie und wurde in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen. Sie wurde wieder entlassen und brachte ihr Kind zur Welt. Wenige Monate später erkrankte sie erneut. Da sie jedoch in der Bäckerei und zur Versorgung ihres Säuglings gebraucht wurde, war der zweite Aufenthalt nur kurz. Wenige Monate später wurde sie erneut in die Anstalt gebracht, diesmal auf Dauer. Sie war gewalttätig gegen ihren Ehemann geworden und benötigte Hilfe.

Am 9. April 1941 wurde Anna Schwarz in die Zwischenanstalt Herborn und am 28. Mai 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt.

Auch Anna Schwarz‘ ältester Sohn, Karl Schwarz, und ihre Schwester Margarete wurden Opfer der »Euthanasie«. Zwei Jahre nach der Ermordung ihrer Mutter bzw. Schwester wurden sie am 8. September 1943 in die Tötungsanstalt Pfafferode verlegt. Karl Schwarz arbeitete bei seinem Vater als Geselle, als er erkrankte. 1931 wurde er zum ersten Mal in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aufgenommen, ab 1933 war er dauerhaft untergebracht. Ob Karl während seines Aufenthaltes Kontakt zu seiner Mutter hatte, und falls ja, wie sich dieser gestaltete, ist unbekannt. Dazu gibt es keine Aufzeichnungen.

Margarete war nur wenige Monate vor der Verlegung und Ermordung ihrer 17 Jahre älteren Schwester in die Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt aufgenommen worden. Sie hatte 1931 geheiratet, ihr Ehemann arbeitete beim Telegrafenbauamt. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, die 1933 und 1935 geboren wurden. Margarete wurde 1941 in die Anstalt aufgenommen, entwich 1942 und gelangte über Hamburg-Langenhorn wieder nach Lüneburg zurück.

Karl Schwarz starb am 18. Februar 1944, seine Tante Margarete Betz zweieinhalb Monate später, am 2. Mai 1944 in Pfafferode.

ANNA SCHWARZ, KARL SCHWARZ UND MARGARETE BETZ

Anna und Karl Schwarz sind Mutter und Sohn.
Anna Schwarz und Margarete Betz sind Schwestern.
Es gibt also 3 Familien-Mitglieder.
Sie werden krank.
Sie sind in der Anstalt Lüneburg.
Auch zur gleichen Zeit.

Anna Schwarz wird in der Tötungs-Anstalt Hadamar ermordet.

Ihr Sohn Karl Schwarz und seine Tante Margarete Betz werden in Pfafferode ermordet.

Sie sind alle 3 Opfer vom Kranken-Mord.

Anna Schwarz und Margarete Betz sind beide verheiratet.

Anna mit einem Bäcker.
Margarete mit einem Techniker.

Beide bekommen jeweils 2 Söhne.
Beide werden krank als ihre Kinder noch klein sind.

Anna Schwarz stirbt in Hadamar.
Karl Schwarz und Margarete Betz sterben in Pfafferode.
Erst Karl, dann Margarete.

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