NFC zu H-K-11
ZWANGSSTERILISATION
Mehr als 820 Menschen wurden gegen ihren Willen unfruchtbar gemacht. In Lüneburg gab es dazu über 2.400 Gerichtsverfahren. Die meisten Urteile wurden mit »angeborenem und sozialem Schwachsinn« begründet. Viele Betroffene waren erst 14 Jahre alt. Wenn zur Zwangssterilisation verurteilte Frauen schwanger waren, kam es zu Zwangsabtreibungen. Bei Männern gab es Kastrationen auf Grundlage des »Gesetzes gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher«. Dabei konnten auch die äußeren Geschlechtsorgane entfernt werden.
ZWANGS-STERILISATION
Die Nazis machen 820 Menschen unfruchtbar
in der Anstalt in Lüneburg.
Das heißt: Diese Menschen können keine Kinder mehr bekommen.
Diese Menschen wollen nicht unfruchtbar gemacht werden.
Man zwingt sie dazu.
Das nennt man: Zwangs-Sterilisation.
Viele Menschen sind erst 14 Jahre alt
bei der Zwangs-Sterilisation.
Einige Frauen sind schwanger
bei der Zwangs-Sterilisation.
Ihre Babys im Bauch werden
bei der OP ermordet.
Die Nazis machen auch Männer unfruchtbar.
Sie schneiden einigen Männern bei einer OP den Penis ab.
Das nennt man: entmannen oder kastrieren.
Die Männer können dann keine Kinder mehr bekommen.
In der Nazi-Zeit entscheiden Richter,
welche Menschen eine Zwangs-Sterilisationen bekommen.
Es gibt 2.400 Gerichts-Verfahren in Lüneburg.
Die Richter entscheiden
bei den Gerichts-Verfahren:
Diese Frau oder dieser Mann darf
keine Kinder bekommen.
Zum Beispiel
• weil diese Menschen eine seelische Krankheit haben.
• weil diese Menschen anders sind,
als die Nazis es wollen.

Familie Saul, um 1925.
Privatbesitz Anne Krause-Rick.
Neben der körperlichen Verletzung ging mit der Sterilisation die Abwertung der Person und eine Abwertung der gesamten Familie einher. Familien, die mit Erkrankungen zu kämpfen hatten, wurden herabgewürdigt und ausgegrenzt. Ihre Scham trägt sich bis in die Gegenwart fort.
Wilhelm Saul (hintere Reihe Mitte) wurde wegen »angeborenen Schwachsinns« gegen seinen Willen sterilisiert. Seine Schwester Marie (vordere Reihe rechts) erkrankte psychisch und starb in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg. Die Familie erlebte soziale Kälte.
Vielen Menschen geht es
nach der Zwangs-Sterilisation schlecht:
Sie fühlen sich wertlos.
Sie denken:
andere Menschen sind besser als ich.
Sie schämen sich für die Zwangs-Sterilisation.
In der Nazi-Zeit grenzen andere Menschen sie und ihre Familien aus.
Manchmal ist das auch nach der Nazi-Zeit
noch so.
Das ist ein Foto von Familie Saul.
Das Foto ist aus dem Jahr 1925.
Wilhelm Saul steht in der Mitte.
Seine Eltern sitzen vor ihm.
Die Nazis machen bei Wilhelm
eine Zwangs-Sterilisation.
Denn er hat eine seelische Krankheit.
Auf dem Foto sieht man auch
Wilhelms Schwester Marie.
Sie hat auch eine seelische Krankheit.
Sie stirbt in der Anstalt in Lüneburg.
Darum wollen viele Menschen nichts
mit der Familie Saul zu tun haben.
Sie grenzen die Familie Saul aus.
Mehr als die Hälfte der Zwangssterilisationen wurde im Städtischen Krankenhaus Lüneburg durchgeführt. Der einzige vorhandene Operationssaal wurde oft dafür belegt. Der Eingriff wurde gut bezahlt. Auch in der Landesfrauenklinik Celle, im St. Viti-Krankenhaus Uelzen, im Hafenkrankenhaus Hamburg, im Krankenhaus Hamburg St. Georg, im Henriettenstift Hannover und im Städtischen Krankenhaus Hildesheim wurden Zwangssterilisationen durchgeführt.
Die Ärzte machen
viele Zwangs-Sterilisationen in Lüneburg.
Sie machen über die Hälfte von den Zwangs-Sterilisationen im normalen Krankenhaus.
Kranke aus der Anstalt kommen ins normale Krankenhaus.
Dort machen die Ärzte die OP.
Danach können die Kranken
keine Kinder mehr bekommen.
Nach der OP kommen die Kranken wieder zurück in die Anstalt.
Das ist ein Foto vom OP-Saal
im normalen Krankenhaus in Lüneburg.
In der Nazi-Zeit gibt es nur diesen einen OP-Saal im normalen Krankenhaus.
Die Ärzte benutzen ihn oft
für Zwangs-Sterilisationen.
Denn das Krankenhaus bekommt
viel Geld für Zwangs-Sterilisationen.
Die Nazis bezahlen das Geld
für die Zwangs-Sterilisationen.
Auch in vielen anderen Krankenhäusern machen die Ärzte Zwangs-Sterilisationen.
Zum Beispiel:
• in Celle.
• in Hamburg.
• in Uelzen.
• in Hannover
• in Bremen.

Der Operationssaal, in dem von 1934 bis 1945 die Zwangssterilisationen in Lüneburg durchgeführt wurden, um 1900.
Kopie ArEGL.
Im Zuge der erbbiologischen Erfassung wurde jedes Familienmitglied auf sein Erbgut hin bewertet. Dies führte dazu, dass eine ganze Generation einer Familie angezeigt, überprüft und im Zweifel unfruchtbar gemacht wurde. So erging es auch der Familie Marienberg und der Familie Münzer aus Lüneburg.
In der Nazi-Zeit untersucht man jede Familie in Deutschland.
Die Ärzte prüfen:
Gibt es Kranke in der Familie?
Man schreibt die Kranken
aus der Familie auf.
Sie kommen auf eine Liste
für die Zwangs-Sterilisation.
Darum gibt es so viele Zwangs-Sterilisationen in der Nazi-Zeit.
In einigen Familien gibt es
mehr als eine Zwangs-Sterilisation.
Zum Beispiel:
Familie Münzer und Familie Marienberg.

Sippentafel von Charlotte Münzer, 7.2.1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 Nr. 1223.
Vier Geschwister aus der Familie Münzer wurden zwangssterilisiert: Dora (geb. 1899), Ferdinand (geb. 1906), Albert (geb. 1907) und Frieda Münzer (geb. 1911). Der Amtsarzt erfand sogar neue Kategorien, um ihre Sterilisation zu begründen. In Wahrheit wurde die Familie wegen eines Romno-Hintergrundes verfolgt. Auch ihre Lebensweise entsprach nicht den damaligen engen Vorstellungen. Alberts Sohn Horst Münzer wurde zudem Opfer der »Kinder-Euthanasie«.
Auf diesem Papier stehen alle Namen
von den Personen aus einer Familie.
Man kann sehen,
wie die Personen verwandt sind.
Man nennt das: Stammbaum.
Dieser Stammbaum ist aus dem Jahr 1938.
Die Nazis haben den Stammbaum gemacht.
Sie nennen das auch: Sippen-Tafel.
Einige Namen auf der Sippen-Tafel haben
eine extra Farbe oder extra Form.
Es gibt zum Beispiel extra Farben für Personen,
• die geschieden sind.
• die süchtig nach Alkohol sind.
• die krank sind.
Diese Sippen-Tafel zeigt die Personen
aus der Familie Münzer.
Es gibt 9 Geschwister.
4 Geschwister haben
die Form für erbkrank bekommen.
Darum macht man sie unfruchtbar.
Aber es ist falsch,
was auf der Sippen-Tafel steht.
Die 4 Geschwister sind gar nicht krank.
Aber sie sind Sinti und Roma.
Sie leben anders, als die Nazis es gut finden.
Darum machen die Nazis sie unfruchtbar.
Frieda Gras, geb. Münzer, war die Vorletzte der Münzer-Geschwister, die zwangssterilisiert wurde. Neun Tage später wurde ihr Bruder Ferdinand unfruchtbar gemacht.
Das sind Fotos von Frieda Münzer
aus dem Jahr 1937.
Die Fotos sind aus ihrer Kranken-Akte.
In der Kranken-Akte steht:
Frieda Münzer ist erbkrank.
Darum macht man sie unfruchtbar.
Aber es ist falsch was in der Kranken-Akte steht.
S Frieda Münzer ist gar nicht krank.
9 Tage später wird ihr Bruder Friedrich
auch unfruchtbar gemacht.

Amtsärztliches Gutachten über Frieda Münzer, 20.12.1937.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 Nr. 1223.

Hochzeitsfoto von Erich und Thea Harenburg (geb. Marienberg), 28.2.1941.
Privatbesitz Uwe Marienberg.
Die Sterilisation wurde auch eingesetzt, um Andersdenkende zu entrechten. Die Brüder Georg (geb. 1910) und Karl Marienberg (geb. 1913) wurden 1938 sterilisiert. Hauptgrund war ihre politische Haltung. Als Kommunisten galten sie als »sozial schwachsinnig«. Ihre Halbschwester Emmi Nielson (geb. 1921) wurde 1943 Opfer der Zwangssterilisation, genauso wie ihre Cousine Thea Harenburg (geb. 1921), geborene Marienberg.
Das ist ein Hochzeits-Foto
von Thea und Erich Harenburg.
Die Nazis machen Thea unfruchtbar.
Denn ihr Vater ist gegen die Nazis.
Die Nazis machen auch andere Personen
aus Theas Familie unfruchtbar:
ihre Cousins Georg und Karl Marienberg und ihre Halb-Cousine Emmi Nielson.
Die Nazis sagen, sie sind krank.
Aber das stimmt nicht.
Sie sind gegen die Nazis und
ihre Politik.
Etwa jeder zehnte Zwangssterilisierte ist »doppeltes Opfer«. Entweder wurden sie nicht nur zwangssterilisiert, sondern hatten auch eine Zwangsabtreibung (mindestens 16) oder sie wurden 1941 im Rahmen der »Aktion T4« mit Gas ermordet (mindestens 15). Mindestens acht Patienten starben in der Heil- und Pflegeanstalt Lüneburg und der Tötungsanstalt Pfafferode an überdosierten Medikamenten oder verhungerten. Mindestens zwei Frauen starben an den Folgen der Sterilisation.
In der Nazi-Zeit bekommen viele Menschen eine Zwangs-Sterilisation.
Einige Menschen sind danach
noch einmal Opfer von Gewalt:
• Sie haben bei der Zwangs-Sterilisation auch eine Zwangs-Abtreibung.
Sie verlieren das ungeborene Kind.
• Sie werden nach der Zwangs-Sterilisation mit Gas ermordet.
• Sie werden nach der Zwangs-Sterilisation mit Medikamenten ermordet.
Einige Menschen verhungern auch.
• 2 Frauen sterben
bei einer Zwangs-Sterilisation.

Brief von Margarete Tost an den Landrat in Soltau vom 29.11.1935.
NLA Hannover Hann. 180 Lüneburg Acc. 3/005 Nr. 15/2.
Zwei Frauen überlebten die Sterilisation nicht: Henny Tost (geb. 1900) aus Schneverdingen und Emma Timme (geb. 1901) aus Wohlde-Salzmoor. Henny Tost starb direkt nach dem Eingriff, weil der Arzt während der Operation eine Zyste entfernen wollte. Als Entschädigung forderte die Mutter 50 Reichsmark monatlich für die verlorengegangene Arbeitskraft ihrer Tochter.
2 Frauen sterben bei
der Zwangs-Sterilisation.
Eine Frau heißt: Henny Tost.
Sie kommt aus Schneverdingen.
Die andere Frau heißt: Emma Timme.
Sie kommt aus Salzmoor bei Celle.
Das ist ein Brief von Henny Tosts Mutter
aus dem Jahr 1935.
Sie schreibt an den Landrat von Soltau.
Sie will Geld haben für den Tod
von ihrer Tochter.
Ihre Tochter hat immer kostenlos
auf ihrem Bauernhof gearbeitet.
Jetzt muss die Mutter jemanden
für diese Arbeit bezahlen.
Emma Timme starb wenige Tage nach dem Eingriff mitten in der Nacht. Da sich die Ärzte nicht erklären konnten, woran sie gestorben war, obduzierten sie die Leiche.
Emma Timme stirbt
nach der Zwangs-Sterilisation.
Keiner weiß warum.
Darum schneiden die Ärzte
die Leiche von Emma Timme auf.
Danach sagen die Ärzte:
Sie hatte einen Schock
von dem Eingriff.
Daran ist sie gestorben.

NLA Hannover Hann. 156 Celle Acc. 95/79 Nr. 6.

Behandlungsbericht vom 6.1.1936.
NLA Hannover Hann. 156 Celle Acc. 95/79 Nr. 2.
Bei den Zwangsabtreibungen wurden Schwangerschaften zwischen dem zweiten und siebten Schwangerschaftsmonat abgebrochen. Die Föten waren 17 bis 38 cm groß und bis zu 930 g schwer. Es kam auch vor, dass Frauen trotz Zwangssterilisation schwanger wurden. In diesen Fällen wurde der Eingriff (Zwangsabtreibung) wiederholt. Es sind nur zwei Fälle bekannt, bei denen das trotz Sterilisation erwartete Kind ausgetragen werden und überleben durfte.
Emma Schulze (geb. 1909) aus Schmölau war 26 Jahre alt, als ihre ungeborene Tochter infolge ihrer Sterilisation zwangsabgetrieben wurde.
In der Nazi-Zeit bekommen auch Schwangere eine Zwangs-Sterilisation.
Die Babys im Bauch sterben
bei der Zwangs-Sterilisation.
Sie werden abgetrieben.
Einige Babys sind da schon sehr weit entwickelt.
Vielleicht konnten sie schon leben.
Einige Frauen werden nach einer Zwangs-Sterilisation trotzdem schwanger.
Dann muss die Zwangs-Sterilisation
noch mal gemacht werden.
Die Babys im Bauch sterben dabei.
Nur 2-mal ist das nicht so.
Da dürfen die 2 Frauen ihre Babys behalten.
Emma Schulze verliert ihr Kind
bei einer Zwangs-Sterilisation.
Das steht in diesem Bericht über die Behandlung von Emma Schulze.
Der Bericht ist aus dem Jahr 1936.
Im Mai 1938 beschloss das Erbgesundheitsgericht Lüneburg Paul Hausens Unfruchtbarmachung. Auf Grundlage des »Gesetzes gegen gefährliche Gewohnheitsverbrecher« wurde er kastriert. Seine Geschlechtsorgane wurden entfernt. Es folgte eine Anstaltsaufnahme als »Sittlichkeitsverbrecher«. Am 23. April 1941 wurde Paul Hausen im Zuge der »Aktion T4« in die Zwischenanstalt Herborn und von dort am 21. Mai 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar verlegt.
Das ist ein Foto von Paul Hausen.
Er wollte Sex mit einem Mädchen.
Sie wollte nicht.
Darum wird er angezeigt.
Es gibt es ein Gerichts-Verfahren.
Das Gericht entscheidet:
Paul Hausen wird unfruchtbar gemacht.
Dabei schneidet man ihm auch den Penis ab.
Er kann keinen Sex mehr haben.
Danach kommt er in die Anstalt
nach Lüneburg.
Dort bleibt er bis zum Jahr 1941.
Dann kommt er in eine Tötungs-Anstalt
und wird mit Gas ermordet.

Paul Hausen auf seinem Krankenblatt, 1938.
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 Nr. 07888.

Auguste Elise Schmid, um 1925.
Privatsammlung Kirsten Muster.
Auguste Elise Schmid aus Bülkau war Mutter einer vier- und einer zweijährigen Tochter, als sie 1938 zwangssterilisiert wurde. Sie entkam der »Aktion T4«, wurde jedoch am 8. September 1943 in die Tötungsanstalt Pfafferode verlegt. Diese Verlegung überlebte sie nicht. Da der Vater der Mädchen, Josef Unger, bereits verheiratet war, blieb die Verbindung inoffiziell. Die Mädchen wuchsen bei Augustes Freundin Martha Niehaus auf.
Das ist ein Foto von Auguste Elise Schmid
aus dem Jahr 1925.
Sie hat 2 Töchter.
Der Vater von den Töchtern ist mit einer anderen Frau verheiratet.
Auguste Schmid wird seelisch krank.
Darum machen die Nazis sie unfruchtbar.
Im Jahr 1943 kommt sie
in die Tötungs-Anstalt nach Pfafferode.
Dort wird sie ermordet.
Die 2 Mädchen kommen in eine Pflege-Familie.
Der richtige Vater will geheim bleiben.
Keiner darf wissen,
dass er der Vater von den Mädchen ist.
Denn seine Ehefrau weiß nichts
von seinen Töchtern mit Auguste Schmid.
Kurt Heine ist kein typisches Opfer der Zwangssterilisation. Er wurde Opfer der Kriegsfolgen des Ersten Weltkrieges und seiner eigenen Weltanschauung. In Zeiten ökonomischer und politischer Krisen erlebte er immer wieder berufliche Misserfolge, die möglicherweise zu seiner Erkrankung beitrugen. Schwer erkrankt und ohne Selbstwertgefühl, ließ er sich vermutlich freiwillig unfruchtbar machen.
Das ist die Kranken-Akte von Kurt Heine.
Kurt Heine war als Soldat
im Ersten Weltkrieg.
Das hat ihn seelisch krank gemacht.
Darum soll er unfruchtbar gemacht werden.
Kurt Heine findet das gut.
Er denkt:
Ich bin eine Gefahr.
Ich bin krank.
Ich will meine Krankheit nicht an Kinder vererben.

Krankenakte von Kurt Heine.
ArEGL.
FORCED STERILIZATION
More than 820 people were made infertile against their will. There were over 2,400 court cases in Lüneburg. Most of the verdicts were based on »congenital and social imbecility«. Many of those affected were only 14 years old. If women sentenced to forced sterilization were pregnant, forced abortions were carried out. Men were castrated on the basis of the »law against dangerous habitual criminals«. The external sexual organs could also be removed.

The Saul family, around 1925.
Private property Anne Krause-Rick.
In addition to the physical injury, sterilization was accompanied by a devaluation of the person and a devaluation of the entire family. Families who struggled with illness were belittled and ostracized. Their shame continues to the present day.
Wilhelm Saul (back row, center) was sterilized against his will due to »congenital feeblemindedness«. His sister Marie (front row, right) became mentally ill and died in the Lüneburg institution and nursing home. The family experienced social coldness.
More than half of the forced sterilizations were carried out at Lüneburg Municipal Hospital. The only operating theater available was often used for this purpose. The procedure was well paid for. Forced sterilizations were also carried out at the Landesfrauenklinik Celle, the St. Viti Hospital in Uelzen, the Hafenkrankenhaus Hamburg, the Krankenhaus Hamburg St. Georg, the Henriettenstift Hannover and the Städtisches Krankenhaus Hildesheim.

The operating theatre where forced sterilizations were carried out in Lüneburg from 1934 to 1945, around 1900.
Copy ArEGL.
In the course of the hereditary biology registration, each family member was assessed for their genetic material. This meant that an entire generation of a family was reported, checked and, in case of doubt, rendered infertile. This was also the case for the Marienberg family and the Münzer family from Lüneburg.

Family tree of Charlotte Münzer, February 7, 1938.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 No. 1223.
Four siblings from the Münzer family were forcibly sterilized: Dora (born 1899), Ferdinand (born 1906), Albert (born 1907) and Frieda Münzer (born 1911). The public health officer even invented new categories to justify their sterilization. In reality, the family was persecuted because of a Romno background. Their way of life also did not conform to the narrow ideas of the time. Albert’s son Horst Münzer was also a victim of »children euthanasia«.
Frieda Gras, née Münzer, was the penultimate of the Münzer siblings to be forcibly sterilized. Nine days later, her brother Ferdinand was made infertile.

Official medical report on Frieda Münzer, 20.12.1937.
NLA Hannover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 No. 1223.

Wedding photo of Erich and Thea Harenburg (née Marienberg), February 28, 1941.
Privately owned by Uwe Marienberg.
Sterilization was also used to disenfranchise dissenters. The brothers Georg (born 1910) and Karl Marienberg (born 1913) were sterilized in 1938. The main reason was their political views. As communists, they were considered »socially imbecile«. Their half-sister Emmi Nielson (born 1921) became a victim of forced sterilization in 1943, as did her cousin Thea Harenburg (born 1921), née Marienberg.
Around one in ten people who were forcibly sterilized were »double victims«. Either they were not only forcibly sterilized but also had a forced abortion (at least 16) or they were murdered with gas in 1941 as part of »Aktion T4« (at least 15). At least eight patients died in the Lüneburg institution and nursing home and the Pfafferode killing center from overdoses of medication or starvation. At least two women died as a result of sterilization.

Letter from Margarete Tost to the district administrator in Soltau dated 29.11.1935.
NLA Hannover Hann. 180 Lüneburg Acc. 3/005 No. 15/2.
Two women did not survive the sterilization: Henny Tost (born 1900) from Schneverdingen and Emma Timme (born 1901) from Wohlde-Salzmoor. Henny Tost died immediately after the procedure because the doctor wanted to remove a cyst during the operation. Her mother demanded 50 Reichsmark per month as compensation for the loss of her daughter’s labor.
Emma Timme died in the middle of the night a few days after the operation. As the doctors could not explain what had killed her, they performed an autopsy on her body.

NLA Hanover Hann. 156 Celle Acc. 95/79 No. 6.

Treatment report dated January 6, 1936.
NLA Hanover Hann. 156 Celle Acc. 95/79 No. 2.
In the forced abortions, pregnancies were terminated between the second and seventh month of pregnancy. The fetuses were 17 to 38 cm long and weighed up to 930 g. It also happened that women became pregnant despite forced sterilization. In these cases, the procedure (forced abortion) was repeated. Only two cases are known in which the child expected despite sterilization was carried to term and allowed to survive.
Emma Schulze (born 1909) from Schmölau was 26 years old when her unborn daughter was forcibly aborted as a result of her sterilization.
In May 1938, the hereditary health court in Lüneburg decided to sterilize Paul Hausen. He was castrated on the basis of the »Law against Dangerous Habitual Criminals«. His genitals were removed. He was then admitted to an institution as a »moral criminal«. On April 23, 1941, Paul Hausen was transferred to the Herborn intermediate institution as part of »Aktion T4« and from there to the Hadamar killing center on May 21, 1941.

Paul Hausen on his sick note, 1938.
NLA Hannover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 No. 07888.

Auguste Elise Schmid, around 1925.
Private collection Kirsten Muster.
Auguste Elise Schmid from Bülkau was the mother of a four-year-old and a two-year-old daughter when she was forcibly sterilized in 1938. She escaped »Aktion T4« but was transferred to the Pfafferode killing center on September 8, 1943. She did not survive this transfer. As the girls‘ father, Josef Unger, was already married, the relationship remained unofficial. The girls grew up with Augusta’s friend Martha Niehaus.
Kurt Heine was not a typical victim of forced sterilization. He was a victim of the consequences of the First World War and his own world view. In times of economic and political crises, he repeatedly experienced professional failures, which may have contributed to his illness. Seriously ill and lacking in self-esteem, he probably voluntarily allowed himself to be made infertile.

Medical file of Kurt Heine.
ArEGL.
PRZYMUSOWA STERYLIZACJA
Ponad 820 osób zostało ubezpłodnionych wbrew ich woli. W Lüneburgu odbyło się ponad 2400 spraw sądowych. Większość wyroków opierała się na »wrodzonej i społecznej niepłodności«. Wiele z nich miało zaledwie 14 lat. Jeśli kobiety skazane na przymusową sterylizację były w ciąży, przeprowadzano przymusowe aborcje. Mężczyźni byli kastrowani na podstawie »prawa przeciwko niebezpiecznym przestępcom«. Usuwano również zewnętrzne narządy płciowe.

Rodzina Saulów, około 1925 r.
Własność prywatna Anne Krause-Rick.
Oprócz obrażeń fizycznych, sterylizacji towarzyszyła dewaluacja osoby i całej rodziny. Rodziny, które zmagały się z chorobą, były lekceważone i wykluczane. Ich wstyd trwa do dziś.
Wilhelm Saul (w tylnym rzędzie, pośrodku) został wysterylizowany wbrew swojej woli z powodu »wrodzonej słabości umysłu«. Jego siostra Marie (w pierwszym rzędzie, po prawej) zachorowała psychicznie i zmarła w sanatorium i domu opieki w Lüneburgu. Rodzina doświadczyła społecznego chłodu.
Ponad połowa przymusowych sterylizacji została przeprowadzona w Szpitalu Miejskim w Lüneburgu. Często wykorzystywano do tego celu jedyną dostępną salę operacyjną. Procedura była dobrze opłacana. Przymusowe sterylizacje przeprowadzano również w Landesfrauenklinik Celle, szpitalu St. Viti w Uelzen, Hafenkrankenhaus Hamburg, Krankenhaus Hamburg St. Georg, Henriettenstift Hannover i Städtisches Krankenhaus Hildesheim.

Sala operacyjna, w której przeprowadzano przymusowe sterylizacje w Lüneburgu w latach 1934-1945, około 1900 r.
Kopia ArEGL.
W trakcie rejestracji biologii dziedzicznej każdy członek rodziny był oceniany pod kątem materiału genetycznego. Oznaczało to, że całe pokolenie rodziny zostało zgłoszone, sprawdzone i, w razie wątpliwości, uznane za bezpłodne. Tak było również w przypadku rodziny Marienberg i rodziny Münzer z Lüneburga.

Drzewo genealogiczne Charlotte Münzer, 7 lutego 1938 r.
NLA Hanover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 n. 1223.
Czworo rodzeństwa z rodziny Münzer zostało przymusowo wysterylizowanych: Dora (ur. 1899), Ferdinand (ur. 1906), Albert (ur. 1907) i Frieda Münzer (ur. 1911). Urzędnik zdrowia publicznego wymyślił nawet nowe kategorie, aby uzasadnić ich sterylizację. W rzeczywistości rodzina była prześladowana z powodu romskiego pochodzenia. Ich sposób życia również nie był zgodny z ówczesnymi ideami. Syn Alberta, Horst Münzer, również padł ofiarą »dziecięcej eutanazji«.
Frieda Gras, z domu Münzer, była przedostatnią z rodzeństwa Münzerów, które zostało przymusowo wysterylizowane. Dziewięć dni później jej brat Ferdinand stał się bezpłodny.

Oficjalny raport medyczny dotyczący Friedy Münzer, 20.12.1937.
NLA Hanover Hann. 138 Lüneburg Acc. 102/88 n. 1223.

Zdjęcie ślubne Ericha i Thei Harenburg (z domu Marienberg), 28 lutego 1941 r.
Prywatna własność Uwe Marienberga.
Sterylizacja była również wykorzystywana do pozbawiania praw dysydentów. Bracia Georg (ur. 1910) i Karl Marienberg (ur. 1913) zostali wysterylizowani w 1938 roku. Głównym powodem były ich poglądy polityczne. Jako komuniści zostali uznani za »społecznie niedorozwiniętych«. Ich przyrodnia siostra Emmi Nielson (ur. 1921) padła ofiarą przymusowej sterylizacji w 1943 r., podobnie jak jej kuzynka Thea Harenburg (ur. 1921), z domu Marienberg.
Około jedna na dziesięć przymusowo wysterylizowanych osób była »podwójną ofiarą«. Albo zostały nie tylko przymusowo wysterylizowane, ale także poddane przymusowej aborcji (co najmniej 16), albo zostały zamordowane gazem w 1941 r. w ramach »Aktion T4« (co najmniej 15). Co najmniej ośmiu pacjentów zmarło w sanatorium i domu opieki w Lüneburgu oraz w ośrodku zagłady Pfafferode z powodu przedawkowania leków lub głodu. Co najmniej dwie kobiety zmarły w wyniku sterylizacji.

Pismo Margarete Tost do starosty powiatowego w Soltau z 29.11.1935 r.
NLA Hanover Hann. 180 Lüneburg Acc. 3/005 n. 15/2.
Dwie kobiety nie przeżyły sterylizacji: Henny Tost (ur. 1900) z Schneverdingen i Emma Timme (ur. 1901) z Wohlde-Salzmoor. Henny Tost zmarła natychmiast po zabiegu, ponieważ lekarz chciał usunąć torbiel podczas operacji. Jej matka zażądała 50 marek Rzeszy miesięcznie jako rekompensaty za utratę pracy córki.
Emma Timme zmarła w środku nocy kilka dni po operacji. Ponieważ lekarze nie potrafili wyjaśnić, co ją zabiło, przeprowadzili autopsję jej ciała.

NLA Hanover Hann. 156 Celle Acc. 95/79 n. 6.

Raport z leczenia z dnia 6 stycznia 1936 r.
NLA Hanover Hann. 156 Celle Acc. 95/79 n. 2.
W przypadku przymusowych aborcji ciąże były usuwane między drugim a siódmym miesiącem ciąży. Płody miały od 17 do 38 cm długości i ważyły do 930 g. Zdarzało się również, że kobiety zachodziły w ciążę pomimo przymusowej sterylizacji. W takich przypadkach procedura (przymusowa aborcja) była powtarzana. Znane są tylko dwa przypadki, w których dziecko spodziewane pomimo sterylizacji zostało donoszone i przeżyło.
Emma Schulze (ur. 1909) ze Schmölau miała 26 lat, kiedy jej nienarodzona córka została przymusowo abortowana w wyniku sterylizacji.
W maju 1938 r. dziedziczny sąd sanitarny w Lüneburgu podjął decyzję o sterylizacji Paula Hausena. Został wykastrowany na podstawie »Ustawy przeciwko niebezpiecznym przestępcom nawykowym«. Usunięto mu genitalia. Następnie został przyjęty do zakładu karnego jako »przestępca moralny«. 23 kwietnia 1941 r. Paul Hausen został przeniesiony do zakładu karnego w Herborn w ramach »Aktion T4«, a stamtąd 21 maja 1941 r. do ośrodka zagłady w Hadamar.

Paul Hausen na zwolnieniu lekarskim, 1938 r.
NLA Hanover Hann. 155 Lüneburg Acc. 2004/066 n. 07888.

Auguste Elise Schmid, około 1925 r.
Kolekcja prywatna Kirsten Muster.
Auguste Elise Schmid z Bülkau była matką czterolatki i dwuletniej córki, kiedy w 1938 r. została przymusowo wysterylizowana. Uniknęła »Aktion T4«, ale 8 września 1943 r. została przeniesiona do ośrodka zagłady w Pfafferode. Nie przeżyła tego transportu. Ponieważ ojciec dziewczynek, Josef Unger, był już żonaty, ich związek pozostał nieoficjalny. Dziewczynki dorastały z przyjaciółką Augusty, Marthą Niehaus.
Kurt Heine nie był typową ofiarą przymusowej sterylizacji. Był ofiarą konsekwencji I wojny światowej i własnego światopoglądu. W czasach kryzysu gospodarczego i politycznego wielokrotnie doświadczał niepowodzeń zawodowych, co mogło przyczynić się do jego choroby. Poważnie chory i pozbawiony poczucia własnej wartości, prawdopodobnie dobrowolnie pozwolił sobie na bezpłodność.

Dokumentacja medyczna Kurta Heine.
ArEGL.

