NFC zu 03-40-00-04

Gertrud Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 Nr. 1560.

Herbert Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 103/88 Nr. 441.

Gerhard Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 Nr. 1630.
GERTRUD (1916 – 1945), HERBERT (1919 – 1944) UND GERHARD GLASS (1921 – 1944)
Die Geschwister Glass wurden in Hamburg-Wilhelmsburg geboren, Gertrud am 10. August 1916, Herbert am 4. September 1919 und Gerhard am 25. März 1921. In den 1930er-Jahren zogen sie mit ihren Eltern Melitta Glass (geb. Döge) und Kurt Glass nach Sassendorf in den Landkreis Lüneburg. Die bürgerliche Familie lebte zurückgezogen.
Als die Geschwister Glass am 4. Oktober 1934 vom Lüneburger Nervenarzt Dr. Wilhelm Vosgerau beim Gesundheitsamt als »schwachsinnig« gemeldet wurden, war Gertrud Glass 18 Jahre alt, ihr Bruder Herbert 15 und der jüngste Bruder Gerhard 13 Jahre. Die drei amtsärztlichen Gutachten wurden nicht nur alle am gleichen Tag (12. November 1937) angefertigt, sie sind auch inhaltlich weitgehend identisch. Eine Woche später wurden die Unfruchtbarmachungen der drei Geschwister aufgrund von »Idiotie« angezeigt. Am 17. Januar 1938 beschloss das Erbgesundheitsgericht Lüneburg die Zwangssterilisationen.
Der Widerspruch des Vaters wurde vor dem Erbgesundheitsobergericht in Celle in allen drei Fällen zurückgewiesen. In den wortgleichen Urteilen über Gertrud, Herbert und Gerhard Glass heißt es: »Alle drei Kinder sind hochgradig schwachsinnig. Der äußere Eindruck ist ganz unverkennbar der eines Idioten. Eine Intelligenzprüfung ist mit keinem der Geschwister möglich. […]« Die Geschwister Glass wurden daraufhin am 6. und 7. Juli 1938 im Lüneburger Krankenhaus zwangssterilisiert. Zwei Monate später zeigte sich bei ihrem Vater eine seelische Erkrankung, die eine Einweisung in die Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg erforderlich machte. Ein Jahr später starb er infolge einer »progressiven Paralyse«.
Melitta Glass, nunmehr Witwe, lebte in den folgenden Jahren mit ihren drei inzwischen erwachsenen Kindern, weiter in Sassendorf. Am 11. April 1942 empfahl der Amtsarzt Dr. Hans Rohlfing, alle drei Geschwister in die Anstalt einzuweisen.
Am 13. Mai 1942 wurden die drei Geschwister polizeilich in die Anstalt zwangseingewiesen. Ihre Mutter Melitta besuchte ihre erwachsenen Kinder am 4. Juni 1942, am 7. November 1942 und am 8. Mai 1943. Am 8. September 1943 wurden die drei Geschwister in die Landesheilanstalt Pfafferode verlegt. »Pfafferode« gehörte zu den Anstalten, in die nach dem Ende der »Aktion T4« Patientinnen und Patienten deportiert wurden, um sie dort durch gezielte Fehl- und Mangelversorgung sterben zu lassen. Von den Geschwistern Glass starb Gerhard als erster, nur sechs Monate nach seiner Ankunft in Pfafferode, am 7. März 1944. Einen Monat später war auch Herbert tot. In seiner Sterbemitteilung steht: »Der am 8.9.43 in die hiesige Anstalt verlegte Herbert Glass aus Sassendorf, geboren am 4.9.19 in Wilhelmsburg ist am 15.5.1944 gestorben. Diagnose: Idiotie. Todesursache: Marasmus.« Bei Herbert wurde nicht einmal der Versuch unternommen, die wahre Todesursache zu verschleiern. Ein Jahr später, am 14. Mai 1945, starb auch Gertrud Glass.
GERTRUD, HERBERT UND GERHARD GLASS
Gertrud Glass ist im Jahr 1916 geboren.
Sie hat zwei jüngere Brüder.
Herbert ist im Jahr 1919 geboren.
Gerhard ist im Jahr 1921 geboren.
Die Familie wohnt in der Nähe von Lüneburg.
Sie haben wenig Kontakt zu anderen.
Ein Arzt aus Lüneburg sagt:
Die drei Geschwister sind schwach-sinnig.
Das ist im Jahr 1934.
Da ist Gertrud acht-zehn Jahre alt.
Herbert ist fünf-zehn und Gerhard ist drei-zehn Jahre alt.
In allen drei Arzt-Briefen steht fast das gleiche.
Der Arzt schreibt die Briefe am gleichen Tag.
Das ist im November 1937.
Eine Woche später macht das Gesundheits-Amt eine Anzeige.
Die drei Geschwister sollen zwangs-sterilisiert werden.
Sie sollen un-fruchtbar gemacht werden.
Und keine Kinder bekommen.
Danach bestimmt das Gesundheits-Gericht:
Alle drei sollen operiert werden.
Das ist im Januar 1938.
Der Vater macht eine Beschwerde.
Er sagt:
Nein!
Aber das Gericht sagt Nein zu der Beschwerde.
Im Urteil steht:
Alle müssen operiert werden.
Gegen ihren Willen.
Die drei Geschwister werden zwangs-sterilisiert.
Das passiert im Juli 1938.
Sie werden im Lüneburger Krankenhaus operiert.
Zwei Monate später wird der Vater krank.
Er kommt in die Lüneburger Anstalt.
Ein Jahr später stirbt er.
Die Mutter ist alleine mit den drei Kindern.
Alle sind jetzt erwachsen.
Im April 1942 kommt der Amts-Arzt zu der Familie.
Er sagt:
Alle drei Geschwister sollen in eine Anstalt.
Die drei Geschwister kommen in eine Anstalt.
Das ist am 13. Mai 1942.
Die Polizei bringt sie dort hin.
Die Mutter besucht ihre Kinder.
Sie kommt im Juni 1942.
Und im November 1942.
Und im Mai 1943.
Im September 1943 werden die Geschwister verlegt.
Sie kommen in eine andere Anstalt.
Sie kommen nach Pfafferode.
Dort bekommen die Patienten zu wenig zu essen.
Sie sollen sterben.
Sie werden ermordet.
Gerhard stirbt am 7. März 1944.
Einen Monat später stirbt Herbert.
Ein Arzt schreibt:
Herbert ist verhungert.
Es ist kein Geheimnis mehr.
Aber niemand interessiert sich dafür.
Obwohl es Mord ist.
Bis heute.
Auch Gertrud stirbt.
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Gertrud Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 No. 1560.

Herbert Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 103/88 No. 441.

Gerhard Glass, 1938.
NLA Hanover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 No. 1630.
GERTRUD (1916 – 1945), HERBERT (1919 – 1944) aND GERHARD GLASS (1921 – 1944)
The Glass siblings were born in Hamburg-Wilhelmsburg: Gertrud on 10 August 1916, Herbert on 4 September 1919 and Gerhard on 25 March 1921. In the 1930s, they moved with their parents Melitta Glass (née Döge) and Kurt Glass to Sassendorf in the district of Lüneburg. The middle-class family lived a secluded life.
When the Glass siblings were reported as ‘feeble-minded’ to the health authorities by the Lüneburg neurologist Dr Wilhelm Vosgerau on 4 October 1934, Gertrud Glass was 18 years old, her brother Herbert was 15 and her youngest brother Gerhard was 13. The three medical reports were not only all prepared on the same day (12 November 1937), but their content is also largely identical. A week later, the three siblings were reported for sterilisation on the grounds of »idiocy.« On 17 January 1938, the Lüneburg Hereditary Health Court ordered their forced sterilisation.
The father’s appeal was rejected in all three cases by the Higher Court for Hereditary Health in Celle. The identical judgements on Gertrud, Herbert and Gerhard Glass state: »All three children are severely mentally deficient. Their outward appearance is unmistakably that of idiots. It is not possible to test the intelligence of any of the siblings. […]« The Glass siblings were then forcibly sterilised at the Lüneburg hospital on 6 and 7 July 1938. Two months later, their father developed a mental illness that required him to be admitted to the Lüneburg mental hospital. He died a year later as a result of »progressive paralysis«.
Melitta Glass, now a widow, continued to live in Sassendorf with her three children, who were now adults. On 11 April 1942, the district medical officer Dr Hans Rohlfing recommended that all three siblings be admitted to the institution.
On 13 May 1942, the three siblings were forcibly admitted to the institution by the police. Their mother Melitta visited her adult children on 4 June 1942, 7 November 1942 and 8 May 1943. On 8 September 1943, the three siblings were transferred to the Pfafferode State Hospital. Pfafferode was one of the institutions to which patients were deported after the end of »Aktion T4« in order to be left there to die through deliberate malpractice and neglect. Of the Glass siblings, Gerhard was the first to die, just six months after his arrival in Pfafferode, on 7 March 1944. A month later, Herbert was also dead. His death notice reads: »Herbert Glass from Sassendorf, born on 4 September 1919 in Wilhelmsburg, who was transferred to this institution on 8 September 1943, died on 15 May 1944. Diagnosis: idiocy. Cause of death: marasmus.« In Herbert’s case, no attempt was even made to conceal the true cause of death. A year later, on 14 May 1945, Gertrud Glass also died.
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Gertrud Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 nr. 1560.

Herbert Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 103/88 nr. 441.

Gerhard Glass, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 nr. 1630.
GERTRUD (1916 – 1945), HERBERT (1919 – 1944) i GERHARD GLASS (1921 – 1944)
Rodzeństwo Glass urodziło się w Hamburgu-Wilhelmsburgu: Gertrud 10 sierpnia 1916 r., Herbert 4 września 1919 r. i Gerhard 25 marca 1921 r. W latach 30. XX wieku wraz z rodzicami, Melittą Glass (z domu Döge) i Kurtem Glassem, przeprowadzili się do Sassendorfu w powiecie Lüneburg. Ta mieszczańska rodzina prowadziła spokojne życie.
Kiedy 4 października 1934 r. rodzeństwo Glass zostało zgłoszone przez neurologa z Lüneburga, dr Wilhelma Vosgerau, do urzędu zdrowia jako »upośledzone umysłowo«, Gertrud Glass miała 18 lat, jej brat Herbert 15, a najmłodszy brat Gerhard 13 lat. Trzy opinie lekarzy urzędowych zostały sporządzone nie tylko tego samego dnia (12 listopada 1937 r.), ale także są w dużej mierze identyczne pod względem treści. Tydzień później zgłoszono sterylizację trojga rodzeństwa z powodu »idiotyzmu«. 17 stycznia 1938 r. Sąd ds. Zdrowia Dziedzicznego w Lüneburgu podjął decyzję o przymusowej sterylizacji.
Sprzeciw ojca został odrzucony przez Wyższy Sąd ds. Zdrowia Dziedzicznego w Celle we wszystkich trzech przypadkach. W identycznych wyrokach dotyczących Gertrud, Herberta i Gerharda Glassów stwierdzono: »Wszystkie troje dzieci są w wysokim stopniu upośledzone umysłowo. Wygląd zewnętrzny jednoznacznie wskazuje na idiotyzm. Nie jest możliwe przeprowadzenie testu inteligencji u żadnego z rodzeństwa. […]« W rezultacie rodzeństwo Glass zostało poddane przymusowej sterylizacji w szpitalu w Lüneburgu w dniach 6 i 7 lipca 1938 r. Dwa miesiące później u ich ojca wykryto chorobę psychiczną, która wymagała umieszczenia go w zakładzie psychiatrycznym w Lüneburgu. Rok później zmarł on w wyniku »postępującego paraliżu«.
Melitta Glass, obecnie wdowa, mieszkała w kolejnych latach wraz ze swoimi trzema dorosłymi już dziećmi nadal w Sassendorfie. 11 kwietnia 1942 r. lekarz urzędowy dr Hans Rohlfing zalecił umieszczenie wszystkich trojga rodzeństwa w zakładzie psychiatrycznym.
13 maja 1942 r. troje rodzeństwa zostało przymusowo umieszczonych w zakładzie przez policję. Ich matka Melitta odwiedziła swoje dorosłe dzieci 4 czerwca 1942 r., 7 listopada 1942 r. i 8 maja 1943 r. 8 września 1943 r. troje rodzeństwa zostało przeniesionych do szpitala psychiatrycznego w Pfafferode. »Pfafferode« należało do zakładów, do których po zakończeniu »akcji T4« deportowano pacjentów, aby tam umierali z powodu celowego niedożywienia i braku opieki. Spośród rodzeństwa Glass jako pierwszy zmarł Gerhard, zaledwie sześć miesięcy po przybyciu do Pfafferode, 7 marca 1944 r. Miesiąc później zmarł również Herbert. W zawiadomieniu o śmierci napisano: »Herbert Glass z Sassendorfu, urodzony 4 września 1919 r. w Wilhelmsburgu, przeniesiony 8 września 1943 r. do tutejszego zakładu, zmarł 15 maja 1944 r. Diagnoza: idiotyzm. Przyczyna śmierci: marazm«. W przypadku Herberta nie podjęto nawet próby ukrycia prawdziwej przyczyny śmierci. Rok później, 14 maja 1945 r., zmarła również Gertrud Glass.
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