NFC zu N-K-02
Kein Ende
Am 18. April 1945 wurde Lüneburg von britischen Truppen befreit, der Krieg war zu Ende. In der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg aber veränderte sich nichts. Wochenlang interessierte sich die britische Militärverwaltung nicht für die Zustände. Die Beschäftigten mordeten weiter, bis die britische Sicherheitspolizei im August 1945 den Betrieb erstmals begutachtete. Doch auch nachdem Max Bräuner Arbeitsverbot erhalten hatte, ging das Sterben weiter. 1945 starben mehr als 35 Prozent der Erkrankten.
Im April 1945 kommen englische Soldaten
nach Lüneburg.
Der Zweite Weltkrieg ist vorbei.
Die Nazis sind nicht mehr an der Macht.
Die englischen Soldaten bestimmen jetzt
in Lüneburg.
In der Anstalt in Lüneburg bleibt aber
alles gleich.
Die englischen Soldaten kümmern sich nicht um die Kranken in der Anstalt.
Die Ärzte und Pfleger töten weiter.
Viele Kranke sterben in der Anstalt.
Erst im August 1945 kommt
die englische Polizei nach Lüneburg.
Sie sehen sich die Anstalt zum ersten Mal an.
Die englischen Polizisten sind geschockt.
Denn sie sehen,
den Kranken geht es hier sehr schlecht.
Sie sagen:
Der Chef von der Anstalt Max Bräuner darf nicht mehr arbeiten.
Aber auch danach sterben die Kranken weiter.


Belegstärken und Sterblichkeit in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg 1910 bis 1947, mit Berechnungsfehler.
NLA Hannover Nds. 721 Hannover Acc. 61/81 Nr. 28/7.
Zur Sterblichkeit in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg gab es jahrzehntelang nur eine einzige Berechnung. Diese floss ungeprüft in alle Ermittlungsverfahren und die Forschung ein, obwohl sie einen grundlegenden Fehler enthält. Die Berechnung geht davon aus, dass es keine Verlegungen von Erkrankten gegeben habe. Die Transporte von Erkrankten in andere Anstalten wurden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. Wenn man aber den tatsächlichen, deutlich niedrigeren Bestand Erkrankter in Lüneburg zugrunde legt, liegen die Sterberaten wesentlich höher.
In der Nazi-Zeit sterben viele Menschen
in der Anstalt in Lüneburg.
Nach der Nazi-Zeit schreibt man auf,
wie viele Menschen gestorben sind.
Es gibt eine Liste.
Auf der Liste steht:
• Wie viele Kranke gibt es in der Anstalt
in einem Jahr?
• Wie viele Kranke sterben in der Anstalt
in einem Jahr?
Viele Jahre gibt es nur diese eine Liste.
Sie ist auch wichtig für Gerichts-Verfahren gegen die Nazis.
Aber die Liste ist falsch.
Man hat falsch gerechnet.
Denn auf der Liste steht nicht:
Viele Kranke aus Lüneburg sind
in anderen Tötungs-Anstalten gestorben.
Rechnet man richtig,
dann gibt es viel mehr Tote in Lüneburg.
Denn viele Kranke aus Lüneburg
sterben in anderen Tötungs-Anstalten.
Diese Kranke gehören aber trotzdem
zu Lüneburg.

Nachdem Willi Baumert 1943 in Vollzeit nach Lüneburg abgeordnet worden war, stieg die Sterberate auf über 30 Prozent. Weil er im September 1944 zum Kriegsdienst verpflichtet wurde, sank sie 1944 auf 27 Prozent. 1945 ist das Jahr der höchsten Sterblichkeit in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg. Infolge eines Massensterbens liegt sie über 35 Prozent. 1946 starb jeder fünfte, 1947 noch immer mehr als jeder zehnte Erkrankte.
In der Nazi-Zeit sterben viele Kranke
in der Anstalt in Lüneburg.
Ab dem Jahr 1943 arbeitet der Arzt
Willi Baumert ganz in Lüneburg.
Vorher arbeitet er nur 3 Tage in der Woche
in Lüneburg.
Nach dem Jahr 1943 gibt es mehr Tote
in Lüneburg als vorher.
Im Jahr 1944 muss Willi Baumert als Soldat
in den Zweiten Weltkrieg.
In dieser Zeit gibt es weniger Tote in der Anstalt in Lüneburg.
Im Jahr 1945 sterben in Lüneburg
3 von 10 Kranken.
Im Jahr 1946 sterben 5 von 10 Kranken.
Im Jahr 1947 stirbt einer von 10 Kranken.
Auch nach der Nazi-Zeit sterben also noch
viele Kranke in der Anstalt in Lüneburg.
Das geht noch bis zum Jahr 1947 so weiter.

Während des Krieges starben nicht mehr als drei Erkrankte am Tag. Das änderte sich Anfang April 1945. An einzelnen Tagen der Monate April, Mai und Juni starben ungewöhnlich viele Erkrankte. Es gab regelrechte »Sterbetage«. Ein natürlicher oder erkrankungsbedingter Tod ist unwahrscheinlich. Das Morden endete erst Ende August 1945. Noch bis zum Sommer 1946 wurde der Tod vieler Erkrankter durch Hunger sowie ausgeprägte Mangel- und Fehlversorgung billigend in Kauf genommen.
In der Nazi-Zeit sterben etwa 3 Kranke
an einem Tag in der Anstalt.
Nach der Nazi-Zeit und nach dem Zweiten Weltkrieg sterben noch mehr Kranke in der Anstalt.
Im Jahr 1945 sterben besonders viele Kranke
in den Monaten:
• April
• Mai
• Juni
• Juli
An einigen Tagen sterben etwa 12 Kranke.
Das ist nicht normal.
Im August 1945 hört der Kranken-Mord auf.
Aber es sterben trotzdem noch viele Kranke
in der Anstalt.
Das ist noch bis zum Sommer 1946 so.
Viele Kranke bekommen
• zu wenig Essen.
• zu wenig Hilfe.
• keine Medikamente.
• keine Behandlung.
Daran sterben viele Kranke.
Ärzte und Pfleger schauen zu.
Sie helfen den Kranken nicht.
Das »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« war in den Westzonen bis zur Gründung der BRD 1949 gültig. Obwohl die Durchführung des Gesetzes durch die Britische Militärregierung ausgesetzt worden war, blieb der Ärztliche Direktor Rudolf Redepenning an das Erbgesundheitsgericht Lüneburg abgeordnet, und es gab weiterhin Verfahren. Nur in der Ostzone wurde das Gesetz vollständig aufgehoben, und die beteiligten Ärzte wurden gerichtlich verfolgt. Anfang der 1950er-Jahre beantragten Betroffene eine Wiederaufnahme der Verfahren. Sie wollten bei ihren Rentenanträgen geltend machen, Opfer von NS-Unrecht zu sein. In vielen Fällen entschieden darüber die gleichen Richter, die während des Krieges Zwangssterilisationen angeordnet hatten.
Im Mai 1945 ist die Nazi-Zeit
in Deutschland vorbei.
Die Nazis sind nicht mehr an der Macht.
Aber die Gesetze von den Nazis gibt es
immer noch.
Viele Nazi-Gesetze gibt es noch
bis zum Jahr 1949.
Zum Beispiel: das Sterilisations-Gesetz.
Und es gibt immer noch Zwangs-Sterilisationen
in Deutschland.
Ab Mai 1949 ist Deutschland geteilt in:
die Bundesrepublik Deutschland und die DDR.
Jetzt gibt es neue Gesetze.
Und die Opfer von den Zwangs-Sterilisationen dürfen vor Gericht gehen.
Sie dürfen sagen:
Meine Sterilisation war ungerecht.
Das war ein Verbrechen.
Das Gericht kann entscheiden:
Diese Menschen sind Opfer von Nazi-Gewalt.
Darum sollen sie Schmerzens-Geld bekommen.
Aber im Gerichten sitzen die gleichen Richter
wie in der Nazi-Zeit.
Die Richter sagen:
Unsere Entscheidungen in der Nazi-Zeit
waren richtig.

Auszug aus dem Beschluss des Oberlandesgerichts Celle über die Wiederaufnahme der Erbgesundheitssache Georg Marienberg vom 9.10.1952.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 Nr. 1324.
1951 bemühte sich Georg Marienberg um Wiederaufnahme seiner Erbgesundheitssache und hoffte auf Entschädigung. Amtsgerichtsdirektor Jahn, der ab 1940 am Erbgesundheitsgericht Lüneburg Richter war, kam zu dem Ergebnis, dass sein Beschluss von damals rechtmäßig gewesen sei. Dagegen legte Georg Marienberg beim Oberlandesgericht Celle Beschwerde ein. Diese wurde 1952 zurückgewiesen. Das Verfahren wurde nicht wieder aufgenommen.
Georg Marienberg ist ein Opfer
von der Zwangs-Sterilisation.
Im Jahr 1951 geht er vor Gericht.
Er will Schmerzens-Geld.
Ein Richter soll das prüfen.
Georg Marienberg hat Pech.
Es ist der gleiche Richter wie in der Nazi-Zeit.
Der Richter sagt:
Meine Entscheidung in der Nazi-Zeit ist richtig.
Ich habe nichts falsch gemacht.
Georg Marienberg sagt:
Ich bin nicht erbkrank.
Meine Zwangs-Sterilisation war ein Verbrechen.
Aber die Richter sagen:
Das Gericht in Lüneburg hat richtig entschieden.
Georg Marienberg bekommt
kein Schmerzens-Geld.
Bei den Wiederaufnahmeverfahren saßen die Betroffenen oft den gleichen Richtern gegenüber, die zuvor über die Zwangssterilisationen entschieden hatten. Auch eine Intelligenzprüfung mussten sie erneut durchlaufen. So erging es auch Emmi Nielson, die genauso wie ihr Halbbruder Georg Marienberg die Wiederaufnahme beantragte. Ihr Antrag wurde abgelehnt, und sie musste die Kosten des Verfahrens selbst bezahlen.
Die Nazi-Zeit ist vorbei.
Aber oft sind die Nazi-Richter noch da.
Sie arbeiten weiter.
Nichts ändert sich.
Die Opfer von der Zwangs-Sterilisation sind
wieder Opfer.
Man macht die gleichen Tests mit ihnen
wie in der Nazi-Zeit.
Man überprüft auch nach der Nazi-Zeit wieder:
Hat eine Person eine Behinderung oder
eine Krankheit?
Und sie verlieren wieder vor Gericht.
Emmi Nielson verliert auch.
Sie bekommt auch kein Schmerzens-Geld.
Sie muss sogar das Geld für das Gericht bezahlen.

Auszug aus der Mitschrift der nicht öffentlichen Sitzung über die Wiederaufnahme der Erbgesundheitssache Emmi Nielson vom 25.5.1951.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 103/88 Nr. 662.

Auszug aus Bescheid in der Entschädigungssache Wilhelm Saul jun. vom 19.9.1959.
NLA Hannover Nds. 720 Lüneburg Acc. 139/90 Nr. 107.
Im Jahr 1958 bemühte sich Wilhelm Sauls Schwester um eine Entschädigung und Wiedergutmachung der Zwangssterilisation ihres Bruders. Sie reichte bei der Zivilkammer des Landgerichts Lüneburg Klage ein. Die Klage wurde abgewiesen, weil die Abgabefrist wenige Tage überschritten war und die 1933 gesetzlich festgelegten »eugenischen Gründe« nicht hinterfragt wurden.
In der Nazi-Zeit bekommt Wilhelm Saul
eine Zwangs-Sterilisation.
Darum will er im Jahr 1958
Schmerzens-Geld haben.
Seine Schwester geht für ihn vor Gericht.
Im Jahr 1959 sagt das Gericht:
Es ist zu spät.
Die Frist ist abgelaufen.
Jetzt kann man nichts mehr machen.
Die Urteile aus der Zeit von 1934 bis 1949 wurden jahrzehntelang ausnahmslos bestätigt. Weil es auch in anderen Ländern ähnliche Sterilisationsgesetze gab, wurde das »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« nicht als nationalsozialistisch bewertet.
Nach der Nazi-Zeit sagen die Gerichte:
Das deutsche Sterilisations-Gesetz ist
kein Nazi-Gesetz.
Denn es gibt solche Gesetze auch
in anderen Ländern.
Die Zwangs-Sterilisationen in der Nazi-Zeit waren
keine Verbrechen.
Denn es gab dafür ein Gesetz.
Für die Opfer ist es sehr schlimm,
dass die Gerichte so entscheiden.
»›Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses‹ vom 14. Juli 1933 ist kein typisch nationalsozialistisches Gesetz, denn auch in demokratisch regierten Ländern – z. B. Schweden, Dänemark, Finnland und in einigen Staaten der USA – bestehen ähnliche Gesetze; das Bundesentschädigungsgesetz gewährt aber grundsätzlich Entschädigungsleistungen nur an Verfolgte des NS-Regimes und in wenigen Ausnahmefällen an Geschädigte, die durch besonders schwere Verstöße gegen rechtsstaatliche Grundsätze Schäden erlitten haben.«
Deutscher Bundestag, Plenarprotokoll 2/191, S. 10876 vom 7.2.1957.
Das ist ein Protokoll vom Deutschen Bundestag
vom 7. Februar 1957.
In dem Protokoll steht,
was Politiker bei einem Treffen besprechen.
Bei dem Treffen sagen Politiker:
Das Sterilisations-Gesetz ist kein Nazi-Gesetz.
Und das Sterilisations-Gesetz ist
nicht ungerecht.
Denn in anderen Ländern gibt es auch
solche Gesetze.
Zum Beispiel:
• in Schweden
• in Dänemark
• in Finnland
• in den USA

Deutscher Bundestag, Abstimmung über die Ächtung des »Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses«, 2007. Mehrere Abgeordnete stimmen dagegen und mehrere enthalten sich.
Film »Schöner neuer Mensch. Rassenhygiene als Staatsziel«
(NDR, 2015); Timecode 00:41:27.
1980 konnten Betroffene eine Einmalzahlung von 5.000 DM beantragen. 1988 bezeichnete der Deutsche Bundestag die Zwangssterilisationen zum ersten Mal als NS-Unrecht. Erst 1992 wurde gesetzlich verboten, Menschen gegen ihren Willen zu sterilisieren. Die Urteile der Erbgesundheitsgerichte wurden 1998 aufgehoben. 2011 wurden erstmals Entschädigungen in Höhe von monatlich 291 Euro ausgezahlt.
Die Opfer von der Zwangs-Sterilisation bekommen lange Zeit kein Schmerzens-Geld.
Im Jahr 1980 können die Opfer zum ersten Mal einen Antrag für Schmerzes-Geld stellen.
Dann bekommen sie einmal 5 000 Mark.
Im Jahr 1988 sagt der Deutsche Bundestag:
Das Sterilisations-Gesetz von den Nazis
ist ungerecht.
Das Gesetz dafür gibt es aber immer noch.
Erst seit dem Jahr 1992 darf es
keine Zwangs-Sterilisationen mehr geben.
Im Jahr 1998 werden alle Entscheidungen
vom Erb-Gesundheits-Gericht aufgehoben.
Das heißt: Die Urteile zählen nicht mehr.
Seit dem Jahr 2011 bekommen die Opfer
von Zwangs-Sterilisationen Schmerzens-Geld.
Sie bekommen jeden Monat 291 Euro.
Das ist nicht viel Geld.
Und die meisten Opfer sind schon tot.
Das ist ein Foto vom Deutschen Bundestag
aus dem Jahr 2007.
Die Politiker machen eine Abstimmung:
Ist das Sterilisations-Gesetz von den Nazis ungerecht?
Einige Politiker sagen nein.
Das Gesetz von den Nazis ist kein Unrecht.
Viele Politiker stimmen nicht mit ab.
Die Überlebenden der »Kinderfachabteilung« und die Angehörigen der Opfer der Krankenmorde blieben von der späten Aufarbeitung der Verbrechen weitgehend ausgeschlossen. Die Familien wussten oft jahrzehntelang nichts über das tatsächliche Schicksal ihrer Angehörigen. Wenn sie heute von deren Todesumständen erfahren, haben sie keinen Anspruch mehr auf eine Entschädigung oder Wiedergutmachung. Die Verbrechen gelten als verjährt. Die Opfer und ihre Familien gehören zu den NS-Geschädigten, deren Verluste nie gesühnt wurden.
Einige Kinder aus der Kinder-Fachabteilung
in Lüneburg überleben.
Und es gibt Familien von den Opfern
vom Kranken-Mord.
Nach der Nazi-Zeit untersucht man
die Verbrechen von den Nazis.
Man will wissen was passiert ist.
Aber keiner interessiert sich
• für die Überlebenden.
• die Familien von den Opfern.
Keiner fragt sie, wie es in der Nazi-Zeit war.
Viele Familien wissen nichts vom Kranken-Mord.
Sie erfahren erst sehr spät:
In meiner Familie gibt es ein Opfer
vom Kranken-Mord.
Sie bekommen kein Schmerzens-Geld.
Denn der Mord ist schon zu lange her.
WEITERDENKEN UND NEUBEWERTEN
Die Behandlung der Erkrankten in der Anstalt verbesserte sich nur allmählich. Bis 1975 gab es in der BRD und der DDR kein Umdenken. Erst als eine Psychiatrie-Untersuchungskommission im Auftrag der Bundesregierung zu dem Ergebnis kam, dass in vielen psychiatrischen Einrichtungen der BRD immer noch menschenunwürdige Verhältnisse herrschten, veränderte sich die Versorgung im Sinne der Erkrankten. In den 1980er-Jahren gab es diesen Aufbruch auch in der DDR.
WEITERDENKEN UND NEUBEWERTEN
Ab dem Jahr 1975 will man in den Anstalten
in Deutschland etwas verändern.
Darum sagt die Bundesregierung:
Wir müssen alle Anstalten überprüfen.
Das ist das Ergebnis von der Prüfung:
In vielen Anstalten ist es immer noch
wie in der Nazi-Zeit.
Es gibt zu viel Gewalt.
Es gibt zu wenig Menschlichkeit.
Es gibt eine schlechte Versorgung.
Aber es gibt keine Morde mehr.
Das Ergebnis von der Prüfung ist auch:
Die Pflege in den Anstalten muss besser werden.
Die Ausstattung von den Anstalten muss
besser werden.
Zum Beispiel: kein Schlaf-Saal mehr. Keine Schläge mehr.
Die Angebote für die Patienten müssen
besser werden.
Die im Nationalsozialismus eingeführte Intelligenzprüfung fand noch weit nach 1945 Anwendung. Nur in Bezug auf Fragen zum politischen Geschehen wurde der Test verändert. Der Verfasser Gerhard Kloos leitete während der NS-Zeit die »Kinderfachabteilung« Stadtroda. Außerdem hatte er sich vor 1945 in der Ärzteschaft mit einer »Stufenbehandlung« (Zwangsarbeit, Unterernährung und Therapieverweigerung) sowie der Vergiftung politisch Andersdenkender einen Namen gemacht. Als die dritte Auflage seiner Intelligenzprüfung erschien, leitete er das Krankenhaus Bad Pyrmont in Südniedersachsen.
In der Nazi-Zeit testet man viele Menschen.
Man testet, wie schlau ist ein Mensch.
Das macht man mit einem Denk-Test.
Die Menschen müssen bei dem Test
viele Fragen beantworten.
Es gibt in dem Test auch viele Fragen zu den Nazis.
Der Denk-Test ist von dem Arzt Gerhard Kloos.
In der Nazi-Zeit ist er Chef
von der Kinder-Fachabteilung Stadtroda.
Er ermordet Kinder und Jugendliche.
Auch nach der Nazi-Zeit gibt es den Denk-Test
von Gerhard Kloos noch.
Man testet immer noch, wie schlau ist ein Mensch.
Man benutzt den gleichen Test wie in der Nazi-Zeit.
Nur die Fragen zu den Nazis fehlen.
Es gibt gar keine Fragen mehr zu Politik.

Gerhard Kloos: Anleitung zur Intelligenzprüfung in
Erbgesundheitsgerichtsverfahren, Jena 1941.
Das ist der Denk-Test aus dem Jahr 1941
von Gerhard Kloos.
In diesem Test gibt es Nazi-Fragen.
Das ist der Denk-Test aus dem Jahr 1952
von Gerhard Kloos.
In diesem Test gibt es keine Nazi-Fragen mehr.
Es gibt gar keine Fragen mehr zu Politik.

Gerhard Kloos: Anleitung zur Intelligenzprüfung in
der psychiatrischen Diagnostik, Stuttgart 1952.
Auch heute gibt es Intelligenz-Tests, die teilweise nicht berücksichtigen, ob eine Testperson ausländischer Herkunft ist. Aus diesem Grund wird für viel zu viele Kinder ausländischer Herkunft ein »Förderbedarf für geistige Entwicklung« festgestellt. Auch Zweisprachigkeit wird als beeinträchtigend bewertet. Trotzdem sind solche Tests ein Hilfsmittel, um Förderbedarfe zu erkennen.
Heute gibt es auch Denk-Tests.
Alle Menschen bekommen den gleichen Test.
Es ist egal,
• ob man Deutsch spricht.
• ob man eine andere Sprache spricht.
• ob man aus einer anderen Kultur kommt.
Darum hat der Test oft ein falsches Ergebnis.
Das Ergebnis vom Test ist zum Beispiel:
Ein Kind hat eine Behinderung.
Denn das Kind hat nur wenige Punkte
bei dem Test gemacht.
Aber das stimmt nicht.
Das Kind hat die Fragen vom Test nicht verstanden.
Denn das Kind kann nur wenig Deutsch.
Nach dem Bericht der Psychiatrie-Untersuchungskommission 1975 folgte eine Abkehr von der bisherigen Anstaltspflege. Die Bedürfnisse und Nöte von Betroffenen und ihren Familien wurden erstmals mitberücksichtigt. Zwangsmaßnahmen wurden seltener eingesetzt. Es wurde viel getan, um Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen und Behinderungen abzubauen. Trotzdem gibt es bis heute das Denken, Erkrankte und Menschen mit Beeinträchtigungen seien nicht gleichwertig mit Gesunden. Auf Gewinn ausgerichtete Einrichtungen verstärken dieses Denken, denn schnell werden Betroffene wieder zu »Ballastexistenzen«.
Nach dem Jahr 1975 gibt es gute Veränderungen
in den Anstalten in Deutschland:
• Man fragt die Familien,
was sie wollen und was ihnen wichtig ist.
• Es gibt weniger Zwang und Gewalt.
• Es gibt weniger Vorurteile
gegen Menschen mit Behinderung.
• Es gibt mehr Infos über Krankheiten
und Behinderungen.
Trotzdem:
Menschen mit und ohne Krankheiten werden
nicht gleich behandelt.
Viele Menschen denken immer noch:
Menschen mit Krankheiten sind weniger wert
als gesunde Menschen.
Zum Beispiel: Der Staat will nur wenig Geld
für Menschen mit Krankheiten bezahlen.

Stickdeckchen, Patientenarbeit, Herkunft unbekannt, übermittelt von Helga Guddat, 1975.
StArEGL 21.
Es ist nicht bekannt, wer dieses Taschentuch bestickt
hat. Aber wie bei Martha Kaufmanns Stickerei im
Raum HANDELN, geben die Motive und Schriftzüge
das Erleben der Psychiatrie im Jahr 1975 wieder.
Das ist ein Taschentuch.
Keiner weiß, von wem es ist.
Es ist aus dem Jahr 1975.
Die Jahreszahl ist auf das Taschentuch gestickt.
Auf dem Taschentuch steht auch:
Wie ist das Leben in einer Anstalt.
Dieses Taschentuch ist so wie das Taschentuch
von Martha Kaufmann.
Das haben wir im Raum Handeln gezeigt.

»Keinen Tag länger«, in: Lüneburger Landeszeitung vom 20.3.1976, S. 3.
StadtALg, 8.2-LLA-B, 476.
Um die Versorgung der Erkrankten im Lüneburger Landeskrankenhaus zu verbessern, wurde von 1974 bis 1978 ein neues, zentrales Gebäude als »Klinikum« errichtet.
Das ist ein Zeitungs-Bericht aus dem Jahr 1976.
In dem Bericht steht:
Die Anstalt in Lüneburg bekommt
ein neues modernes Hauptgebäude.
Hier soll es den Kranken besser gehen.
Das Foto ist von der Einweihung
vom neuen Gebäude von der Anstalt.
Das Foto ist aus dem Jahr 1978.
Das ist ein Zeitungs-Bericht über die Anstalt
aus dem Jahr 1978.
In dem Bericht steht:
Das neue Gebäude von der Anstalt wird
sehr modern.

»Mit 77 Jahren wird das LKH modern«, in: Lüneburger Landeszeitung vom 31.1.1978, S. 12.
StadtALg, 8.2-LLA-B, 498.

Fragebogen der Medizinischen Hochschule Hannover zum Forschungsprojekt »Psychiatrische Erkrankungen bei ausländischen Mitbürgern in der Bundesrepublik«, Frühjahr 1984.
ArEGL 19.
Erkrankten ausländischer Herkunft wird auch nach 1975 noch mit Vorurteilen begegnet. Ein Forschungsvorhaben der Universität Hannover ging davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen ausländischer Herkunft und psychischer Erkrankung gebe. Als einzige Klinik beteiligte sich das Lüneburger Krankenhaus nicht an dieser Studie. Ausschlaggebend waren aber nicht ethische Gründe, sondern der Datenschutz. Bis heute sind die Unterstützung von Erkrankten ausländischer Herkunft und die Vermeidung von Mehrfachdiskriminierung nicht überall selbstverständlich.
Man behandelt kranke Menschen
aus anderen Ländern oft ungerecht.
Man behandelt sie anders,
als kranke Menschen aus Deutschland.
Man behandelt sie schlecht,
• weil sie krank sind und
• weil sie aus einem anderen Land kommen.
Das ist auch heute noch oft so.
Im Jahr 1984 gibt es dazu Forschungen
an der Universität Hannover.
Die Forscher behaupten:
Kranke aus dem Ausland sind nur krank,
weil sie aus dem Ausland kommen.
Aber das ist ein Vorurteil.
Und das Vorurteil gibt es auch heute noch.

Hans Heinze senior (links) mit seinem Sohn Hans Heinze junior (2. von rechts) und den drei Enkelkindern, etwa 1966.
Privatbesitz Hilde Winkelmann | Arbeitskreis Stolpersteine Rehburg-Loccum.
Von 1954 bis 1978 wurden in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Wunstorf sowie in Heimen, die ärztlich von dort betreut wurden, mindestens 18 Arzneimittel- und Impfstoff-Studien an Säuglingen, Kindern und Jugendlichen durchgeführt. Diese Studien erfolgten ohne Einwilligung der Betroffenen, verantwortlicher Arzt war zunächst Hans Heinze senior und ab 1966 Hans Heinze junior. Durch die Zusammenarbeit mit Fritz Stöckmann, von 1960 bis 1974 Leitender Arzt der Rotenburger Anstalten, gab es auch dort Medikamentenerprobungen. Eine 2017 vom Niedersächsischen Sozialministerium beauftragte Untersuchung kam zwei Jahre später unter anderem zu dem Ergebnis, dass sich die Anzahl der geschädigten Kinder und Jugendlichen nicht mehr ermitteln lasse. Auch über mögliche Schädigungen von Kindern durch die Studien traf die Untersuchung keine Aussage.
Medikamente helfen bei Krankheiten.
Aber man muss Medikamente testen,
bevor man sie benutzen kann.
Man prüft,
ob die Medikamente wirklich helfen.
Und man prüft, wie sie helfen.
In Wunstorf gibt es eine Anstalt
für Kinder und Jugendliche.
In den Jahren 1954 bis 1978 macht man hier Tests für neue Medikamente.
Man macht die Tests mit Kindern und Jugendlichen.
Aber:
Man fragt die Kinder und Jugendlichen vorher nicht.
Sie sind nicht einverstanden mit den Tests.
Und die Medikamente machen krank.
Den Kindern geht es schlecht
mit den Medikamenten.
Diese Tests macht man auch in anderen Heimen und in der Anstalt in Rotenburg.
Das passiert zwischen den Jahren 1954 und 1978.
Diese Tests sind verboten.
3 Ärzte machen die verbotenen Tests.
Die Ärzte heißen: Hans Heinze (Vater), Hans Heinze (Sohn) und Fritz Stöckmann.
Viele Jahre später kommt alles raus.
Es gibt eine Untersuchung.
Das sind die Ergebnisse von der Untersuchung:
• Es gab verbotene Versuche an Menschen.
• Man hat viele Medikamente benutzt.
• Keiner weiß, wie viele Kinder gestorben sind
• Keiner weiß,
wie viele Kinder krank geworden sind.
• Keiner weiß,
wie sehr die Kinder leiden mussten.
No end
On April 18, 1945, Lüneburg was liberated by British troops, and the war was over. But nothing changed at the Lüneburg sanatorium and nursing home. For weeks, the British military administration took no interest in the conditions there. The employees continued their murderous activities until the British security police inspected the facility for the first time in August 1945. But even after Max Bräuner was banned from working, the deaths continued. In 1945, more than 35 percent of the patients died.


Occupancy rates and mortality at the Lüneburg sanatorium and nursing home from 1910 to 1947, with calculation errors.
NLA Hannover Nds. 721 Hannover Acc. 61/81 N. 28/7.
For decades, there was only one calculation of mortality at the Lüneburg sanatorium and nursing home. This calculation was used in all preliminary investigations and research without being checked, even though it contains a fundamental error. The calculation assumes that there were no transfers of patients. The transport of patients to other institutions was not taken into account in the calculation. However, if one takes the actual, significantly lower number of patients in Lüneburg as a basis, the mortality rates are considerably higher.

After Willi Baumert was seconded full-time to Lüneburg in 1943, the mortality rate rose to over 30 per cent. Because he was called up for military service in September 1944, it fell to 27 per cent in 1944. 1945 is the year of the highest mortality rate in the Lüneburg sanatorium and nursing home. As a result of mass deaths, it was over 35 per cent. In 1946, one in five patients died, in 1947 still more than one in ten.

During the war, no more than three patients died per day. That changed at the beginning of April 1945. On certain days in April, May and June, an unusually high number of patients died. There were veritable ‘days of death.’ A natural or disease-related death is unlikely. The killings did not end until the end of August 1945. Until the summer of 1946, the deaths of many patients due to hunger and severe malnutrition and inadequate care were accepted as inevitable.
The »Law for the Prevention of Hereditary Diseases» remained in force in the western zones until the founding of the Federal Republic of Germany in 1949. Although the British military government had suspended enforcement of the law, Medical Director Rudolf Redepenning remained assigned to the Lüneburg Hereditary Health Court, and proceedings continued. Only in the Eastern Zone was the law completely repealed, and the doctors involved were prosecuted. In the early 1950s, those affected applied for a retrial. They wanted to claim that they were victims of Nazi injustice in their pension applications. In many cases, the same judges who had ordered forced sterilizations during the war decided on these cases.

Excerpt from the decision of the Higher Regional Court of Celle on the reopening of the Georg Marienberg inheritance case dated 9 October 1952.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 N. 1324.
In 1951, Georg Marienberg sought to have his hereditary health case reopened and hoped to receive compensation. District court director Jahn, who had been a judge at the Lüneburg Hereditary Health Court since 1940, concluded that his decision at the time had been lawful. Georg Marienberg appealed this decision to the Higher Regional Court in Celle. The appeal was rejected in 1952. The proceedings were not reopened.
In the retrials, the victims often faced the same judges who had previously ruled on the forced sterilisations. They also had to undergo an intelligence test again. This was also the case for Emmi Nielson, who, like her half-brother Georg Marienberg, applied for a retrial. Her application was rejected and she had to pay the costs of the procedure herself.

Excerpt from the transcript of the non-public meeting on the reopening of the Emmi Nielson hereditary health case of 25 May 1951.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 103/88 Nr. 662.

Excerpt from the decision in the compensation case Wilhelm Saul jun. dated 19 September 1959.
NLA Hannover Nds. 720 Lüneburg Acc. 139/90 N. 107.
In 1958, Wilhelm Saul’s sister sought compensation and redress for her brother’s forced sterilisation. She filed a lawsuit with the civil division of the Lüneburg Regional Court. The lawsuit was dismissed because the deadline for filing had been exceeded by a few days and the »eugenic reasons« established by law in 1933 were not questioned.
The rulings from the period between 1934 and 1949 were upheld without exception for decades. Because other countries had similar sterilisation laws, the »Law for the Prevention of Hereditary Diseases« was not considered to be a Nazi policy.
»The Law for the Prevention of Hereditary Diseases in Offspring of 14 July 1933 is not a typical National Socialist law, as similar laws exist in democratically governed countries such as Sweden, Denmark, Finland and some states in the USA. However, the Federal Compensation Act generally only grants compensation to victims of persecution under the Nazi regime and, in a few exceptional cases, to victims who suffered damage as a result of particularly serious violations of the principles of the rule of law.«
German Bundestag, Plenary Protocol 2/191, p. 10876 of 7 February 1957.

German Bundestag, vote on the repeal of the »Law for the Prevention of Hereditary Diseases in Offspring«, 2007. Several members of parliament vote against it and several abstain.
Film »Brave New Human: Racial Hygiene as a State Objective«
(NDR, 2015); timecode 00:41:27.
In 1980, those affected were able to apply for a one-off payment of DM 5,000. In 1988, the German Bundestag described forced sterilisation as a Nazi injustice for the first time. It was not until 1992 that it became illegal to sterilise people against their will. The judgements of the Hereditary Health Courts were overturned in 1998. Compensation totalling 291 euros per month was paid out for the first time in 2011.
The survivors of the »children’s ward« and the relatives of the victims of the euthanasia programme were largely excluded from the belated investigation of the crimes. For decades, the families often knew nothing about the actual fate of their relatives. When they learn about the circumstances of their deaths today, they are no longer entitled to compensation or reparations. The crimes are considered time-barred. The victims and their families are among those who suffered under the Nazis and whose losses were never compensated.
THINK AHEAD AND REASSESS
The treatment of patients in the institution improved only gradually. There was no change in thinking in the FRG and the GDR until 1975. It was only when a psychiatric investigation commission commissioned by the Federal Government came to the conclusion that inhumane conditions still prevailed in many psychiatric institutions in the FRG that care changed in favour of the patients. In the 1980s, this change also took place in the GDR.
The intelligence test introduced under National Socialism continued to be used well after 1945. Only the questions relating to political events were changed. The author, Gerhard Kloos, headed the Stadtroda »children’s department« during the Nazi era. Before 1945, he had also made a name for himself in the medical profession with »step-by-step treatment« (forced labour, malnutrition and denial of therapy) and the poisoning of political dissidents. When the third edition of his intelligence test was published, he was head of the Bad Pyrmont hospital in southern Lower Saxony.

Gerhard Kloos: Guide to intelligence testing in
hereditary health court proceedings, Jena 1941.

Gerhard Kloos: Guide to Intelligence Testing in
Psychiatric Diagnostics, Stuttgart 1952.
Even today, there are intelligence tests that sometimes fail to take into account whether a test subject is of foreign origin. For this reason, far too many children of foreign origin are identified as having a »need for support in intellectual development«. Bilingualism is also considered to be a disadvantage. Nevertheless, such tests are a useful tool for identifying support needs.
The 1975 report by the Psychiatric Investigation Commission led to a shift away from the institutional care that had been the norm up to that point. For the first time, the needs and difficulties of those affected and their families were taken into account. Coercive measures were used less frequently. Much was done to break down prejudices against mental illness and disability. Nevertheless, there is still a perception that people with mental illness and disabilities are not equal to healthy people. Profit-oriented institutions reinforce this thinking, as those affected quickly become »ballast« again.

Embroidered doily, patient’s work, provenance unknown, transmitted by Helga Guddat, 1975.
StArEGL 21.
It is not known who embroidered this handkerchief.
But as with Martha Kaufmann’s embroidery in the
HANDELN room, the motifs and lettering reflect
the experience of psychiatry in 1975.

»At 77 years of age, the LKH is becoming modern«, in: Lüneburger Landeszeitung, 31 January 1978, p. 12.
StadtALg, 8.2-LLA-B, 498.

Questionnaire from Hannover Medical School on the research project »Psychiatric disorders among foreign citizens in the Federal Republic of Germany«, spring 1984.
ArEGL 19.
Even after 1975, people of foreign origin who fall ill are still met with prejudice. A research project at the University of Hanover assumed that there was a connection between foreign origin and mental illness. The hospital in Lüneburg was the only one that did not participate in this study. However, the decisive factor was not ethical reasons, but data protection. To this day, supporting patients of foreign origin and avoiding multiple discrimination are not a matter of course everywhere.

Hans Heinze senior (left) with his son Hans Heinze junior (second from right) and his three grandchildren, circa 1966.
Private property of Hilde Winkelmann | Stolpersteine Rehburg-Loccum Working Group.
From 1954 to 1978, at least 18 drug and vaccine studies were conducted on infants, children and adolescents at the Wunstorf Child and Adolescent Psychiatric Clinic and in homes that received medical care from there. These studies were conducted without the consent of those affected. The doctor in charge was initially Hans Heinze senior and, from 1966, Hans Heinze junior. Through collaboration with Fritz Stöckmann, senior physician at the Rotenburg institutions from 1960 to 1974, drug trials were also conducted there. An investigation commissioned by the Lower Saxony Ministry of Social Affairs in 2017 concluded two years later that, among other things, it was no longer possible to determine the number of children and adolescents who had been harmed. The investigation also made no statement about possible harm to children as a result of the studies.
NIE KONIEC
18 kwietnia 1945 roku Lüneburg został wyzwolony przez wojska brytyjskie, a wojna dobiegła końca. Jednak w sanatorium i domu opieki w Lüneburgu nic się nie zmieniło. Przez wiele tygodni brytyjska administracja wojskowa nie interesowała się panującymi tam warunkami. Pracownicy kontynuowali swoje mordercze działania do czasu, gdy brytyjska policja bezpieczeństwa po raz pierwszy skontrolowała placówkę w sierpniu 1945 roku. Ale nawet po tym, jak Max Bräuner otrzymał zakaz pracy, zgony trwały nadal. W 1945 roku zmarło ponad 35 procent pacjentów.


Wskaźniki obłożenia i śmiertelności w sanatorium i domu opieki w Lüneburgu w latach 1910–1947, z błędami obliczeniowymi.
NLA Hannover Nds. 721 Hannover Acc. 61/81 N. 28/7.
Przez dziesięciolecia w sanatorium i domu opieki w Lüneburgu stosowano tylko jedną metodę obliczania śmiertelności. Metoda ta była stosowana we wszystkich wstępnych badaniach i analizach bez sprawdzania, mimo że zawierała zasadniczy błąd. Metoda ta zakładała, że nie było żadnych przeniesień pacjentów. Transport pacjentów do innych placówek nie był uwzględniany w obliczeniach. Jednakże, jeśli przyjąć za podstawę rzeczywistą, znacznie niższą liczbę pacjentów w Lüneburgu, wskaźniki śmiertelności są znacznie wyższe.

Po tym, jak Willi Baumert został w 1943 r. oddelegowany na pełny etat do Lüneburga, śmiertelność wzrosła do ponad 30 procent. Ponieważ we wrześniu 1944 r. został powołany do służby wojskowej, w 1944 r. spadła ona do 27 procent. Rok 1945 jest rokiem najwyższej śmiertelności w sanatorium i domu opieki w Lüneburgu. W wyniku masowych zgonów wyniosła ona ponad 35 procent. W 1946 roku zmarł co piąty pacjent, a w 1947 roku nadal ponad co dziesiąty.

W czasie wojny umierało nie więcej niż trzech pacjentów dziennie. Sytuacja zmieniła się na początku kwietnia 1945 roku. W niektórych dniach kwietnia, maja i czerwca umierała niezwykle duża liczba pacjentów. Były to prawdziwe „dni śmierci”. Śmierć z przyczyn naturalnych lub związanych z chorobą jest mało prawdopodobna. Zabójstwa trwały do końca sierpnia 1945 r. Do lata 1946 r. śmierć wielu pacjentów z powodu głodu, poważnego niedożywienia i nieodpowiedniej opieki była uznawana za nieuniknioną.
»Ustawa o zapobieganiu chorobom dziedzicznym« pozostawała w mocy w strefach zachodnich aż do powstania Republiki Federalnej Niemiec w 1949 roku. Chociaż brytyjski rząd wojskowy zawiesił egzekwowanie ustawy, dyrektor medyczny Rudolf Redepenning pozostał przydzielony do Sądu ds. Zdrowia Dziedzicznego w Lüneburgu, a postępowania były kontynuowane. Jedynie w strefie wschodniej ustawa została całkowicie uchylona, a lekarze zaangażowani w jej stosowanie zostali postawieni przed sądem. Na początku lat 50. osoby dotknięte tą ustawą złożyły wnioski o ponowne rozpatrzenie spraw. Chcieli oni w swoich wnioskach o emeryturę powołać się na fakt, że byli ofiarami nazistowskiej niesprawiedliwości. W wielu przypadkach o tych sprawach decydowali ci sami sędziowie, którzy w czasie wojny nakazali przeprowadzenie przymusowych sterylizacji.

Wyciąg z decyzji Wyższego Sądu Krajowego w Celle z dnia 9 października 1952 r. w sprawie wznowienia postępowania spadkowego po Georgu Marienbergu.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 N. 1324.
W 1951 roku Georg Marienberg wystąpił o ponowne rozpatrzenie swojej sprawy dotyczącej dziedzicznego stanu zdrowia i miał nadzieję na uzyskanie odszkodowania. Dyrektor sądu rejonowego Jahn, który od 1940 roku był sędzią w Sądzie ds. Dziedzicznego Stanu Zdrowia w Lüneburgu, uznał, że jego ówczesna decyzja była zgodna z prawem. Georg Marienberg odwołał się od tej decyzji do Wyższego Sądu Krajowego w Celle. Odwołanie zostało odrzucone w 1952 roku. Postępowanie nie zostało ponownie wszczęte.
W ponownych procesach ofiary często stawały przed tymi samymi sędziami, którzy wcześniej orzekali w sprawie przymusowych sterylizacji. Musieli również ponownie przejść test na inteligencję. Tak też było w przypadku Emmi Nielson, która, podobnie jak jej przyrodni brat Georg Marienberg, złożyła wniosek o ponowne rozpatrzenie sprawy. Jej wniosek został odrzucony i musiała sama pokryć koszty procedury.

Fragment zapisu niepublicznego posiedzenia w sprawie wznowienia sprawy dziedzicznej choroby Emmi Nielson z dnia 25 maja 1951 r.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 103/88 Nr. 662.

Wyciąg z decyzji w sprawie o odszkodowanie Wilhelm Saul jun. z dnia 19 września 1959 r.
NLA Hannover Nds. 720 Lüneburg Acc. 139/90 N. 107.
W 1958 roku siostra Wilhelma Saula domagała się odszkodowania i zadośćuczynienia za przymusową sterylizację swojego brata. Wniosła pozew do wydziału cywilnego Sądu Okręgowego w Lüneburgu. Pozew został oddalony, ponieważ termin na jego wniesienie upłynął kilka dni wcześniej, a »powody eugeniczne« ustanowione przez prawo w 1933 roku nie zostały zakwestionowane.
Orzeczenia z okresu od 1934 do 1949 roku były przez dziesięciolecia utrzymywane w mocy bez wyjątku. Ponieważ inne kraje miały podobne przepisy dotyczące sterylizacji, »Ustawa o zapobieganiu chorobom dziedzicznym« nie była uważana za politykę nazistowską.
»Ustawa o zapobieganiu chorobom dziedzicznym u potomstwa z dnia 14 lipca 1933 r. nie jest typową ustawą narodowosocjalistyczną, ponieważ podobne przepisy istnieją w krajach demokratycznych, takich jak Szwecja, Dania, Finlandia i niektóre stany USA. Jednak federalna ustawa o odszkodowaniach zasadniczo przyznaje odszkodowania wyłącznie ofiarom prześladowań w ramach reżimu nazistowskiego oraz, w kilku wyjątkowych przypadkach, ofiarom, które poniosły szkody w wyniku szczególnie poważnych naruszeń zasad państwa prawa.«
Niemiecki Bundestag, protokół plenarny 2/191, s. 10876 z dnia 7 lutego 1957 r.

Niemiecki Bundestag, głosowanie nad uchyleniem »Ustawy o zapobieganiu chorobom dziedzicznym u potomstwa«, 2007 r. Kilku posłów głosuje przeciwko, a kilku wstrzymuje się od głosu.
Film »Brave New Human: Racial Hygiene as a State Objective« (»Nowy człowiek: higiena rasowa jako cel państwa«)
(NDR, 2015); kod czasowy 00:41:27.
W 1980 r. poszkodowani mogli ubiegać się o jednorazowe odszkodowanie w wysokości 5 000 DM. W 1988 r. niemiecki Bundestag po raz pierwszy określił przymusową sterylizację jako nazistowską niesprawiedliwość. Dopiero w 1992 r. sterylizacja osób wbrew ich woli stała się nielegalna. Wyroki sądów ds. zdrowia dziedzicznego zostały uchylone w 1998 roku. Odszkodowanie w wysokości 291 euro miesięcznie zostało wypłacone po raz pierwszy w 2011 roku.
Ocalali z »oddziału dziecięcego« oraz krewni ofiar programu eutanazji zostali w dużej mierze wykluczeni z późniejszych dochodzeń w sprawie zbrodni. Przez dziesięciolecia rodziny często nie wiedziały nic o rzeczywistym losie swoich bliskich. Kiedy dziś dowiadują się o okolicznościach ich śmierci, nie przysługuje im już prawo do odszkodowania ani zadośćuczynienia. Zbrodnie te uznaje się za przedawnione. Ofiary i ich rodziny należą do grona osób, które ucierpiały pod rządami nazistów i których straty nigdy nie zostały zrekompensowane.
MYŚLENIE Z WYPRZEDZENIEM I PONOWNA OCENA
Leczenie pacjentów w placówce poprawiało się tylko stopniowo. Do 1975 r. w RFN i NRD nie nastąpiła żadna zmiana w sposobie myślenia. Dopiero gdy psychiatryczna komisja śledcza zlecona przez rząd federalny doszła do wniosku, że w wielu instytucjach psychiatrycznych w RFN nadal panowały nieludzkie warunki, opieka nad pacjentami zmieniła się na korzyść. W latach 80. zmiana ta nastąpiła również w NRD.
Test inteligencji wprowadzony w czasach narodowego socjalizmu był nadal stosowany długo po 1945 roku. Zmieniono jedynie pytania dotyczące wydarzeń politycznych. Autor, Gerhard Kloos, kierował »oddziałem dziecięcym« w Stadtroda w czasach nazistowskich. Przed 1945 r. zasłynął również w środowisku medycznym dzięki »leczeniu krok po kroku« (praca przymusowa, niedożywienie i odmowa terapii) oraz zatruwaniu dysydentów politycznych. Kiedy ukazało się trzecie wydanie jego testu inteligencji, był dyrektorem szpitala Bad Pyrmont w południowej Dolnej Saksonii.

Gerhard Kloos: Guide to intelligence testing in
hereditary health court proceedings, Jena 1941.

Gerhard Kloos: Guide to Intelligence Testing in
Psychiatric Diagnostics, Stuttgart 1952.
Nawet dzisiaj istnieją testy inteligencji, które czasami nie uwzględniają faktu, że osoba badana jest pochodzenia zagranicznego. Z tego powodu zbyt wiele dzieci pochodzenia zagranicznego jest identyfikowanych jako »potrzebujące wsparcia w rozwoju intelektualnym«. Dwujęzyczność jest również uważana za wadę. Niemniej jednak testy takie są użytecznym narzędziem do identyfikacji potrzeb wsparcia.
Raport Komisji ds. Badań Psychiatrycznych z 1975 r. doprowadził do odejścia od opieki instytucjonalnej, która do tej pory była normą. Po raz pierwszy uwzględniono potrzeby i trudności osób dotkniętych chorobą oraz ich rodzin. Rzadziej stosowano środki przymusu. Wiele zrobiono, aby przełamać uprzedzenia wobec chorób psychicznych i niepełnosprawności. Niemniej jednak nadal istnieje przekonanie, że osoby cierpiące na choroby psychiczne i niepełnosprawne nie są równe osobom zdrowym. Instytucje nastawione na zysk wzmacniają to przekonanie, ponieważ osoby dotknięte chorobą szybko stają się ponownie »balastem«.

Haftowana serwetka, praca pacjenta, pochodzenie nieznane, przekazana przez Helgę Guddat, 1975.
StArEGL 21.
Nie wiadomo, kto wyhaftował tę chusteczkę.
Ale podobnie jak w przypadku haftu Marthy Kaufmann w pokoju
HANDELN, motywy i napisy odzwierciedlają
doświadczenie psychiatrii w 1975 roku.

„W wieku 77 lat LKH staje się nowoczesna“, w: Lüneburger Landeszeitung, 31 stycznia 1978, s. 12.
StadtALg, 8.2-LLA-B, 498.

Kwestionariusz z Hannover Medical School dotyczący projektu badawczego „Zaburzenia psychiczne wśród cudzoziemców w Republice Federalnej Niemiec“, wiosna 1984 r.
ArEGL 19.
Nawet po 1975 r. osoby obcego pochodzenia, które zachorowały, nadal spotykają się z uprzedzeniami. Projekt badawczy na Uniwersytecie w Hanowerze zakładał, że istnieje związek między obcym pochodzeniem a chorobą psychiczną. Szpital w Lüneburgu był jedynym, który nie wziął udziału w tym badaniu. Decydującym czynnikiem nie były jednak względy etyczne, ale ochrona danych. Do dnia dzisiejszego wspieranie pacjentów obcego pochodzenia i unikanie dyskryminacji z wielu powodów nie wszędzie jest oczywistością.

Hans Heinze senior (po lewej) z synem Hansem Heinze juniorem (drugi od prawej) i trójką wnuków, ok. 1966 r.
Własność prywatna Hilde Winkelmann | Grupa Robocza Stolpersteine Rehburg-Loccum.
W latach 1954-1978 przeprowadzono co najmniej 18 badań leków i szczepionek na niemowlętach, dzieciach i młodzieży w Klinice Psychiatrycznej dla Dzieci i Młodzieży w Wunstorf oraz w domach, które otrzymały tam opiekę medyczną. Badania te były prowadzone bez zgody osób, których dotyczyły. Lekarzem prowadzącym był początkowo Hans Heinze senior, a od 1966 roku Hans Heinze junior. Dzięki współpracy z Fritzem Stöckmannem, starszym lekarzem w placówkach w Rotenburgu w latach 1960-1974, prowadzono tam również badania nad lekami. Dochodzenie zlecone przez Ministerstwo Spraw Społecznych Dolnej Saksonii w 2017 r. wykazało dwa lata później, że między innymi nie jest już możliwe ustalenie liczby dzieci i młodzieży, które zostały skrzywdzone. Dochodzenie nie zawierało również żadnych oświadczeń na temat możliwych szkód dla dzieci w wyniku badań.

