NFC zu 03-40-00-06

Es ist ein schwarzweißes Porträtfoto von Heinrich Schwamberger. Er trägt einen Pullover mit Knopfleiste und Kragen. Er trägt einen breiten Oberlippenbart und schaut ernst in die Kamera. Er hat eine hohe Stirn.

Heinrich Schwamberger, um 1936.

NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 08500.

Es ist ein schwarzweißes Porträtfoto von Peter Schwamberger. Er trägt ein dunkles Jakett und darunter ein weißes Unterhemd. Er trägt einen Oberlippenbart. Er blickt ernst in die Kamera.

Peter Schwamberger, um 1927.

NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 08498.

HEINRICH (1885 – 1941) UND PETER SCHWAMBERGER (1895 – 1941)

Die Brüder Heinrich (geboren 1885) und Peter (geboren 1895) Schwamberger kamen aus Heddinghausen (Kreis Minden-Lübbecke) und Saarbrücken. Heinrich war Arbeiter. Er war mit Luise Schwamberger verheiratet. Sie hatten drei gemeinsame Kinder. Im November 1935 erkrankte Heinrich an einer Lungenentzündung. Fünf Monate später suchte er zur Feststellung seiner Arbeitsfähigkeit einen Vertrauensarzt auf. Dieser bemerkte ein sonderbares Verhalten und überwies ihn in das Krankenhaus Celle. Dort wurde sein psychischer Zustand erfasst. Da er unter anderem das Essen verweigerte und phantasierte, auch eine Suizid-Gefährdung nicht ausgeschlossen wurde, brachte man ihn am 23. März 1936 in die Landes-Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg.

Als Heinrich in die Psychiatrie aufgenommen wurde, war sein jüngerer Bruder Peter bereits seit neun Jahren Patient in der Lüneburger Heil- und Pflegeanstalt. 1916 hatte Peter Schwamberger Marie Salomon geheiratet. Aus der unglücklichen Ehe gingen drei Kinder hervor. Es gab viel häusliche Gewalt. Bis zu seiner Einweisung im Jahr 1927 arbeitete Peter als Platzwart. Versuche, ihn in das Arbeitsleben zu integrieren, scheiterten. 1928 wurde er in der Feldkolonne eingesetzt. Jenseits dessen zog er sich vollständig zurück. Im Mai 1932 wurde für Peter eine Beurlaubung in Betracht gezogen. Seine Ehefrau sprach sich dagegen aus, und ein anschließender Versuch der Familienzusammenführung scheiterte. Auch Heinrichs Frau Luise wandte sich von ihm ab. Sie ließ sich 1940 von ihm scheiden.

Obwohl Heinrich in Haus 19 und Peter in Haus 11 untergebracht waren, hatten die Brüder während ihres Aufenthaltes untereinander Kontakt. Am 22. April 1941 notierte der Arzt Rudolf Redepenning in beide Krankengeschichten der Brüder Schwamberger, dass sie den »Endzustand« erreicht hätten. Diese Beurteilung begründete ihre »Verlegung nach Herborn«, d. h. ihre Verlegung in die »Aktion T4«. Heinrich und Peter Schwamberger wurden am 22. April 1941 zusammen mit 117 weiteren Männern mit dem Befund »ungeheilt« in die Zwischenanstalt Herborn verlegt. Von dort wurden die Brüder in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt. Heinrich Schwamberger wurde am 21. Mai 1941 in der Gaskammer ermordet. Eine Woche später, am 28. Mai 1941, folgte sein Bruder Peter. Beide sind Opfer der »Aktion T4«.

HEINRICH UND PETER SCHWAMBERGER

Heinrich Schwamberger ist 1885 geboren.
Peter Schwamberger ist 1895 geboren.
Heinrich und Peter sind Brüder.
Heinrich ist Arbeiter.
Er ist verheiratet.
Sie haben drei Kinder.

1935 bekommt Heinrich eine Lungen-Entzündung.
Fünf Monate später geht er zum Arzt.
Der Arzt sagt:
Heinrich ist sonderbar.
Der Arzt schickt Heinrich in ein Kranken-Haus.

Auch im Kranken-Haus sagen die Ärzte:
Heinrich ist sonderbar.
Er kommt in die Anstalt nach Lüneburg.
Das ist im Jahr 1936.

Peter ist schon Patient in der Anstalt.
Er ist dort schon neun Jahre als Heinrich kommt.

1916 heiratet Peter.
Sie haben drei Kinder.
Die Ehe ist nicht glücklich.
Es gibt viel Gewalt.
Peter arbeitet als Platz-Wart.
Dann wird Peter krank.
Er kommt in die Anstalt nach Lüneburg.
Das ist im Jahr 1927.

In der Anstalt arbeitet Peter.
Er arbeitet in der Land-Wirtschaft.
Sonst ist Peter sehr still.

1932 darf Peter Urlaub machen.
Seine Frau will das nicht.
Sie hat Angst vor ihm.
Sie hat Angst vor seiner Gewalt.
Die Familie kommt nicht mehr zusammen.

Die Frau von Heinrich trennt sich von ihm.
Sie lässt sich scheiden.
Das ist im Jahr 1940.

Heinrich lebt in der Anstalt in Haus neun-zehn.
Peter lebt in Haus elf.
Sie treffen sich manchmal.

Im April 1941 entscheidet ein Arzt:
Heinrich und Peter werden nicht mehr gesund.
Sie werden in eine andere Tötungs-Anstalt verlegt.
Zusammen mit ein-hundert-sieb-zehn anderen Patienten aus Lüneburg.
Sie werden ermordet.
Sie sterben in einer Gas-Kammer.

Heinrich stirbt am 21. Mai 1941.
Sein Bruder Peter stirbt am 28. Mai 1941.
Sie sind Opfer der Aktion T4.

zurück